Erste Schritte auf dem Weg zu alten Erfolgen

Vor wenigen Jahren lag der Basketball in Backnang am Boden. Nun hat der Bezirksligist den dritten Aufstieg in Folge im Blick. Die TSG könnte damit ein wenig an die Glanzzeiten anknüpfen, als die Frauen in der höchsten deutschen Klasse und die Männer in der Oberliga am Ball waren.

Trainer Heiner Wolf präsentierte sich mit den Backnanger Basketballerinnen in den 70ern für kurze Zeit sogar in der höchsten deutschen Spielklasse. Einige Jahre lang war die TSG-Mannschaft um Helga Wolf (Foto rechts, Nummer 6) mit das Beste, was Württemberg in dieser Sportart im Frauenbereich zu bieten hatte. Fotos: K. Koehler

Trainer Heiner Wolf präsentierte sich mit den Backnanger Basketballerinnen in den 70ern für kurze Zeit sogar in der höchsten deutschen Spielklasse. Einige Jahre lang war die TSG-Mannschaft um Helga Wolf (Foto rechts, Nummer 6) mit das Beste, was Württemberg in dieser Sportart im Frauenbereich zu bieten hatte. Fotos: K. Koehler

Von Uwe Flegel

Der große Showdown ist es nicht, die vielleicht entscheidende Partie im Kampf um den Aufstieg in die Landesliga aber schon. Heute gegen 16 Uhr entscheidet sich in der Backnanger Katharinenplaisirsporthalle, ob die TSG-Basketballer ihren Durchmarsch von ganz unten weiterhin störungsfrei fortsetzen können oder ob es vorübergehend zumindest einen kleinen Zwischenstopp gibt. Im Duell des Tabellenzweiten aus dem Murrtal mit Spitzenreiter SZ Kornwestheim gehts darum, wer in der Bezirksliga als Erster auf die Zielgerade der Saison einbiegt.

Für die gastgebenden Korbjäger geht es allerdings auch darum, an die Glanzzeiten der Abteilung der TSG 1846 in den 60ern, 70ern und frühen 80ern anzuknüpfen. Zeiten, in denen es das Frauenteam bis in die höchste deutsche Spielklasse brachte und die Männer in der Oberliga auf Punktejagd gingen. Wobei Armin Klein, der 1958 wie auch Heiner Wolf oder Dieter Haffner von den TSG-Handballern zum Basketball kam, daran erinnert: „Bereits 1959 haben wir mit Backnang das Endspiel um die württembergische Pokalmeisterschaft erreicht.“ Das sei der vielleicht größte Erfolg im Männerbereich gewesen, sinniert der mittlerweile 84-Jährige, der froh ist, dass sich bei den Korbjägern im Murrtal nun seit drei, vier Jahren wieder zarte Pflänzlein des Erfolgs zeigen.

Schon die Eltern des heutigen Trainers feierten mit der TSG einst Erfolge

Vor allem freut es das Urgestein, dass Trainer und Abteilungsleiter Jörg Blaetter großen Anteil am momentanen Aufschwung hat. Denn obwohl der heutige Macher erst vor knapp vier Jahren von Marbach ins Murrtal kam, war der Name Blaetter auch bei den Erfolgen seinerzeit oft mit im Spiel. „Ich habe mit seinem Vater Jürgen damals zusammen gespielt“,erzählt Klein und weiß auch: „Jörgs Mutter Gabi hat zudem zu dem starken Frauenteam gezählt.“ Die Eltern des derzeitigen Coachs seien damals von Berlin ins Schwabenland gekommen, weiß Armin Klein und sein einstiger Mitspieler Volker Michel erinnert sich: „Jürgen Blaetter war einer, der hier wichtige Aufbauarbeit geleistet hat.“ Wie Heiner Wolf oder Werner Ziegler, Trainer des A-Jugend-Teams mit Volker Michel und seinen Mitstreitern wie Martin Sanzenbacher, Wolfgang Schey, Thomas Brandl und Georg Blind, die mit dem Backnanger Nachwuchs Mitte der 70er Dritter der süddeutschen Meisterschaft wurden. „Zusammen mit den Erfahrenen wie Armin Klein, unserem alten Coach und nun Mitspieler Werner Ziegler sowie Wolfgang Petri, der von Stuttgart zu uns wechselte, haben wir dann in der Oberliga gespielt“, berichtet Volker Michel von diesen guten Zeiten.

