Ein ganzes Jahrzehnt im Dienst der TSG

Das Oberliga-Heimspiel gegen Bissingens Fußballer ist für Torjäger Mario Marinic und Mittelfeldorganisator Oguzhan Biyik der letzte Auftritt vor eigenem Publikum. Zum Abschied empfängt die Elf um die Backnanger Routiniers ihren Ex-Coach und ehemaligen Erfolgstrainer Markus Lang.

Noch zweimal Seite an Seite: Mario Marinic (links) und Oguzhan Biyik. Foto: Alexander Hornauer

© Alexander Hornauer

Noch zweimal Seite an Seite: Mario Marinic (links) und Oguzhan Biyik. Foto: Alexander Hornauer

Von Uwe Flegel

„Besser hätte man es nicht planen können“, gestehen Mario Marinic sowie Oguzhan Biyik, schauen sich an und schmunzeln. Denn ausgerechnet im Duell mit ihrem Ex-Coach und einstigem Backnanger Erfolgstrainer Markus Lang bestreiten die beiden Routiniers am Samstag ab 15.30 Uhr ihr letztes Heimspiel für die TSG. Nach der Begegnung mit dem von ihrem alten Weggefährten gecoachten FSV 08 Bissingen geht es am kommenden Freitag noch zum Tabellenfünften 1. Göppinger SV (Anpfiff 19 Uhr, Stadion an der Hohenstaufenstraße). Dann ist für das Duo Schluss mit Oberliga-Fußball. Nach zehn gemeinsamen Jahren in den Etzwiesen wechselt der 37-jährige Spielertrainer als Coach zum Verbandsligisten SV Fellbach und sein 35-jähriger Kapitän ins Management des Etzwiesenvereins.

Mario Marinic ist sich sicher: „Es wird emotional – in alle Richtungen.“ Er und Oguzhan Biyik sind sich einig: „Die Tränen werden fließen – vor und nach dem Spiel.“ Wer will es ihnen verdenken, wenn die große Wehmut aufkommt. Schließlich haben sie mittlerweile ein Jahrzehnt den Klub entscheidend mitgeprägt, der zurzeit als Oberliga-Dritter die beste Saison seit dem Regionalliga-Aufstieg 1967 spielt. Beide sind mit der TSG von der Landes- über die Verbands- in die Oberliga aufgestiegen, mussten einmal gemeinsam den bitteren Gang zurück in die Verbandsliga antreten, um dann den sofortigen Wiederaufstieg zu schaffen. „Wir haben in den zehn Jahren alles reingehauen“, erklärt Oguzhan Biyik und wirkt überaus zufrieden mit dem, was er nach seiner Rückkehr im Januar 2012 mit dem Verein geschafft hat, bei dem er als Steppke mit dem Fußball begonnen hat.

Die erste gemeinsame Saison war weit davon entfernt, erfolgreich zu sein

Allerdings erinnert das Duo auch daran, dass nach ihrer ersten gemeinsamen Saison in den Etzwiesen nicht so arg viel darauf hingedeutet hat, welche Erfolgsgeschichte sie mit der TSG einmal schreiben. „Rang neun in der Landesliga“, weiß Mario Marinic noch genau, was unter Trainer Oliver Munz am Ende der ersten Runde die – sagen wirs diplomatisch – allerhöchstens mittelmäßige Bilanz war. Die Wende zum Guten kam aber bereits in der Saison darauf mit Markus Lang, der seinen Job als Co-Trainer von Rüdiger Rehm beim damaligen Regionalligisten Großaspach gegen den Chefposten in Backnang eintauschte. Mit dem heutigen Coach des morgigen Gegners ging es im Murrtal steil bergauf. Zwei Aufstiege binnen vier Jahren brachten die Etzwiesenelf zum ersten Mal in die Oberliga. Und: „Dabei sind echte Freundschaften entstanden“, erzählen die beiden und nennen einen weiteren Namen: „Stephan Fichter und wir beide, das war so etwas wie die drei Musketiere von der TSG.“ Mario Marinic erzählt: „Fichte in der Abwehr, Oz im Mittelfeld und ich vorne im Sturm, das hat menschlich und von den Positionen her super gepasst.“ Köpfe, die ein Team benötigt, um im Sport erfolgreich zu sein. Jungs, die als verlängerter Arm eines Trainers auf dem Spielfeld vorangehen und einer Mannschaft Halt geben. Umso schöner, wenn sie dann feststellen können, „dass wir mehr als normale Freunde sind, das sagt alles“.

