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Drei Varianten stehen zur Debatte

Rems-Murr-Fußballer werden wahrscheinlich nicht eigenständig bleiben und anderen Bezirken angegliedert

Die mögliche Reform der Spielklassen innerhalb des Württembergischen Fußball-Verbands nimmt weitere Konturen an. Nach der ersten Phase der Regionalkonferenzen gibt es nun drei konkrete Vorschläge, in denen die Rems-Murr-Fußballer mit Mannschaften anderer Bezirke zusammenspielen müssten.

Die drei Varianten der Kommission Verbandstruktur machen deutlich, dass auf die Rems-Murr-Vereine weitere Strecken zukommen. Grafiken: WFV

Die drei Varianten der Kommission Verbandstruktur machen deutlich, dass auf die Rems-Murr-Vereine weitere Strecken zukommen. Grafiken: WFV

Von Heiko Schmidt

Der Württembergische Fußball-Verband (WFV) nimmt den Wandlungsprozess in der Gesellschaft zum Anlass, um seine Strukturen zu überprüfen. Beim Verbandstag im Mai 2018 wurde dies in die Wege geleitet. Ziel der gebildeten Kommission Verbandstruktur unter Leitung des Vizepräsidenten Steffen Jäger aus Oppenweiler und des Spielausschuss-Vorsitzenden Harald Müller ist es, bis zum Mai 2020 einen Ergebnisbericht vorzulegen. Dieser soll Aussagen zur Leistungsfähigkeit des bestehenden Systems treffen, zukünftige Entwicklungen berücksichtigen und vielleicht auch Änderungsvorschläge beinhalten. Mögliche Anpassungen könnten dann in einen Antrag für den Verbandstag 2021 münden.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Um die Vereine mit ins Boot zu holen, stehen zwei Runden von Regionalkonferenzen auf dem Plan. Die erste davon fand im März und April dieses Jahres an vier Orten statt. Die Vertreter der Rems-Murr-Vereine diskutierten in Leutenbach mit den Klubs aus dem Unterland sowie aus Enz/Murr und Hohenlohe. Schon dort und auch jetzt hat der Rems-Murr-Bezirksvorsitzende Patrick Künzer seine Meinung dazu geäußert: „Ich sehe keinen Bedarf für Veränderungen.“ Er schiebt aber nach: „Wenn die Mehrheit der Bezirke und Vereine jedoch das will, dann werden wir diesen Weg mitgehen.“ Künzer hat das Ergebnis der Kommission Verbandstruktur, bei der drei mögliche Spielvarianten erarbeitet wurden, zur Kenntnis genommen. In denen wird klar, dass sich die Anzahl der Bezirksligen von momentan 16 reduzieren soll.

Variante 1 – Spielsystem 1-4-12 a: Dieses Modell zieht Veränderungen erst ab der Bezirksliga-Ebene nach sich. Es gäbe weiterhin eine Verbandsliga. Auch die vier Staffeln der Landesliga würden erhalten bleiben. Die Anzahl der Bezirksligen verringert sich jedoch von 16 auf zwölf. Das hätte konkrete Auswirkungen auf die Rems-Murr-Mannschaften. Diese würden eine gemeinsame Bezirksliga mit dem östlichen Fußballbezirk Hohenlohe bilden. Weite Fahrten für die Vereine wären die Folge. In einem extremen Fall könnte beim jetzigen Stand der SV Fellbach II dann über 100 Kilometer zu den Sportfreunden Leukershausen-Mariäkappel fahren. Ein Vorteil bei dieser Variante wäre, dass der Bezirk Rems-Murr wie bisher zusammenbleibt und nicht gesplittet wird. Wie die Staffeln der zukünftigen Kreisligen A und B aufgeteilt würden, müsste dann noch geschaut werden. Denkbar sind vier Staffeln der Kreisliga A und 16 Gruppen in der Kreisliga B. Die Rems-Murr-Vereine aus Pfahlbronn und Alfdorf kicken bereits jetzt in Ostwürttemberg mit.

