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Eine große Gier auf Erfolge entwickelt

Die Handballer des HC Oppenweiler/Backnang spielen bis zum jähen Abbruch ihre beste Drittliga-Saison seit dem Aufstieg 2015

Auf Rang sechs beendeten die Handballer des HC Oppenweiler/Backnang die abgebrochene Drittliga-Saison. Obwohl wegen des Ausbruchs der Coronapandemie nur fünf Sechstel aller Spiele absolviert wurden, so lässt sich doch festhalten: Es ist die beste Platzierung seit dem Aufstieg vor fünf Jahren. Für Trainer Matthias Heineke war’s besonders erfreulich, dass sich sein Team nicht auf guten spielerischen Leistungen ausruhte, sondern außerdem eine große Gier auf Erfolge entwickelte.

Die HCOB-Handballer gewannen zehn von zwölf Heimspielen, besonders emotional ging es nach dem Derby gegen Horkheim zu. Foto: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Die HCOB-Handballer gewannen zehn von zwölf Heimspielen, besonders emotional ging es nach dem Derby gegen Horkheim zu. Foto: T. Sellmaier

Von Alexander Hornauer

Die Murrtaler starteten selbstbewusst in diese Runde, weil laut Heineke „schon in der Vorbereitung jeder gemerkt hat, dass wir uns in dieser mannschaftlichen Konstellation wohlfühlen“. Der Start gelang, der HCOB gefiel spielerisch und gewann seine Heimspiele. Weil es davon anfangs der Saison viele gab, wuchs das Punktekonto schnell an. Auswärts ließ der erste Erfolg dagegen auf sich warten. Es ging in der Phase zu heimstarken Rivalen, die in der Tabelle vorne standen. Oppenweiler/Backnang war oft bei der Musik, doch in den entscheidenden Momenten fehlte der Killerinstinkt. Insbesondere die Pleiten bei den Rhein-Neckar Löwen II sowie in Horkheim Mitte November „haben uns sehr geärgert, weil wir da einfach nicht hätten verlieren müssen“, klagt Heineke.

Offenbar lösten diese Negativerlebnisse aber eine Trotzreaktion aus. Der Trainer berichtet, dass sein Team eine Schippe draufgelegt habe, „sie haben mit sehr viel Willen trainiert“. Das machte sich im Wettkampf ebenfalls bemerkbar, „wir haben uns nicht mehr mit Dingen befasst, die uns von unserem Weg abgebracht haben. Stattdessen kam zu den guten spielerischen Leistungen nun eine große Gier auf Erfolge hinzu.“ In Willstätt und Blaustein gab es die ersten Siege in der Fremde, fortan lief es: In einem begeisternden letzten Match vor Weihnachten bezwang der HCOB die Erstliga-Reserve von HBW Balingen-Weilstetten. Direkt nach dieser kurzen Pause folgte der prestigeträchtige Derbysieg in Kornwestheim. Die Murrtaler nisteten sich jetzt im vorderen Mittelfeld ein und festigten Rang sechs, in der (unvollständigen) Rückrundentabelle sind sie gar Dritter. Nach 25 Partien waren es 29:21 Zähler, der erstmalige Sprung über die 30-Punkte-Marke schien nur noch eine Formsache zu sein. Dann kam die Coronakrise dazwischen. Die Spiele wurden erst ausgesetzt, dann abgesetzt – ein Quotient von 116,0 steht nun abschließend für die starke Saisonleistung der Handballer.

Ein Erfolgsgarant war die Defensivleistung. „Wir haben im Abwehrzentrum sowie im Zusammenspiel mit den Torhütern die wohl signifikanteste Verbesserung im Vergleich zur Vorsaison geschafft“, betont Matthias Heineke. Einen Wettstreit auf gutem Niveau lieferten sich die Torhüter Stefan Koppmeier und Felix Beutel. Die Rückkehr von Jakub Strýc, der die vorherige Spielzeit wegen einer Knieverletzung versäumt hatte, machte sich bemerkbar, der aus Berlin gekommene Tim Düren erwies sich als die erhoffte Verstärkung. Zudem war Nikola Vlahovic, das mit einem Zweifachspielrecht ausgestattete Bietigheimer Talent, in den Trainingseinheiten und in den Punktspielen regelmäßig dabei, auch das wirkte sich positiv aus.

Im Angriff spielte der HCOB auf einem guten und stabilen Level. Matthias Heineke findet, „dass wir noch flexibler geworden sind“, und macht das am Beispiel der halblinken Position im Rückraum deutlich: „Hier hat Ruben Siegle für die Tore gesorgt und Felix Raff den Abwehrreihen mit guten Eins-gegen-Eins-Aktionen zugesetzt.“ Den Trainer freut es, dass es auf vielen anderen Positionen ähnlich war, so war sein Team nur schwer auszurechnen. Im Durchschnitt kamen die Murrtaler auf über 30 Treffer, das schafften sonst lediglich die beiden Spitzenmannschaften aus Fürstenfeldbruck und aus Pfullingen sowie der Vorletzte aus Plochingen, der dafür aber in der Abwehr Probleme hatte.