Entsprechend froh ist der Spielertrainer, dass sein langjähriger Wegbegleiter und Kapitän, der drei Monate wegen einer Knieverletzung fehlte, nun in den letzten Saisonspielen wieder an Bord sein kann. Beim 4:1 in Bruchsal wechselte sich Angreifer Marinic zehn Minuten vor Schluss selbst aus, um seinem alten Kumpel das Comeback zu ermöglichen. Zweimal haben sie jetzt noch die Chance, gemeinsam auf dem Platz zu stehen, dann trennen sich zumindest vorläufig die sportlichen Wege. Mario Marinic kehrt als Trainer zum SV Fellbach zurück, Oguzhan Biyik bleibt seinem Heimatverein erhalten und unterstützt künftig Marc Erdmann in der sportlichen Leitung.

Trotz riesigem Verletzungspech spielt das Team aus den Etzwiesen oben mit

Eines ist für die beiden klar: „Das, was wir diese Runde leisten, ist gefühlt wie eine Meisterschaft.“ Hinter den beiden mit Millionenetats hochgepäppelten Teams des SGV Freiberg und der Stuttgarter Kickers ist Backnang Tabellendritter und damit bester der normalen Klubs. „Wir machen aus sehr wenig sehr viel“, sind sich die beiden einig und der Coach sowie Torjäger in Personalunion fügt hinzu: „Was wir gerade machen, das ist die Krönung.“ Erst recht, weil der Etzwiesenklub diese Saison vom Verletzungspech brutal gebeutelt war und trotzdem erfolgreich blieb.

Eine Messlatte für die Zukunft? „Der Verein ist auf dem richtigen Weg, wenn auch mit sehr kleinen Schritten“, warnt Mario Marinic vor zu hohen Erwartungen und fügt hinzu: „Oberliga, das ist einfach eine echte Hausnummer und wird für die TSG vielleicht nie Normalität.“ Wobei sein Noch-Mitstreiter ja künftig mithelfen soll und kann, um die Weichen so zu stellen, dass es das vielleicht doch wird. Morgen heißt es aber nun zunächst einmal, vom eigenen Publikum Abschied zu nehmen, und Oguzhan Biyik sinniert: „Es ist unser letzter Heimauftritt in unserem Wohnzimmer.“

Trotz Knie-OP und Krücken will der Meistermacher beim Ausstand seiner früheren Schützlinge dabei sein

493 Pflichtspiele Zusammen haben Mario Marinic und Oguzhan Biyik in den zehn Jahren bei der TSG fast 500 Punkt- und Pokalspiele absolviert. Der Angreifer, der im Sommer vom Verbandsligisten VfB Neckarrems nach Backnang kam, hat in 261 Partien sage und schreibe 216 Tore geschossen. Allein in dieser Saison traf der 37-Jährige schon 24-mal. Mittelfeldmann Biyik, der diese Saison wegen einer Knieverletzung bislang nur 15 Spiele gemacht hat, traf nach seiner Rückkehr von Türkiyemspor Berlin 15-mal. Zudem bereitete der Standardspezialist in 232 Spielen viele Tore vor.

Alte Freunde Fast wäre Bissingens Coach Markus Lang morgen gegen seinen Ex-Verein nicht dabei gewesen. Der 46-Jährige unterzog sich gerade erst einer Knieoperation. Das letzte Heimspiel seiner ehemaligen Schützlinge will er sich trotzdem nicht entgehen lassen, auch wenn er deshalb wohl Krücken braucht, um im Etzwiesenstadion dabei zu sein „Das hat schon was mit der Verbundenheit zu den beiden zu tun“, gesteht Lang, der allerdings auch zu anderen Personen im Verein wie Vorstandsmitglied Marc Erdmann weiterhin einen guten und viel Kontakt hat.

Viele Abschiede Mario Marinic und Oguzhan Biyik sind nicht die einzigen Spieler, für die der Vergleich mit dem Tabellenachten der letzte Heimauftritt im Etzwiesenstadion sein wird. Elf Akteure verabschiedet die TSG bei der Hocketse mit Freibier für die Fans im Anschluss an die Partie. Neben den Routiniers sind das die Brüder Loris und Leon Maier (beide Stuttgarter Kickers), Niklas Pollex (SV Fellbach), Elias Rahn (SG Sonnenhof Großaspach), Adnan Rakic (Normannia Gmünd), Mika Wilhelm (TSV Nellmersbach), Marc Bitzer (Germania Bietigheim), Jonas Dieseler und Marcus Kasongo (beide: Ziel unbekannt).

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Erstellt:
27. Mai 2022, 06:00 Uhr

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