„Es zählt nur der Klassenverbleib“

Das Interview: Der neue TSG-Trainer Evangelos Sbonias ordnet alles der schwierigen Rettung des Fußball-Oberligisten unter

Sein Einstand beim Fußball-Oberligisten TSG Backnang war mit dem 1:1 gegen den Dritten aus Freiberg durchaus erfolgreich. Die Roten vor dem Abstieg zu retten, bleibt für den neuen Trainer Evangelos Sbonias aber eine schwierige Mission. Wie er es mit seinem Team schaffen will und was der Job in den Etzwiesen für ihn persönlich bedeutet, verrät der 36-Jährige vor der heutigen Begegnung beim FV Ravensburg (14 Uhr).

Sah beim Debüt schon manches, was ihm gefiel: TSG-Trainer Evangelos Sbonias. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Sah beim Debüt schon manches, was ihm gefiel: TSG-Trainer Evangelos Sbonias. Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Sie waren zuletzt neun Monate ohne Trainerstelle. Wie sehr hat es in Ihnen deshalb vor dem Heimspiel gegen Freiberg gekribbelt?

Schon sehr. Je länger die Zeit ohne Fußball war, umso stärker ist auch die Sehnsucht geworden, auf den Platz zurückzukehren. Als ich am letzten Samstag vor dem Heimspiel gegen Freiberg mit dem Auto nach Backnang gefahren bin, habe ich schon deutlich gespürt, was mir in den vergangenen Monaten gefehlt hat.

Können Sie mit dem 1:1 gegen den Titelaspiranten bei Ihrer Premiere in den Etzwiesen leben oder ist in der prekären Situation der TSG Backnang ein Punkt grundsätzlich zu wenig?

Ich kann grundsätzlich mit diesem Punkt leben, weil die Welt auch nicht untergeht, wenn man gegen so einen Gegner überhaupt keinen Zähler holt. Wir müssen die Punkte gegen andere Mannschaften einfahren. Aber es stimmt andererseits auch: Wir sind nicht mehr in der Situation, uns rauszusuchen, wo wir unsere Punkte holen und wo nicht. Von daher tut uns jeder Punkt gut, erst recht gegen so eine Mannschaft. Es war zudem wichtig, bei meinem Einstand die Abwärtsspirale zu stoppen.

War das Unentschieden im Nachhinein das Maximum oder wäre mehr drin gewesen?

Als wir am Montag die Spielanalyse gemacht haben, habe ich in viele verdutzte Gesichter geschaut. Natürlich war unser Gefühl nach dem Spiel so, dass das 1:1 okay ist, aber die genaue Analyse zeigte, dass wir mit etwas mehr Automatismen und ein wenig mehr Ruhe in unseren Aktionen mehr hätten rausholen können.

Sie haben sich mit der TSG Backnang kurz, aber sehr intensiv beschäftigt, bevor Sie das Amt übernahmen. Hat Ihr neues Team gegen Freiberg gezeigt, was Sie erwartet haben?

Von der Mentalität, der Laufbereitschaft und der grundsätzlichen Einstellung zum Spiel auf alle Fälle ja. Wie sich die Jungs in die Zweikämpfe reingeknallt haben, das war schon oberes Maximum. Ich hatte von draußen eine Riesenfreude daran. Unser Spiel gegen den Ball und unsere Ordnung waren gut, aber mit dem Ball hatte es noch nicht so viel damit zu tun, wie wir am Ende Fußball spielen wollen.

Ist die Umstellung von Vierer- auf Dreierkette ein Modell von Dauer oder eine Variante, die speziell auf Freiberg zugeschnitten war?

Es war schon speziell auf Freiberg zugeschnitten. Wir wollen und müssen dahin kommen, dass sich unser Team ein Stück weit am Gegner orientiert und versucht, seine Schwächen zu nutzen und Stärken auszuschalten. Dieses System, wie wir es am Samstag gespielt haben, war schon ein Produkt der Analyse von Freiberg.

