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Ein Wintertriathlet der ersten Stunde

Rainer Kaupp von der TSG und vom TC Backnang ist beim Dreikampf aus Skilanglauf, Laufen mit Spikes und Snow-Mountainbiken aktiv

Den größten Boom erlebte der Wintertriathlon Mitte der 1990er-Jahre. „Anfangs hoffte jeder, dass es olympisch wird“, sagt der Backnanger Rainer Kaupp. Der 63-Jährige ist dem Dreikampf aus Skilanglauf sowie Laufen mit Spikes und Snow-Mountainbiken treu geblieben – wenn auch momentan verletzungsbedingt ohne Wettkampfambitionen. „Das kann sich aber auch wieder ändern“, sagt er schmunzelnd.

Rainer Kaupp, der Mitglied bei der TSG und beim TC Backnang ist, fühlt sich beim Skilanglauf besonders wohl. Foto: C. Bergmann

Rainer Kaupp, der Mitglied bei der TSG und beim TC Backnang ist, fühlt sich beim Skilanglauf besonders wohl. Foto: C. Bergmann

Von Heidrun Gehrke

„Ich war schon immer Mehrkämpfer. Leichtathletik als Schüler hat mir schon gefallen – die Vielfalt liegt mir“, sagt Rainer Kaupp. Die verschiedenen Untergründe und Temperaturen beim Triathlon, auch die Streckenvarianz zwischen Sommer und Winter seien eine besondere sportliche Herausforderung. Erfahrungen mit langen Distanzen hat er schon lange: Über zehn 100-Kilometer-Läufe mit Rucksack (sogenannte Rucksackläufe) hat er absolviert, die ersten schon mit Anfang 20. Erst vergangenes Jahr gewann er im Winter-Rucksacklauf in Schonach im Schwarzwald in seiner Altersklasse. „Und das als Flachländer“, betont er. Seit 1983 sei Kaupp „voll dabei“ beim Triathlon und damit von der ersten Stunde an, als die Ausdauersportart von den USA nach Europa schwappte und Triathlonveranstaltungen auch in Deutschland publik wurden. Für den Ironman in Hawaii hat er dreimal die Qualifikation in Rot geschafft, ist aber nie mitgelaufen. Im Triathlon-Club Backnang und bei der Skiabteilung der TSG ist er bis heute Mitglied.

Und Kaupp ist Wintertriathlet der ersten Stunde: „Meine Leidenschaft war schon immer der Skilanglauf, damit hat’s angefangen“, blickt er zurück auf die frühen 1990er-Jahre, als Wintertriathlon in Deutschland Fuß fasste. „Es war ein Sammelbecken für alle möglichen Sportler, hauptsächlich Skilangläufer und Triathleten“, so Kaupp. Die Teilnehmerzahlen am Anfang waren gigantisch. „Es gab zuhauf sehr gute Leute, Spitzenathleten.“ Sie alle gingen davon aus, dass Wintertriathlon olympisch wird. Die Träume haben sich aber im November 2006 zerschlagen mit der Entscheidung des IOC.

Einmal steht der Murrtaler ganz oben auf dem Siegertreppchen

Danach sind die Zahlen rapide in den Keller gerauscht. Im breitensportlichen Wintertriathlon auf nationaler Ebene sei die Luft raus. „Die meisten sind abgesprungen zum Sommertriathlon oder in andere Sportarten“, so Kaupp über einstige Mitstreiter. Ohne Frage wirke sich auch die Schneearmut massiv aus: In Welzheim und Umgebung könne er seit Jahren nicht mehr vernünftig kontinuierlich trainieren. Ihm sind Vereine auf der Schwäbischen Alb bekannt, die im Sommer Rollschuhtraining machen für Wettbewerbe im Schnee, die dann aber ausfallen. „Regelmäßiges Training ist in Baden-Württemberg nur noch auf beschneiten Biathlonstrecken im Schwarzwald und auf dem Feldberg möglich.“ Somit fuhr er regelmäßig ins Allgäu, um trainieren zu können: Über die Mitgliedschaft in der TSG-Skiabteilung kann er die von der TSG verwaltete Backnanger Skihütte – das Gerhard-Moll-Haus – im Allgäu nutzen, wo er seine „weißen Flecken“ dann auch meist findet. „Irgendwo hat’s immer Schnee.“