Bis Mitte der 80er hielten die an, dann ging es zunächst eine Klasse tiefer, wo sich Backnang mit der nächsten Generation um Bernd Oesterle, Vater des heutigen TSG-Spielers Lukas Oesterle und vor ein paar Jahren Trainer des Männerteams, noch ein Weilchen hielt. In den 90ern war es dann wenigstens noch die Bezirksliga, ehe die Murrtaler viele Jahre lang nur noch in der Kreisliga um Punkte kämpften und vor ein paar Jahren kurzzeitig sogar mal gar kein Männerteam stellten.

Entsprechend groß ist die Erleichterung bei einem wie Volker Michel, der in all den Jahren als Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Abteilungsleiter, Kassier oder wie aktuell als Kassenprüfer am Ball blieb, dass der Backnanger Basketball nach zwei Aufstiegen in Folge nun auch in der Bezirksliga ganz oben anklopft. „Gott sei Dank ist mit Jörg Blaetter wieder jemand da, der Zug reinbringt und der solche Verbindungen hat, dass gute Spieler zu uns kommen.“ Auch deshalb würde sich der 65-Jährige freuen, wenn er am heutigen Spätnachmittag als Augenzeuge miterleben könnte, wie die TSG nach dem Hinspielsieg in Kornwestheim nun auch das zweite Duell mit dem großen Titelkonkurrenten Kornwestheim gewinnt und dann dank des besseren direkten Vergleichs trotz Punktgleichheit die Tabellenspitze übernimmt.

Zumindest bei den Männern wäre der Klub aus dem Murrtal dann wieder ein bisschen näher dran an den alten Glanzzeiten. Erst recht, wenn der momentane Erfolg nicht nur ein Strohfeuer ist, sondern in den nächsten Jahren bestätigt werden kann. Als Aufsteiger in der Landesliga oder wenigstens als Spitzenteam in der Bezirksliga. Wobei Michel auch weiß, dass es im Frauenbereich derzeit noch nicht ganz so gut aussieht. Das liegt auch an den üblichen Problemen in Zeiten von Corona. Bislang hat die TSG nur einmal gespielt, dabei in der untersten Spielklasse, der Bezirksliga, gegen Schwäbisch Hall mit 46:40 gewonnen. Von einstigen Erfolgen sind die Backnangerinnen jedoch trotzdem weit entfernt, waren die Backnangerinnen mit Spielerinnen wie Helga Wolf, Ingrid Frank, Elke Vetter oder Ellen Voigt Ende der 60er und in den 70ern mit das Beste, was es im württembergischen Basketball gab. Sogar in die damals höchste deutsche Liga brachte es die TSG und noch heute sagt Helga Wolf schmunzelnd und stolz: „Das hat in Backnang vermutlich sonst niemand geschafft.“ Die Rede ist dabei vom Erfolg der schwäbischen Frauen 1974 in dem Punktspiel gegen die Vertretung des FC Bayern München.

Nach fast vier Jahrzehnten besteht die Chance zur Rückkehr in die Landesliga

Wie bereits erwähnt: Basketball hatte in Backnang schon richtig große Zeiten, kämpfte vor ein paar Jahren aber auch mal ums Überleben. Entsprechend hoch ist es einzuschätzen, dass die TSG nun so weit ist, nach knapp vier Jahrzehnten Abstinenz um die Rückkehr in die Landesliga kämpfen zu können. Coach Jörg Blaetter freut sich jedenfalls darüber und sagt: „Wir arbeiten seit Wochen auf dieses Spiel hin und sind froh, dass wir diese Chance jetzt haben.“ Nun muss sie nur noch genutzt werden.

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Erstellt:
19. März 2022, 06:00 Uhr

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