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Florian Benz lässt Bestmarken purzeln

Junger Schwimmer der TSG Backnang verbessert sich kontinuierlich und hält bei den Zehnjährigen einen württembergischen Rekord

Florian Benz ist einer von der schnellen Truppe – egal ob an Land oder im Wasser. Der Gymnasiast aus Oberbrüden gewann in seiner Altersklasse in den vergangenen zwei Jahren beim Backnanger Silvesterlauf den Mini-Marathon, obwohl er eigentlich kein Leichtathlet ist, sondern ein erfolgreicher Schwimmer. Seit drei Monaten hält das TSG-Talent in 30,40 Sekunden über 50 Meter Freistil auf der 25-Meter-Bahn den württembergischen Rekord bei den Zehnjährigen.

In seinem Element, und das zur Abwechslung mal ohne Tempo und ganz entspannt: Florian Benz, das Schwimmtalent der TSG Backnang. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

In seinem Element, und das zur Abwechslung mal ohne Tempo und ganz entspannt: Florian Benz, das Schwimmtalent der TSG Backnang. Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Innerhalb von wenigen Wochen verbesserte Florian Benz die Bestmarke, die in 30,89 Sekunden vorher im Besitz des Sindelfingers David Cicero war, gleich zweimal: Bei einem Herbstmeeting in Mühlacker schlug er nach 30,51 Sekunden an, im Becken des heimischen Wonnemar-Hallenbades beim Schwimmfest am 30. November nochmals elf Hundertstel früher. „Ich habe mich riesig über den Rekord gefreut“, sagt der am 10. März 2009 in der Nähe von Hannover geborene Bub, der mit den Eltern seit 2013 in Auenwald lebt. „Es ist schon etwas Besonderes, dass in Württemberg noch kein Zehnjähriger schneller geschwommen ist als ich.“ Zumindest nicht, seit der Landesverband die entsprechende Liste führt.

Dabei war Florian Benz vor zwei Jahren erst nach einem Umweg zur Schwimmabteilung der TSG Backnang gestoßen. Sein Kumpel sei beim Triathlon gewesen, „also habe ich das auch ausprobiert“, erzählt der Schüler, der jedoch keinen großen Gefallen an dieser Art von sportlichem Dreikampf fand: „Das Fahrradfahren und das Laufen waren nicht ganz mein Ding.“ Es ehrt ihn zwar, nicht so auf den Putz hauen zu wollen, doch zumindest für die dritte Triathlon-Teildisziplin kann das so nicht stehen bleiben. Immerhin feierte Florian Benz im Rahmen des Backnanger Silvesterlaufs im Mini-Marathon über 2,5 Kilometer bereits zwei Siege: 2018 hatte er in 10:10 Minuten in der U 10 der Jungs die Nase vorne, 2019 in 9:42 Minuten in der U 12. „Er rennt mir davon“, wirft sein Vater Philipp Benz ein, aber trotzdem wollte sich der Sohnemann vor allem aufs Schwimmen spezialisieren.

Er begann in der Nachwuchsgruppe, arbeitete sich jedoch in Windeseile über die Talent- in die Leistungsgruppe. „Es hat lediglich ein gutes Jahr gedauert“, berichtet der Schüler, der sich mit vielen Siegen ins Blickfeld von TSG-Chefcoach Jörg Scheifele rückte und im vergangenen Jahr dann so richtig durchstartete. Nur ein Beispiel: Er schnappte sich bei den württembergischen Meisterschaften in seinem Jahrgang 2009 sechs Gold- und drei Silbermedaillen – und das auf Freistil-, Schmetterling- und Bruststrecken, was seine Vielseitigkeit unterstreicht. „Kraul“, im Fachjargon Freistil, „bleibt aber meine Lieblingsdisziplin“, betont Florian Benz, „die anderen Lagen habe ich so richtig erst im Verein gelernt.“ Zuletzt räumte er den ersten baden-württembergischen Titel nicht auf einer kürzeren Strecke ab, die üblicherweise sein Metier ist, sondern über 800 Meter Freistil. Nicht zuletzt hat er das alles dem enormen Trainingspensum zu verdanken. Montags wird die Woche mit der einstündigen Athletikeinheit unter der Regie von Marcel Hänsch eingeläutet. Jeweils zwei Stunden geht es dienstags, mittwochs, donnerstags und samstags ins Hallenbad, um dort Bahn für Bahn zu ziehen, ohne dass es ihn mit der Zeit nur ansatzweise langweilen würde. „Mir macht es wirklich Spaß, es geht fast nicht mehr ohne Schwimmen“, sagt der Zehnjährige, der mit seinem Ehrgeiz und zugleich der Freude an seinem Sport auch seinen Papa beeindruckt. „Wir mussten ihn bis jetzt noch nie antreiben“, stellt Philipp Benz anerkennend fest.