Mit viel Mühe fahren die Wintertriathleten auf dem Mountainbike durch den Schnee. Foto: C. Bergmann

Mit viel Mühe fahren die Wintertriathleten auf dem Mountainbike durch den Schnee. Foto: C. Bergmann

Unverändert ruft die Internationale Triathlon-Union (ITU) seit 1997 jährlich die Weltmeisterschaften im Wintertriathlon aus. Einmal stand Rainer Kaupp auf dem Siegertreppchen: 2018 wurde er Weltmeister in der Altersgruppe AK 60. „Das war schon was“, erinnert sich der heute 63-Jährige an den Moment, als er hinter der Ziellinie unmittelbar und noch im größten Adrenalinschub seinen Namen auf dem großen Tableau lesen konnte. Das war am 28. Januar 2018 auf einer Biathlonstrecke in den Karpaten mit insgesamt 1000 Höhenmetern. In allen drei Disziplinen setzte er sich gegen 20 Kontrahenten durch. „Es klingt zahlenmäßig nicht nach viel, aber es waren durchaus sehr starke Gegner.“ Von diesem sportlichen Erfolg spricht er bewusst nur in Kombination mit seinen perfekt gewachsten Skiern. Die seien „ideal gelaufen“. Befragt man Kaupp nach dem Wachsen der Ski, betritt man wissenschaftliches Gebiet. Profiskilangläufer präparieren abends die Ski, nach gründlichem Studieren der Wetterkarte. „Man muss das Wachs exakt auf die Schneebeschaffenheit anpassen.“ Beim Wintertriathlon entscheiden nicht nur die Kondition und Motivation, sondern auch der Luftdruck der Reifen und eben das Wachs. „In dem Bereich macht mir so schnell keiner etwas vor“, sagt Kaupp. Bei ihm habe „einfach alles gestimmt – und dazu kam noch viel Glück“.

Wintertriathleten trainieren für eine kürzere Wettkampfdauer. „Die Strecken sind knackig und heftig, man muss in kurzer Zeit an sein Maximum gehen können“, sagt Kaupp. „Maximum“ ist eine Vokabel, von der er sich seit eineinhalb Jahren distanziert hat, seit ihn eine Prellung am Sprunggelenk plagt und zu einer Laufpause zwingt. „Ich bin grad dabei, die Laufleistung aufzumöbeln“, meint er. Wer wie er die 50 überschritten hat, weiß, was der Trainingsrückstand bedeutet: „Die Regenerationszeit hat sich spürbar verlängert“, sagt er, ganz frei von Reue. Er sieht’s realistisch: Die Zeiten, als er täglich trainierte, waren schon vor dem Unfall in der Hörschbachschlucht vorbei. „Ich setze mich nicht mehr unter Druck“, gesteht Kaupp gelassen. Juckt es ihn nicht ab und zu noch, will er es nicht doch noch mal wissen? „Es kann gut sein, dass ich wieder mal einen Triathlon mache.“ Aber: „Ich muss nicht mehr, bin schon Weltmeister gewesen, das beruhigt“, sagt der Sportler lässig und nippt am Cappuccino. Er hört auf seinen Körper, der ihm die Grenzen vorgibt. „Man muss damit zurechtkommen, dass man jedes Jahr etwas abbaut.“ Ein Leben ohne Sport? Für ihn undenkbar. „Solange es geht, bleibe ich in Bewegung.“ Und Angst, nicht mehr mithalten zu können, braucht er noch lange nicht haben: „Ich lasse immer noch genug Jüngere hinter mir“, sagt er lachend.

Info

Die Sportart Wintertriathlon setzt sich aus insgesamt drei Disziplinen zusammen. Als Erstes müssen die Sportler mit Spikes laufen. Die Streckenlänge beträgt je nach Altersklasse zwischen sieben und neun Kilometer. Anschließend steht das Snow-Mountainbiken auf dem Programm. Dort absolvieren die Teilnehmer zwischen 12 bis 14 Kilometer. Zum Abschluss des Wettkampfes werden die Langlaufski angeschnallt. 10 bis 12 Kilometer wird über die Loipe gelaufen, ehe das Ende der Strapazen im Ziel winkt.

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Erstellt:
19. März 2020, 06:00 Uhr

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