Bis zur Winterpause warten nur noch die Auswärtsspiele in Ravensburg und Villingen. Wie viele Punkte sollten es sein, damit die Chancen auf den Ligaverbleib intakt bleiben?

Ich bin davon überzeugt, dass völlig egal, was in den nächsten beiden Begegnungen passiert, das noch keine Vorentscheidung über den Ligaverbleib bedeutet. Ich habe vorher aber auch schon gesagt, dass wir uns nicht mehr aussuchen können, gegen wen wir punkten. Auf dem Papier – das muss man ehrlich sagen – sind es Rivalen, gegen die alles, was man mitnimmt, ein Plus ist. Es ist nicht eingeplant, dass man solche Gegner schlägt, insbesondere auswärts. In unserer Situation zählt das aber nicht mehr und wir haben nicht mehr die Zeit für solche Rechenspiele. Wir müssen punkten, am besten in beiden Spielen.

Sind Verstärkungen im Winter notwendig?

Marc Erdmann (TSG-Vorstandsmitglied, d. Red.) und ich stehen in einem engen Austausch, täglich mehrmals. Nun geht’s für mich wirklich darum, die restlichen Tage bis zur Winterpause zu nutzen, um den Kader vollends kennenzulernen. Danach setzen wir uns zusammen und gucken, was wir machen, so ist es abgesprochen. Wir haben aber dieselbe Meinung: Wenn wir jemanden holen, dann muss er uns sofort weiterhelfen und für die erste Elf gedacht sein. Nur irgendeinen als Ergänzung dazunehmen, bringt uns nichts.

Sie waren als Co-Trainer von Oliver Zapel in Großaspach und beim SV Werder Bremen II in der Dritten Liga tätig. War es auch eine Option, so lange zu warten, bis Oliver Zapel irgendwo wieder auf den Zug aufspringt?

Nach dem Engagement in Bremen war bei mir schon das Verlangen da, wieder selbst das Steuer zu übernehmen und als Cheftrainer zu arbeiten – vorzugsweise hier in der Region und mindestens in der Oberliga. Die Möglichkeit ergab sich, als die TSG Backnang dann auf mich zugekommen ist und von daher bin ich schon sehr froh, dass es jetzt so ist, wie es ist.

Ist der Job in der Oberliga für Sie ein Rückschritt oder erklimmen Sie die nächste Sprosse auf der Karriereleiter, weil Sie als Chefcoach noch nie so hoch gearbeitet haben?

Ich sehe die Dinge immer positiv und daher empfinde ich es nach zwei Jahren im Profigeschäft in Aspach und Bremen nun als Fortschritt, wieder alleine am Steuer zu sein, und das bei einem Oberligisten. Diese Liga hat durchaus hohes Niveau – das sieht man auch immer wieder, wenn Oberligisten im Pokal gegen Drittligisten antreten: Da gewinnt kaum einmal ein Drittligist einfach so im Vorbeigehen.

Die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und der TSG Backnang ist zunächst bis zum Sommer befristet. Bleiben Sie im Falle des Klassenverbleibs ganz selbstverständlich und hören Sie beim Abstieg ebenso selbstverständlich auf?

Wir haben ganz bewusst so entschieden, uns auf nichts anderes als den Abstiegskampf zu konzentrieren – das ist auch keine Floskel. Es zählt nur der Klassenverbleib, dafür muss alles andere vorerst hintangestellt werden. Darauf richtet sich der ganze Fokus und nicht auf irgendwelche Vertragslaufzeiten und darauf, was im Sommer passiert. Es ist alles ergebnisoffen, ich stehe für beide Fälle für Gespräche zur Verfügung. Wir werden uns rechtzeitig zusammensetzen.

Zum heutigen Spiel können TSG-Fans wieder im Bus anreisen, einige Plätze sind noch frei. Abfahrt in den Etzwiesen: 9 Uhr. Anmeldung bei Rolf Wörner (0151/19030656).

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Erstellt:
24. November 2018, 06:00 Uhr

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