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Die Leistungsverweigerer

Beim 0:6-Debakel von Augsburg ergeben sich die VfB-Spieler ihrem Schicksal

Dass am Ende zwischen dem Trainer Markus Weinzierl und seinen VfB-Profis nichts mehr stimmte, wurde beim 0:6 in Augsburg deutlich. Jetzt ist Weinzierl weg – und die Spieler sind mehr denn je gefordert, Einsatz zu zeigen.

Stuttgart Es war am späten Samstagabend um 21.51 Uhr, als der von seinen Aufgaben entbundene Markus Weinzierl beim VfB vom Hof rollte. Ehe er in die Nacht entschwand, stoppte der Ex-Trainer der Stuttgarter aber hinter der Schranke außerhalb des Clubgeländes noch einmal seinen Wagen, stieg aus – und hinterließ auf Nachfrage eine Botschaft. „Ich wünsche der Mannschaft alles Gute“, sagte Markus Weinzierl zunächst, ehe er sich kurz darauf korrigierte: „Ich wünsche dem Verein alles Gute.“

Ja, es ist tatsächlich sehr viel schiefgelaufen im Zusammenspiel des Trainers Markus Weinzierl mit diesem Profi-Ensemble namens VfB Stuttgart, von dem viele der 5000 nach Augsburg mitgereisten, bitter enttäuschten Fans bereits behaupten, dass man diese 25 vom Verein beschäftigen Bundesliga-Fußballer kaum mehr als Mannschaft bezeichnen dürfe. Beim 0:6 in Augsburg, auch dies ist Teil der Wahrheit, sind die letztmals von Markus Weinzierl nominierten elf Spieler der Startformation sicher nicht mit dem festen Vorsatz aus der Kabine gekommen, diese Partie mit Pauken und Trompeten zu verlieren, um endlich ihren Cheftrainer loszuwerden. Allerdings war spätestens nach dem 0:2 der Anspruch, den Untergang mit allen Mitteln zu verhindern, in weiten Teilen des VfB-Teams nicht mehr gegeben.

Als der Mittelfeldspieler Gonzalo Castro in den Katakomben des Augsburger Stadions daher mit dem Vorwurf konfrontiert wurde, die Mannschaft habe gegen ihren Trainer gespielt, da giftete der Routinier zurück: „Wer behauptet das?“

Tatsächlich stand es um das Verhältnis zwischen der Mannschaft und dem Trainer Weinzierl aber schon länger nicht mehr allzu gut. So warf man dem Straubinger bereits relativ kurz nach seinem Amtsantritt mangelnde Empathie vor. Weinzierl sei keiner, der ein Team mitreißen könne, seine Halbzeitansprachen seien schwach, das Training sei wenig durchdacht, die Taktik fragwürdig, der Umgang mit vielen jungen Spielern, allen voran den Neuzugängen Nicolas Gonzalez, Pablo Maffeo oder Borna Sosa, sei viel zu wenig feinfühlig und obendrein nicht ­intensiv genug – so lauten im Nachhinein hinter vorgehaltener Hand die internen ­Vorwürfe an den Fußballlehrer, der aber vor allem durch seine Erfolglosigkeit ein schleichendes Autoritätsproblem bekam.

Lediglich 16 Punkte holte der gescheiterte Chefcoach, an dessen Seite auch der Co-Trainer Wolfgang Beller, der Athletiktrainer Thomas Barth sowie der Individualtrainer Halil Altintop gehen mussten, in seinen insgesamt 23 Spielen mit dem VfB. Irgendwann glaubten daher auch die wenigen Spieler, die es bis fast zum Schluss gut mit Weinzierl meinten, nicht mehr an die Vorgaben ihres Chefs. Die Trennung vom Samstagabend war daher tatsächlich alternativlos. Der Ex-Manager Michael Reschke jedenfalls, der Weinzierl noch am 10. Oktober 2018 aus voller Überzeugung heraus verpflichtet hatte, der wollte seinen Wunschtrainer von einst bereits nach dem 0:3 von Düsseldorf Mitte Februar opfern, wurde aber letztlich selbst vor die Tür gesetzt. Und zwar, weil der Aufsichtsrat des VfB eher auf die Karte Markus Weinzierl im Verbund mit dem neuen Sportvorstand Thomas Hitzlsperger setzte.

Nun ist auch Weinzierl beim VfB Geschichte – und Hitzlsperger hat es in den restlichen vier, möglicherweise sechs Saisonspielen im Falle einer Relegation, mit Fußballern zu tun, die in den vergangenen 15 Monaten drei Trainer durch ihre sportlichen Leistungen mindestens indirekt verschlissen haben. War der jugendlich-frische Aufstiegstrainer Hannes Wolf gerade den alten Hasen im Kader in der Ansprache oft zu kompliziert und zu grün hinter den Ohren, fühlten sich viele Profis vom Nachfolger Tayfun Korkut, einem Vertreter der konservativen Fußballschule, zu wenig inspiriert.

Nun ist in Weinzierl der Mann weg, der sich bis zum 0:6-Debakel von Augsburg öffentlich stets vor seine Spieler gestellt hat. Angeleitet von Nico Willig als Interimstrainer bläst den Spielern der Wind jetzt ins Gesicht. Ausreden gibt es keine mehr. Dies wurde dem Dutzend Spielern um Mario Gomez, Alexander Esswein, Daniel Didavi oder Dennis Aogo spätestens am Samstagabend klar, als sie nach ihrer Rückkehr aus Augsburg rund 100 aufgebrachten Fans vor dem roten Clubhaus Rede und Antwort standen.

Was die Anhänger sehen wollen, ist leidenschaftlicher Einsatz im Stile des Ozan Kabak, der in Augsburg von Weinzierl erstmals im Mittelfeld eingesetzt zwar sportlich ebenfalls enttäuschte. Doch selbst beim Stand von 0:5 riskierte der Türke noch einen Nasenbeinbruch, um den Ball auf Höhe der Grasnarbe im Fallen per Kopf zu klären. Mit derlei Einsatzbereitschaft und Willen zum Erfolg ist Kabak den meisten seiner Kollegen meilenweit voraus.

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Erstellt:
23. April 2019, 10:19 Uhr

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