Ein weiterer positiver Aspekt der abgelaufenen Runde war die wiedergewonnene Heimstärke. In der Vorsaison hatte es in 15 Begegnungen vor heimischem Publikum nur vier Siege gegeben, nun lief es grundlegend anders: Oppenweiler/Backnang hatte in zehn von zwölf Heimspielen die Nase vorne, nur einmal war es knapp. Das Duell mit dem TSB Horkheim wurde erst durch einen von Marcel Lenz mit der Schlusssirene verwandelten Siebenmeter entschieden. Im Umkehrschluss war gerade das ein echter emotionaler Höhepunkt. Seine vier Minuspunkte handelte sich der HCOB gegen Fürstenfeldbruck und Pfullingen ein, kein anderer Drittliga-Verein gab daheim weniger Punkte ab. Rund 600 Fans kamen im Schnitt zu den Partien in die Gemeindehalle nach Oppenweiler und in die Karl-Euerle-Halle nach Backnang. Krösus ist die HG Saarlouis (1032), ligaweit sind es 500 Zuschauer pro Partie.

Bleibt noch die rhetorische Frage zu beantworten, wo der HCOB gelandet wäre, hätte die Spielzeit normal beendet werden können. „Wir waren gut in Form und hatten ein vielversprechendes Restprogramm mit drei Heim- und zwei Auswärtsspielen gegen Teams aus dem hinteren Bereich“, überlegt Heineke und prognostiziert letztlich: „Deshalb bin ich mir sicher, dass wir Rang sechs verteidigt hätten.“ Unter dem Strich passe die Platzierung zum Saisonverlauf. „Die Mannschaften, die vor uns platziert sind, stehen zu Recht da“, betont der HCOB-Trainer, „und die Teams hinter uns haben wir aufgrund unserer Leistungen auch zu Recht hinter uns gelassen.“

Hintergrund

Auf- und Absteiger: Der TuS Fürstenfeldbruck steigt als Meister der Südstaffel der Dritten Liga auf direktem Weg in die Zweite Bundesliga auf. Dasselbe wie für die Oberbayern gilt für die Titelträger in den Staffeln Mitte (TV Großwallstadt), Nord-Ost (Dessau-Roßlauer HV) und Nord-West (Wilhelmshavener HV), weil an die ansonsten vorgesehenen Relegationsspiele wegen der Coronakrise momentan nicht zu denken ist. Runter muss dieses Jahr niemand. Auch der TSV Blaustein, der zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs schon als Absteiger feststand, darf sich auf eine weitere Drittliga-Runde freuen. Auf den weiteren Abstiegsplätzen lagen der TV Willstätt und der TV Plochingen, diese beiden Klubs hätten aber durchaus noch Chancen auf den Ligaverbleib gehabt. Aus den vierthöchsten Spielklassen kommen als Kandidaten für die zukünftige Drittliga-Südstaffel der SV 64 Zweibrücken, die HSG Konstanz II, die SG Pforzheim/Eutingen und der VfL Günzburg nach oben.

Daten und Fakten – Einsatzstatistik der HCOB-Feldspieler (sortiert nach Toren): Marcel Lenz (25 Spiele/171 Tore), Kevin Wolf (25/84), Ruben Sigle (23/83), Jakub Strýc (25/73), Nikola Vlahovic (19/63), Evgeni Prasolov (19/60), Felix Raff (16/48), Lukas Köder (23/47), Philipp Maurer (22/30), Philipp Schöbinger (25/29), Tim Düren (23/24), Tom Kuhnle (15/17), Timm Buck (18/15) und Johannes Csauth (6/5). –

Torhüter: Felix Beutel (24 Spiele/1 Tor, 972 Einsatzminuten), Stefan Koppmeier (20/2, 528), Stefan Merzbacher (1/0, 0) und Marcel Wolf (1/0, 0). – Siebenmeterbilanz – Feldspieler: Lenz (107 Würfe/81 Tore, 76 Prozent), Köder (5/3, 60), Buck (8/7, 88). – Torhüter: Beutel (55 Würfe/16 Paraden, 29 Prozent), Koppmeier (38/10, 25).

Die Abschlusstabelle (anhand des Quotienten): 1. TuS Fürstenfeldbruck 176,0; 2. VfL Pfullingen 144,0; 3. TuS Dansenberg 133,3; 4. HBW Balingen-Weilstetten II 133,3; 5. TSB Horkheim 128,0; 6. HC Oppenweiler/Backnang 116,0; 7. HG Saarlouis 104,2; 8. Rhein-Neckar Löwen II 104,0; 9. SV Kornwestheim 100,0; 10. TGS Pforzheim 92,0; 11. TSG Haßloch 84,0; 12. HC Erlangen II 72,0; 13. TV Hochdorf 72,0; 14. TV Willstätt, 66,7; 15. TV Plochingen 56,0; 16. TSV Blaustein 20,0.

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Erstellt:
28. April 2020, 06:00 Uhr

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