Mit dem württembergischen Kurzbahnrekord bei den Zehnjährigen über 50 Meter Freistil setzte Florian Benz ein Ausrufezeichen, avancierte damit zur deutschen Nummer zwei in dieser Altersklasse und schaffte etwas, was auch für seinen Verein absoluten Seltenheitswert hat. Die Erwartungen an ihn daher allzu sehr in die Höhe zu schrauben, wäre trotzdem ein Fehler, denn auf dem Weg zu einem erfolgreichen Erwachsenen sind noch viele Hürden zu überwinden. Sollte sein Schützling in vier Jahren auch noch zur nationalen Spitze zählen, „geht es in die richtige Richtung“, äußert sich Trainer Jörg Scheifele betont vorsichtig. „Ich will mich auf hohem Niveau weiter verbessern“, sagt Florian Benz, der im Sommer 2019 von der Grundschule auf das Max-Born-Gymnasium wechselte.

Ein Vorbild hat er auf diesem Weg auch, aber es ist nicht das momentane deutsche Aushängeschild, zumindest nicht in erster Linie. „Florian Wellbrock ist halt eher der Langstreckler“, sagt der Auenwalder über den zweimaligen Weltmeister und nennt stattdessen Caeleb Dressel, den Weltmeister und Weltrekordinhaber über 100 Meter Schmetterling, der auch schon zweifacher Olympiasieger ist und insgesamt 19 WM-Titel abgeräumt hat. Der 23-jährige US-Amerikaner ist wie er eher ein Spezialist für die Kurzstrecken und deshalb das passendere Vorbild für das Talent, für das die deutsche Mehrkampfmeisterschaft dieses Jahr wohl der Höhepunkt sein wird. Auch in Berlin will Florian Benz zeigen, dass er einer von der schnellen Truppe ist.

Hintergrund

Grundsätzlich wird im Schwimmen zwischen Bestzeiten auf der 25- und auf der 50-Meter-Bahn unterschieden, das ist bei den Weltrekorden nicht anders als auf nationaler Ebene oder in den einzelnen Landesverbänden. In aller Regel werden auf der Kurzbahn die schnelleren Zeiten erzielt, weil die Topathleten die häufigeren Wenden nutzen können, um durch das Abstoßen von der Wand das Tempo zu erhöhen.

Florian Benz von der TSG Backnang hält in 30,40 Sekunden seit November vergangenen Jahres den württembergischen Kurzbahnrekord bei den Zehnjährigen über 50 Meter Freistil. Zum Vergleich: In derselben Altersklasse und in derselben Disziplin steht die Bestmarke in Württemberg auf der langen Bahn bei 30,93 Sekunden, sie ist im Besitz von David Cicero vom VfL Sindelfingen.

Seit dem Jahreswechsel (Stichtag ist stets der 31. Dezember) geht’s für Florian Benz um die Rekorde bei den Elfjährigen. Über 50 Meter Freistil ist in Württemberg auf der Kurzbahn die Zeit von 29,04 Sekunden, erneut von David Cicero, zu knacken. „Das sollte drin sein“, glaubt das TSG-Talent, das am 1. Februar in Bad Cannstatt schon eine andere württembergische Bestmarke in dieser Altersklasse aufgestellt hat: Und zwar über 100 Meter Lagen in 1:12,63 Minuten.

Den deutschen Rekord über 50 Meter Freistil auf der Kurzbahn hält über alle Altersgrenzen hinweg in 20,73 Sekunden bereits seit November 2009 der Ex-Weltklasse-Schwimmer Steffen Deibler. Den Weltrekord hat der US-Amerikaner Caeleb Dressel erst im Dezember vergangenen Jahres in Las Vegas auf 20,24 Sekunden verbessert.

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Erstellt:
3. März 2020, 06:00 Uhr

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