Wirtschaftsreport
DFL will trotz Rekordergebnis für Krisen vorsorgen
6,33 Milliarden Euro Umsatz und fast 21 Millionen verkaufte Tickets – doch die Deutsche Fußball Liga denkt an Rettungsschirme. Die Bundesliga will bei neuen Risiken vorbereitet sein.
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Ligapräsident Hans-Joachim Watzke: mahnende Worte beim DFL-Neujahrsempfang.
Von Von Ulrike John, Michael Rossmann und Christian Kunz, dpa
Frankfurt/Main - Inmitten von politisch und wirtschaftlich angespannten Zeiten schreibt der deutsche Profifußball Rekordzahlen - mahnt aber auch zu Augenmaß. "Wir müssen aufhören mit dem immer höher, immer weiter, immer schneller. Das passt nicht in die europäische Zeit", sagte Ligapräsident Hans-Joachim Watzke beim Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga (DFL).
Der Präsident von Borussia Dortmund verwies auch auf die Finanz-Regularien der Europäischen Fußball-Union UEFA, die seit dieser Saison die Ausgaben für Kader (Gehälter, Ablösen, Beraterhonorare) auf maximal 70 Prozent der Clubeinnahmen beschränken.
"Wenn der eine oder übers Ziel hinausgeschossen ist, dann muss es glasklare Sanktionen geben. Da muss es auch einen Automatismus geben", forderte Watzke und versprach: "Wir als Bundesliga werden da unseren Teil dazu beitragen." Als Sanktionen müsse es Punktabzüge geben. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Kritik an der Ausgabenpolitik von großen Clubs wie Paris Saint-Germain, Manchester City und dem FC Barcelona gegeben.
Rekordumsatz in der vorigen Saison
Im Frankfurter Eventlokal Palmengarten feierte sich die DFL auch für ihre Finanzkraft und Seriosität. Die Rekorderlöse seien "Ausdruck der großen gesellschaftlichen Popularität des Fußballs und zugleich ein wichtiger Baustein für nachhaltige wirtschaftliche Stabilität", betonte Steffen Merkel, der gemeinsam mit Marc Lenz die Geschäftsführung der DFL bildet.
Die 1. und 2. Bundesliga haben in der Saison 2024/25 einen Rekordumsatz von 6,33 Milliarden Euro verbucht. "In herausfordernden Zeiten setzt der deutsche Profifußball starke Signale", sagte Watzke. "Wir können entsprechend selbstbewusst in das WM-Jahr 2026 gehen."
Damit verbuchten die 36 Clubs 461,2 Millionen Euro mehr Erlöse als 2023/24. Der operative Gesamtgewinn lag nach Angaben der DFL bei 271,5 Millionen Euro für die 36 Clubs.
Auch die zweite Liga wächst
Das Oberhaus um Rekordmeister FC Bayern München vermeldete mit 5,12 Milliarden erstmals mehr als 5 Milliarden Euro Umsatz und 320,8 Millionen Euro mehr als in der Spielzeit zuvor. Die zweite Liga machte einen Umsatz von 1,21 Milliarden Euro und hatte dabei einen Zuwachs von 13,1 Prozent.
Laut den Kennzahlen haben die Vereine und Kapitalgesellschaften dabei besser gewirtschaftet als zuvor: 13 Erst- und 15 Zweitligisten erzielten einen Gewinn, zuvor waren es nur 9 beziehungsweise 8. Das Eigenkapital in der Bundesliga liegt mit 2,17 Milliarden Euro erstmals bei mehr als 2 Milliarden Euro.
Premier League im Ausland weiter viel stärker
"Die Zahlen zeigen die Wettbewerbsfähigkeit der Liga", sagte Lenz, die Bundesliga sei demnach die Nummer 2 in Europa. Die englische Premier League hat dem deutschen Fußball allerdings weiterhin eine wesentlich stärkere Auslandsvermarktung voraus.
Unter der Leitung von Lenz und Merkel verzeichnete die DFL bei ihrem Wirtschaftsreport weitere Bestmarken. Sie verweist auf fast 1,7 Milliarden Euro, die die Clubs an Steuern und Abgaben an die öffentlichen Haushalte abgaben.
Fast 21 Millionen Eintrittskarten verkauft
Zudem waren in der vergangenen Saison mehr als 64.000 Personen im deutschen Profifußball beschäftigt. Auch die fast 21 Millionen Tickets bedeuten einen Höchstwert. Aber: Fast jeder dritte Euro der Einnahmen der Clubs stamme aus der Zentralvermarktung der Medienerlöse.
Watzke will 2026 "in das ewige Thema Auslandsvermarktung investieren" - und angesichts der politischen Weltlage auch vorsorgen: "Der Plan ist, dass wir Rettungsschirme aufbauen, wenn es mal weniger gut läuft, unsere Abhängigkeiten verringern." Denn was sich geopolitisch zurzeit abspiele, "ist auch eine Riesenherausforderung für uns. Ich möchte nicht wieder so ungebremst in ein Krisenszenario hineinrutschen wie bei Corona."
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Marc Lenz (l.) und Steffen Merkel: Rekordzahlen beim Wirtschaftsreport der DFL.