Variante 2 – Spielsystem 1-4-12 b: Die Verbandsliga sowie die Landesliga-Staffeln blieben ebenfalls unverändert. Auch würde es nur noch zwölf Bezirksligen geben. Zudem spielt der Großteil der Rems-Murr-Teams mit dem östlichen Fußballbezirk Hohenlohe zusammen. Eine Veränderung gäbe es aber: Die Mannschaften aus dem Raum Schorndorf würden dem bisherigen Bezirk Ostwürttemberg zugeordnet. Der Vorschlag nimmt dabei die Strukturen der Schiedsrichtergruppen auf, von denen es im momentanen Bezirk Rems-Murr drei gibt: Backnang, Waiblingen und Schorndorf.

Variante 3 – Spielsystem 1-3-9: Eine Verbandsliga bliebe erhalten. Die Landesliga-Staffeln würden sich von vier auf drei verringern. Noch drastischer würde es bei den Bezirksligen aussehen. Statt der jetzigen 16 würde es dann nur noch neun geben. Die Fahrten der Vereine würden zwangsläufig noch weiter werden. Zudem würde der Fußballbezirk Rems-Murr komplett aufgesplittet. Die Teams aus dem Raum Backnang spielen dann im Bezirk Enz/Murr. Die Mannschaften aus dem Raum Waiblingen wären in Stuttgart und Teilen des Bezirks Neckar/Fils aktiv. Der Raum Schorndorf gehört dann zu Ostwürttemberg und zum östlichen Teil von Neckar/Fils. Allerdings liegen die Mannschaftszahlen in allen neu entstehenden Spielgebieten oberhalb des als idealtypisch angesehenen Rahmens. Aufgrund dieser größeren Anzahl an Mannschaften würde dieses Spielsystem eine Kreisliga C in den meisten Spielgebieten erforderlich machen.

Bei vier Regionalkonferenzen soll ein Meinungsbild über die drei Varianten eingeholt werden. Die Rems-Murr-Verantwortlichen hatten sich in Neenstetten mit den Vertretern aus den Bezirken Neckar/Fils, Ostwürttemberg und Donau/Iller getroffen. Unter den 80 Anwesenden befanden sich aber nur etwa zehn Rems-Murr-Vertreter, neben den Bezirksverantwortlichen unter anderem Verantwortliche von der SKG Erbstetten, vom FV Sulzbach und vom TSV Nellmersbach. Kein Wunder, schließlich mussten sie fast 100 Kilometer als Anfahrtsstrecke absolvieren. Die Tendenz bei der Veranstaltung in Neenstetten war eindeutig: Über 80 Prozent der Anwesenden stimmten für die erste Variante. Mit ebenso großer Mehrheit wurde die dritte Variante abgelehnt. Abzuwarten bleibt allerdings, wie das Votum bei den anderen Regionalkonferenzen in Frankenbach, Wehingen und Ostrach ausfällt. Geplant sind dann im ersten Halbjahr 2020 die abschließenden Sitzungen der Kommission, die dann im Mai 2021 einen Antrag für den Verbandstag vorlegen will.

Kommentar
Gewagtes Spiel

Von Heiko Schmidt

Veränderungen gibt es immer wieder, natürlich auch im Sport. Beim Fußball stehen ebenfalls öfter mal neue Regeln an, die einen sind positiv, die anderen haben sich nicht bewährt. Eine neue Struktur und Aufteilung der Ligen ist jedoch tief greifender und sollte genau abgewägt werden. Ein Zurück ist nur schwer möglich. Deshalb sollten sich alle Beteiligten – die Verbandsoberen des WFV, die Bezirksverantwortlichen und in erster Linie die Vereinsmitglieder – darüber im Klaren sein, welche Auswirkungen die Veränderungen der Ligen nach sich ziehen. Denn das kann auch zum Bumerang werden. Die Fahrtstrecken der Mannschaften in den drei vorliegen Varianten werden länger. Schließlich wollen die Kicker in den Bezirks- und Kreisligen Fußball spielen und nicht ewig weit zu den Sportplätzen fahren.

h.schmidt@bkz.de

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Erstellt:
27. November 2019, 06:00 Uhr

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