Ein Abschied ohne jegliche Bitternis

TSG-Urgestein Rainer Siegler gönnt sich nach fast vier Jahrzehnten als Spieler, Trainer und Funktionär eine kleine Handballpause.

Saß in den ersten fünf Jahren des HCOB-Bestehens mit an den Schalthebeln: Rainer Siegler. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Saß in den ersten fünf Jahren des HCOB-Bestehens mit an den Schalthebeln: Rainer Siegler. Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

„Nach 30 Jahren ist auch mal gut“, sagt Rainer Siegler und lässt nicht mal das kleinste Zeichen von Sentimentalität erkennen. Vielleicht weil der bisherige Geschäftsführer der HCOB Handball GmbH nicht völlig ohne Handball auskommen muss. Erstens gehen seine Töchter Neasa und Zoey beim HC Oppenweiler/Backnang und der SG Bietigheim-Bissingen in der A- und C-Jugend auf Torejagd. Zweitens freut er sich nach der langen Zeit als Spieler, Trainer und Funktionär darauf, „mal ganz entspannt als Zuschauer zum Handball gehen zu können – wenn Corona vorbei ist und es wieder richtig läuft“.

Wer den Backnanger Handball seit Ende der 80er etwas genauer verfolgte, der stieß unweigerlich immer wieder auf den Namen Rainer Siegler. Er war Spieler, Trainer, Funktionär. Ein sogenanntes TSG-Urgestein eben. Eines, das bis zum Sommer als Geschäftsführer an der Seite des TVO-Vertreters Markus Mandlik auch die ersten fünf Jahre HC Oppenweiler/Backnang mitprägte. Nun ist Schluss, „da ich es mit Familie und Beruf einfach nicht mehr unter einen Hut gebracht habe“. Deshalb trat er das Amt an seinen alten TSG-Mitstreiter Gerold Hug ab. Und das durchaus mit einem zufriedenen Blick auf das Geleistete, würden sich doch Fans, Spieler und Mitglieder mit dem HCOB identifizieren. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir so schnell zusammenwachsen. Die Jungen denken schon gar nicht mehr in Backnang und Oppenweiler“, sagt Siegler. Er sieht sich bestätigt, dass er und seine Mitstreiter richtig entschieden haben, als sie die Kooperation in die Wege leiteten.

Alternativlos sei das damals gewesen. „Wir bei der TSG sind an unsere Grenzen gestoßen“, nennt der als Key-Account-Manager bei einem Nutzfahrzeughersteller beschäftigte Backnanger als Grund. „In der Jugendarbeit waren wir gut, aber danach ging’s einfach nicht richtig weiter.“ Während der Nachbar aus dem kleinen Oppenweiler im Handball regional die große Nummer war, dümpelte der Klub aus der Murr-Metropole meist zwischen Bezirksliga und Bezirksklasse rum. „Da muss man dann einfach die Vereinsbrille abnehmen.“ Dass beim zuvor nicht immer geliebten Partner Personen am Tisch saßen, mit denen es menschlich passte, erleichterte die Gespräche. Bestes Beispiel dafür ist Dirk Hail, der aus der TSG-Jugend stammt, ehe er als junger Spieler zum Regionalligisten TVO wechselte und dort heimisch wurde. „Wichtig waren die handelnden Leute“, sagt Siegler zur Frage, was beim zweiten Anlauf für eine Zusammenarbeit der Klubs besser lief als beim misslungenen ersten Versuch in den 90ern.

Entscheidend war zudem, dass beide Seiten gute Vorarbeit leisteten, um die eigenen Reihen von der Kooperation zu überzeugen. Das klappte, „da wir einen Weg aufgezeigt haben, den die Mitglieder mitgehen konnten“, so Siegler. Dazu zählte die Gründung der HCOB GmbH, „weil wir die finanzielle Geschichte weder der TSG noch dem TVO als Gesamtverein aufbürden durften.“ Die vielen Jugend- und Aktiventeams mit der nicht mehr so weit vom Profisport wandelnden Drittliga-Mannschaft an der Spitze kosten Geld. Wer wüsste das nicht besser als der Backnanger, der in der Geschäftsführung für die Finanzen zuständig war.

Ein Job, der nicht nur Spaß macht und bei dem Wegducken fatale Folgen haben kann. Vielleicht genau das Richtige für jemand wie Rainer Siegler, der sehr deutlich werden kann. Auf dem Feld gab es dafür von Schiedsrichtern und Gegnern nicht nur Lob. Im eigenen Verein kam er mit seiner Art dagegen an. In erster Linie bei seiner Frau Lotte, die er durch den Sport kennenlernte und die sich selbst zwölf Jahre lang als Jugendtrainerin engagierte, nachdem sie zuvor als Torhüterin bei der TSG und beim Regionalligisten TV Möglingen eine wichtige Stütze war. Echte Freunde wurden aber auch Weggefährten wie Barnie Ludin, Jürgen Rauth, Bobby Frimmel, Daniel Haußmann, Sonja Peris und andere. Rainer Siegler bereut deshalb kaum eine der vielen Stunden, die er für die TSG und den HCOB geschafft hat. Denn: „Dank des Handballs wurde mir im sozialen Bereich und an Freundschaften sehr viel gegeben.“ Überhaupt: „Für unsere Gesellschaft sind Vereine und Ehrenamt gerade wichtiger denn je.“ Selbst wenn nach drei Jahrzehnten nun auch mal gut damit ist.

Mit elf Jahren zur TSG

Der am 3. Oktober 1970 in Backnang geborene Rainer Siegler kam als Elfjähriger zu den Backnanger Handballern. Bei der zur TSG 1846 gehörenden Abteilung war er Spieler, Jugendtrainer, Jugendleiter und Kassier sowie fünf Jahre lang als Schiedsrichter aktiv. Ein großes Steckenpferd Sieglers war das Straßenfest, bei dem er zu den Köpfen des Organisationsteams zählte.

2013 zählte Rainer Siegler mit Sonja Peris, Gerold Hug und Sabine Fritz-Hock zu den vier TSG-Vertretern, die mit den TVO-Verantwortlichen Dirk Hail, Thomas Bühler, Rainer Rühle und Alexander Hornauer konkrete Gespräche wegen einer Kooperation der Handballabteilungen beider Vereine aufnahmen. Bereits ein Jahr später arbeiteten die zwei Klubs im Jugendbereich zusammen. Weitere zwölf Monate danach gingen auch die Männer und die Frauen als HC Oppenweiler/Backnang auf Punktejagd.

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Erstellt:
28. Oktober 2020, 11:30 Uhr

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