Folgen der Zwangspause kommen nun ans Licht

Großerlachs Fußballern fehlt beim Wiedereinstieg nicht nur ein Trainer, sondern auch das eine oder andere bekannte Gesicht.

Routinier Mathias Dähn (schwarzes Trikot) bleibt in Großerlach am Ball. Ansonsten fehlt den Sportfreunden künftig allerdings der eine oder andere wichtige Spieler. Foto: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Routinier Mathias Dähn (schwarzes Trikot) bleibt in Großerlach am Ball. Ansonsten fehlt den Sportfreunden künftig allerdings der eine oder andere wichtige Spieler. Foto: T. Sellmaier

Von Uwe Flegel

„Ich glaube nicht, dass wir der einzige Verein sind, bei dem die Spielerdecke nach der langen Durststrecke eher dünn ist“, sinniert Rainer Dietrich laut. Der Vorsitzende der Sportfreunde Großerlach spricht vom Wiedereinstieg seiner Fußballer nach rund acht Monaten Zwangspause wegen des Coronavirus. Der Stillstand ist beendet, doch der eine oder andere Sportler bleibt auf Abstand zum regelmäßigen Training. Erst recht, wenn wie bei dem Verein aus der Kreisliga B ein Coach fehlt. „Markus Bührer macht nicht weiter und einen Nachfolger haben wir bisher nicht gefunden“, erzählt Rainer Dietrich und sagt: „Am liebsten wär es mir, wenn wir rasch einen Spielertrainer finden.“ Schließlich wollen seine Kicker wissen, mit wem es weitergeht.

Seit zwei Wochen sind die Sportfreunde zurück auf dem Platz, obwohl ein offizieller Übungsleiter fehlt. Elf, zwölf Jungs seien beim Training, berichtet der Vorsitzende, der sich gerne eine höhere Beteiligung gewünscht hätte. Schließlich ist es noch nicht so lange her, als der Verein sich überlegte, ein weiteres Team anzumelden. Doch eine richtige Reserverunde gibt es nicht mehr und für eine zweite Mannschaft in Konkurrenz, so wie es andere Kreisliga-B-Klubs praktizieren, fühlten sich die SF nicht gewappnet.

Mittlerweile erst recht nicht mehr. Nach Corona, den beiden Saisonabbrüchen und den langen Zwangspausen geht es für viele kleine Klubs erst einmal darum, eine verlässliche Bestandsaufnahme zu machen. In Großerlach fiel die nicht so positiv aus. Mit Kapitän Max Neubauer (26 Jahre, VfR Murrhardt, Bezirksliga), Markus Ehnle (27, VfL Mainhardt, Bezirksliga Hohenlohe) und Nils Ilic (28, TSV Oberbrüden, Kreisliga A) haben sich wichtige Spieler verabschiedet. Hinzu kommen Verletzte sowie Akteure, die aus anderen Gründen nicht mehr wollen. „Die Kameradschaft hat unheimlich gelitten“, urteilt Dietrich. In der Zwangspause hat manch Teamsportler gemerkt, dass das regelmäßige Miteinander zwar schön ist, ein Leben ohne feste Trainingsverpflichtung aber auch möglich sein kann. In Zahlen: „Vor Corona hatten wir 19 bis 20 Spieler, die verlässlich parat standen. Nun schätze ich, dass es noch 12, 13 sind. Das ist auf eine komplette Runde gesehen arg eng.“

Der 59-jährige SF-Vorsitzende geht deshalb nun in die Offensive bei der Suche nach einem neuen Übungsleiter und nach neuen Spielern. „Mit einem Trainerkandidaten waren wir schon ziemlich weit, doch dann hat er kurzfristig abgesagt“, erzählt Dietrich und hofft weiter, einen guten Mann zu finden. Schließlich ging es in Großerlach nach Jahren der sportlichen Dürre zuletzt durchaus bergauf. Vor der annullierten Saison 2020/21 gab’s in der vergleichsweise starken Staffel 2 der insgesamt fünf Kreisligen B an Rems und Murr die Platzierungen fünf, zehn und wieder fünf. „Das ist nicht so schlecht. Eigentlich lief es sogar gut und wir hatten uns sportlich stabilisiert“, erzählt SF-Urgestein Dietrich. Hinzu kommt eine renovierte Sportanlage mit „zwei super Rasenplätzen“, so der hörbar stolze Vorsitzende. Er hatte mit einigen Unterstützern sogar den Versuch gestartet, dass der Verein aus der 2500-Seelen-Gemeinde im unteren Altersbereich mithilfe der Kooperation Schule und Verein wieder Jugendteams melden kann.

Das alles hat sich in Pandemiezeiten vorerst erledigt. Nun geht’s darum, ein solches Angebot überhaupt wieder aufzubauen und vor allem den Rückfall der Fußballabteilung in die schwierigen Zeiten zu verhindern. Die Einschränkungen wegen des Coronavirus mögen gerade nicht mehr ganz so heftig sein, ohne Folgen bleiben sie für den Sport und seine Klubs offensichtlich aber nicht. Zumindest Rainer Dietrich ist sich sicher, dass seine Sportfreunde nicht die Einzigen sind, die sich nun erst einmal kräftig nach der Decke strecken müssen.

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Erstellt:
23. Juni 2021, 11:30 Uhr

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