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Eine emotionale Achterbahnfahrt

Deutsche Meisterschaft: Backnanger Beachvolleyballer Yannick Harms und sein Partner Philipp Arne Bergmann werden Dritter

Ein Viertelfinale, in dem sie sich auf denkwürdige Art gegen die Vizeweltmeister Julius Thole und Clemens Wickler durchsetzten. Ein Halbfinale, das sie knapp verloren – und zuletzt dann das von beiden Teams abgesagte kleine Finale und damit der geteilte dritte Platz. Die deutsche Meisterschaft am Timmendorfer Strand war für Beachvolleyballer Yannick Harms aus Backnang und dessen Partner Philipp Arne Bergmann eine emotionale Achterbahnfahrt.

Ein Krimi mit denkwürdigem Ende: Yannick Harms (Mitte) im Duell mit den Vizeweltmeistern Clemens Wickler (links) und Julius Thole. Foto: Imago

© imago images / Agentur 54 Grad

Ein Krimi mit denkwürdigem Ende: Yannick Harms (Mitte) im Duell mit den Vizeweltmeistern Clemens Wickler (links) und Julius Thole. Foto: Imago

Von Steffen Grün

Zu Beginn war für das Duo an der Ostsee alles nach Plan gelaufen. Im ersten Duell in Pool C mit Georg und Peter Wolf von den United Volleys Frankfurt gab’s einen 2:0-Sieg (21:15, 21:14). „Das Spiel war in Ordnung“, urteilt Harms und erinnert an den ebenso souveränen Start in die nationalen Titelkämpfe 2018 gegen dieselben Rivalen: „Die Wolf-Brüder liegen uns.“

Mit einem Sieg gegen Paul Becker und Jonas Schröder, die ebenfalls für die United Volleys aus der Main-Metropole durch den Sand hechten, hätten der Backnanger und sein Mitstreiter ohne Umweg ins Viertelfinale einziehen können. Sie unterlagen aber mit 0:2 (15:21, 18:21), was zwei unangenehme Konsequenzen hatte: Zum einen mit dem vorgeschalteten Achtelfinale eine Partie mehr als unbedingt nötig, zum anderen die sich damit anbahnende Herkulesaufgabe in der Runde der letzten acht gegen die Titelverteidiger und Vizeweltmeister Julius Thole/Clemens Wickler.

Um sich mit dem derzeit stärksten deutschen Team messen zu dürfen, galt es für das an Position drei gesetzte Duo aber zunächst, sich gegen Tobias Brand und Jonas Reinhardt (SWD Powervolleys Düren) zu behaupten. „Wir haben konzentriert gespielt und uns souverän durchgesetzt“, bewertet Harms das 2:0 (21:17, 21:16). Der Lohn war der Einzug in das Viertelfinale gegen die favorisierten Hamburger, die ihrer Favoritenrolle in der Auseinandersetzung zweier Nationalduos anfangs vollauf gerecht wurden: Thole/Wickler gewannen den ersten Durchgang mit 21:9 und lagen im zweiten Satz auch schon wieder mit 9:3 vorne. „Sie hatten auf alles eine Antwort“, erklärt Harms, der sich mit seinem Kollegen aber Punkt für Punkt herankämpfte. Das 17:17 war der erste Ausgleich, mit einem 24:22 erzwangen sie den dritten Satz.

Der Krimi steuerte auf den Höhepunkt zu. Beim 14:12 hatten die Außenseiter zwei Matchbälle, den ersten davon wehrten die Favoriten ab. Danach nahm sich Thole eine fünfminütige Auszeit, um den lädierten Oberschenkel behandeln zu lassen. Als es weiterging, wehrten er und Wickler auch den zweiten Matchball ab. Dachten sie zumindest, doch Yannick Harms protestierte: „Ich wurde beim Angriff von einem plötzlich im Stadion angehenden Scheinwerfer, vielleicht für die Party am Abend, geblendet.“ Nach hitzigen Diskussionen zwischen allen Beteiligten und Pfiffen der 6300 Zuschauer blieb es beim 14:13. „Ich finde es fair, dass so entschieden wurde“, so Harms, während die Rivalen genau damit haderten. Inzwischen war es stockduster geworden, ein Flutlicht gab es nicht. Um 20.25 Uhr hieß es: Abbruch. „Wir hätten in dem Moment gerne weitergespielt“, betont der Backnanger, der mit seinem Partner beim zweiten Matchball den Vorteil der Annahme gehabt hätte: „Ich habe aber Verständnis für die gegenteilige Haltung des Gegners, zumal es tatsächlich zu dunkel war.“

150 Lux gab das Tageslicht noch her, in etwa die Leistung einer Fahrradlampe. Am Sonntagmorgen ab 7 Uhr sollte das Duell nicht etwa zu Ende gespielt, sondern wiederholt werden. Derart früh, um den auf die TV-Übertragung ausgerichteten Zeitplan nicht ins Wanken zu bringen – zudem nicht im Stadion, sondern auf dem Nebenplatz. Doch so weit kam es nicht: Das Betreuerteam nahm das deutsche Spitzenduo aus dem Turnier und begründete dies mit Tholes Oberschenkelproblemen. Vor dem Turnier in Rom in dieser Woche, wo das Team schon das Olympia-Ticket lösen will, sollte wohl nichts riskiert werden.

Harms und Bergmann standen damit im Halbfinale, in dem sich das kraftraubende, mental fordernde Spiel am Vorabend bemerkbar machte. Sie verloren gegen David und Bennet Poniewaz mit 1:2 (17:21, 21:18, 10:15), das kleine Finale sagten die beteiligten Teams zeitgleich ab. Harms auf der einen und Jonas Schröder auf der anderen Seite waren angeschlagen, die Gesundheit ging in diesem Moment vor. Damit teilten sich die Duos Platz drei. „Damit können wir unter dem Strich zufrieden sein“, bilanziert der Backnanger, „auch wenn mehr drin gewesen wäre – sowohl das zweite Gruppenspiel als auch das Halbfinale hätten wir nicht verlieren müssen.“ Das Turnier in Rom haben sie abgesagt, über dem weiteren Terminplan brüten sie noch.

Info
Manuel Harms früh raus

Bei den Titelkämpfen am Timmendorfer Strand war auch Manuel Harms am Start: Anders als sein Bruder Yannick strich der Backnanger mit seinem Partner Richard Peemüller aber frühzeitig die Segel.

Beim 0:2 (21:23, 16:21) in Pool A schlugen sie sich gegen die Vizeweltmeister Thole/Wickler wacker, mit dem 0:2 (22:24, 21:23) gegen Jannik Kühlborn/ Felix Glücklederer war das Turnier der 16 besten deutschen Teams dann beendet.

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Erstellt:
3. September 2019, 06:00 Uhr

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