Olympia-Kolumne

Ein Bett wär’ nett – oder: das Zittern vor dem Olympia-Start

Bei den Olympischen Spielen wohnen nur die Sportlerinnen und Sportler im Olympischen Dorf. Weshalb der Start für viele Reporter zur Zitterpartie wird.

In Cortina d’Ampezzo hat es am Mittwoch und Donnerstag ordentlich geschneit.

© IMAGO/Michael Kristen

In Cortina d’Ampezzo hat es am Mittwoch und Donnerstag ordentlich geschneit.

Von Dirk Preiß

Olympische Spiele sind ja eine spannende Sache. Noch spannender ist meist: die Ankunft im Zeichen der Ringe. Zumindest bei Winterspielen. Man bucht monatelang im Voraus ein Quartier, das der Veranstalter vorgeschlagen hat – und dann am Tag X doch zu zittern, ob auch alles geklappt hat. Das ist nicht immer der Fall.

Damals, bei den Spielen von Vancouver (2010) hat unser Flug zwar planmäßig auf kanadischem Boden aufgesetzt. Dann aber gönnte uns die Busfahrerin eine rund zweistündige Ortsrundfahrt durch Whistler Mountain – auf der Suche nach unserer Lodge. Die Erklärung: Die Dame am Lenkrad war zum ersten Mal im Bergdorf – ansonsten steuert sie ein Gefährt in Florida.

Vier Jahre später konnte man trotz geleisteter Anzahlung unsere Buchung in Krasnaja Poljana (nahe Sotschi) nicht finden. Die Spiele von Sotschi drohten für uns obdachlos zu beginnen, dann der Geistesblitz am Servicedesk: Wir sollen mit der Gondel in ein Berghotel fahren. Das war am späten Abend zwar abenteuerlich, aber nicht erfolgreich. Am Ende landeten wir in einem Zimmer, das erst Tag für Tag neue Einrichtungsgegenstände bekam. Immerhin: Wir hatten ein Bett und ein Dach über dem Kopf. Was nun in Cortina kurz infrage stand.

In Norditalien finden von diesem Freitag an die 25. Olympischen Winterspiele statt. Wir haben, wie erwähnt, vor Monaten eine Unterkunft gebucht – die wir am Mittwoch frohen Mutes betraten. Der Wirt beendete auf Italienisch sein Telefongespräch, fragte uns auf Deutsch nach unserem Anliegen – um auf den Hinweis auf die Buchung lapidar zu behaupten: „Eigentlich hab’ ich gar keine Zimmer mehr frei.“

Wer zuerst kommt, bekommt das Zimmer

Wir hatten kurz die Sorge, der gute Mann meint das ernst, schauten bange nach draußen, und sahen uns bereits mit einer nicht-olympischen Fackel durchs Schneetreiben irren. Um dann zu erkennen: Er meinte das ernst. Vermutlich bemerkte er aber auch die Angst in unseren Augen, weshalb wir dann doch noch vernünftig ins Gespräch kamen. Er schimpfte ein wenig über die Organisatoren, meckerte über das Buchungssystem (seiner Meinung nach gibt es zwei) und machte uns dann aber auch klar, dass wir ein wahres Glückskind sind.

Die Gunst der frühen Anreise sichere uns das Zimmer. „Apartment 22“, sagte er und schaute ein wenig mitleidig, als er ergänzte: „Dritter Stock.“ Aber: „Ihr seid ja noch jung.“ Wir sagen: „Danke für die Blumen.“ Aber Tag eins bei den Winterspielen hat uns dann doch wieder ein bisschen altern lassen.

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Erstellt:
5. Februar 2026, 10:12 Uhr
Aktualisiert:
5. Februar 2026, 11:47 Uhr

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