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Einzig die Stimme ist WM geschädigt

Titelkämpfe vor eigener Haustür machen bei Emelie Petz Lust auf mehr – Tokio ist das nächste Ziel der 16-jährigen Turn-Hoffnung

Nein, die vielen Interviews und Gespräche sind nicht der Grund, weshalb Emelie Petz gerade schlecht bei Stimme ist. Eine Erkältung plagt die 16-Jährige. „Jetzt nach dem Wettkampf und dem ganzen Stress bei und rund um die Weltmeisterschaft, meldet sich vermutlich der Körper und macht klar, dass er mal eine Pause braucht“, sagt die deutsche Turn-Hoffnung heiser.

Freut sich: Emelie Petz. Bei der WM in Stuttgart hat sich die TSG-Turnerin mit Deutschland für Olympia 2020 in Tokio qualifiziert. Foto: Baumann

© Pressefoto Baumann

Freut sich: Emelie Petz. Bei der WM in Stuttgart hat sich die TSG-Turnerin mit Deutschland für Olympia 2020 in Tokio qualifiziert. Foto: Baumann

Von Uwe Flegel

Die Weltmeisterschaft vor der Haustür hatte die junge Sportlerin von der TSG Backnang schon vor ein par Jahren zu ihrem großen Ziel ausgerufen. Sie, die als Jugendliche in ihren Altersklassen in Deutschland praktisch konkurrenzlos war. 15 von 20 möglichen Titeln sicherte sie sich im Nachwuchsbereich zwischen 2015 und 2018. Wobei es in den letzten zwei Jahren 10 von 10 waren und auch internationale Medaillen dazu kamen. Ein Talent, wie es im deutschen Turnsport nicht so oft vorkommt, sehen Experten in der Allmersbacherin. Eine Einschätzung, die auch darauf beruht, dass die TSG-Turnerin auf dem Weg zur Heim-WM in Stuttgart nicht nur Ehrgeiz, sondern auch den nötigen Biss bewies. Trotz einer schwierigen und langwierigen Fußverletzung hat sie ihr Ziel erreicht. Dies auch dank eines vernünftigen Trainingsaufbaus in den Wochen und Monaten nach der Operation.

Entsprechend zufrieden wirkt Emelie Petz, wenn sie auf ihre Auftritte in Stuttgart blickt und sagt: „Es war eine tolle Erfahrung.“ Dazu zählen die Starts in einer proppenvollen Schleyer-Halle vor Eltern, Freunden und Fans ebenso wie die Absteiger an Stufenbarren und Schwebebalken. Leistungsdruck ist für die Bundesligaturnerin des MTV Stuttgart nicht unbekannt gewesen, das was bei einer WM im eigenen Land auf einen einprasselt hatte sie zuvor noch nicht erlebt. Selbst eine, die sonst so cool wie nur wenige 16-Jährige wirkt, will da gar nicht erst groß verhehlen, dass sie diesmal ein wenig nervöser war als sonst.

Mit Fug und Recht sagt sie aber auch: „Mit 16 Jahren in einem so tollen Team stehen zu dürfen, das kann nicht jeder von sich sagen.“ Erst recht, wenn die Jugendliche dann auch noch ein Übungsteil zeigt, dass nun nach ihr benannt ist. Beim Abgang am Stufenbarren präsentierte die dreimalige BKZ-Sportlerin des Jahres einen Umschwung mit gegrätschten Beinen, aus der sie sich in einen Vorwärtssalto katapultiert und 360 Grad um die eigene Achse schraubt. Ein Element, das vor ihr noch niemand turnte und das mittlerweile nach ihr benannt ist. Der Petz steht nun in einer Liste mit dem Gienger-Salto oder dem Tsukahara. Wobei die Erfinderin des Abgangs sie in Stuttgart nicht zum ersten Mal zeigte, international zum Beispiel turnte sie ihn auch schon bei der Europameisterschaft in Stettin im Frühjahr. Auch ein Großereignis, aber in der Fremde und deshalb nicht so im Fokus der Öffentlichkeit wie die Weltmeisterschaft jetzt in Stuttgart.

Die ist für Emelie Petz noch nicht ganz beendet. Denn obwohl die Heimat nur etwas mehr als 30 Kilometer entfernt ist, lebt sie im Hotel bei der deutschen Mannschaft. „Wir sind ein Team, da hält man zusammen“, ist das für sie allerdings ebenso eine Selbstverständlichkeit wie das tägliche Training und das Pilgern zu den Wettkämpfen. Dort hat sie durchaus noch zu tun, obwohl die Stimme derzeit nicht richtig will: „Ich unterstütze Elli Seitz und Sarah Voss in ihren Finals.“

Klar ist aber, dass die Turnerin hofft, selbst mal im Finale einer EM, WM oder bei Olympischen Spielen zu stehen. Tokio 2020 ist die nächste Möglichkeit, nachdem sich Emelie Petz mit der deutschen Riege dank Rang neun in Stuttgart dafür qualifiziert hat. Selbst die Olympischen Spiele 2024 in Paris hat sie als Ziel schon im Hinterkopf. „Ich bin erst 16, da war Stuttgart nur der Anfang“, hat das Weltmeisterschaftsdebüt Lust auf mehr gemacht. Wobei die junge Allmersbacherin am besten weiß, dass Gesundheit und Glück vonnöten sind, um große Ziele zu erreichen. Hinzu kommen die Aufgaben des Alltags. Und die heißen auch für eine deutsche Turn-Hoffnung: „Ab Dienstag ist erst mal Schule, da muss ich noch was nachholen.“ Und die Stimme wird sich bis dahin sicher auch erholt haben.

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Erstellt:
10. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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