Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Fünfter Anlauf auf das erste WM-Gold

Kunstradfahrerin Viola Brand vom RSV Unterweissach erwartet in Basel wohl ein Zweikampf mit Teamkollegin Milena Slupina

Die deutschen Damen sind die Dominatorinnen im Einer-Kunstradfahren. 42 von 60 Weltmeisterinnen seit 1959 kamen aus der Bundesrepublik und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass auch die Titelträgerin am Samstag in Basel einen schwarz-rot-goldenen Wettkampf-Body trägt. Viola Brand vom RSV Unterweissach hofft bei ihrer fünften WM auf ihre erste Goldmedaille, als Hauptrivalin gilt Milena Slupina aus Bernlohe.

Will in Basel die Balance halten und ihren ersten WM-Triumph feiern: Viola Brand. Foto: O. Stoll

© Oliver Stoll

Will in Basel die Balance halten und ihren ersten WM-Triumph feiern: Viola Brand. Foto: O. Stoll

Von Wilfried Schwarz

Bei der Weltmeisterschaft im Hallenradsport, die von Freitag bis Sonntag zum zweiten Mal nach 2013 in der St. Jakobshalle in Basel stattfindet, sind sechs Titel zu vergeben – fünf im Kunstradsport, einer im Radball. Es wäre keine allzu große Überraschung, wenn alle Goldmedaillen nach Deutschland gehen würden. Im Radball gelten zwar die Österreicher Patrick Schnetzer und Markus Bröll als Favoriten, doch Bernd und Gerhard Mlady vom RMC Stein hoffen trotzdem auf den zweiten Triumph nach 2017. Als Ersatzteam stehen Björn Bootsmann und Marcel Schüle vom RSV Waldrems bereit.

In den fünf Kunstraddisziplinen (Einer und Zweier der Frauen und Männer, Vierer der Frauen) kommen alle Titelverteidiger aus Deutschland. Das sorgt für ein ausgeprägtes Selbstvertrauen, das auch aus Bundestrainer Dieter Maute spricht, wenn er sagt: „Wir streben die maximale Ausbeute an, zumindest aber für jeden Starter eine Medaille.“ Also auch für Viola Brand aus Miedelsbach, die seit jeher die Farben des RSV Unterweissach vertritt. Die 25-Jährige gehört zu 27 Sportlerinnen aus 18 Nationen, die im Frauen- Einer um die WM-Krone kämpfen. Allerdings dürften die wenigsten davon etwas mit den Plätzen auf dem Treppchen zu tun haben, am wahrscheinlichsten ist ein spannendes Duell der beiden Deutschen.

Slupina bringt mit 198,90 Punkten die höchste Schwierigkeit mit, nur 0,7 Zähler weniger wirft Brand in die Waagschale. Beide lieferten sich schon in der WM-Qualifikation heiße Duelle, auch zuletzt beim Weltcup-Finale in Erlenbach machten sie den Tagessieg unter sich aus. Hier hatte Brand die Nase vorne, so soll es nach ihren Wünschen auch bei der WM in der Schweiz sein. Los geht es für sie am Samstag gegen 11 Uhr mit der Vorrunde, in der sie eins von nur vier Final-Tickets lösen will. Eigentlich eine Formsache, doch die Schwäbin ist ein gebranntes Kind: Bei ihrem WM-Debüt vor fünf Jahren ereilte sie in Brünn als Fünfte der Vorrunde das unerwartete Aus.

Etwa um 16 Uhr beginnt der Kampf um die Medaillen. „Nachdem ich 2016 und 2017 jeweils Vize-Weltmeisterin war, träumt man natürlich vom Regenbogentrikot der Weltmeisterin“, gibt Brand zu, „welcher Sportler würde das nicht“. Ihr bedeute aber schon alleine der WM-Start viel, nachdem sie 2018 bei der internen Ausscheidung das Nachsehen hatte und zugucken musste, wie Iris Schwarzhaupt vor Milena Slupina siegte. Mehr als zwei WM-Starterinnen darf auch Deutschland nicht stellen und deshalb „ist die Qualifikation viel schwieriger als bei der WM eine Medaille zu holen“, ordnet Brand die Verhältnisse ein. Im Duell mit Slupina beziffert sie die Chancen auf den WM-Titel auf „50:50, es wird auf die Tagesform ankommen“. Ihr vorrangiges Ziel lautet daher, „dass ich mein Können in Basel abrufen und zeigen kann, wofür ich trainiert habe. Welche Platzierung dann dabei herausspringt, wird man sehen“.

Ein Spruch auf dem Zahnriemen ihres Rades wird sie begleiten und motivieren: „Du musst den Kampf mehr lieben als den Sieg.“ Anders als es sonst der Fall ist, sitzt Heike Brand nicht in der Coaching Zone direkt neben der Fläche. „Das ist für mich sehr ungewohnt, weil ich Viola sonst immer überall hin begleitet habe“, sagt die Mutter und Heimtrainerin, die trotzdem optimistisch ist: „Bis kurz vorher kann ich dabei sein, dann muss ich in der zweiten Reihe Platz nehmen. Bundestrainer Dieter Maute kennt Viola aber sehr genau und hat natürlich die nötige Routine und Erfahrung. Wir sind sehr zuversichtlich, dass sie ihr Leistungsvermögen abrufen kann.“ Heute dürfen die Deutschen noch einmal den Hallenboden testen, „der ist bei der WM meist eine große Herausforderung“, so Heike Brand: „Er besteht vermutlich aus ausgelegten, zusammengefügten Platten. Dies ist mit gewöhnungsbedürftigen Unebenheiten verbunden. Da bringt jede Minute Training ein besseres Gefühl mit sich.“

Der SWR bietet von den Titelkämpfen in Basel einen Livestream. Unter www.swr.de beginnt die Übertragung am Samstag um 15.30 Uhr und am Sonntag um 13 Uhr.

Hintergrund
Bislang zweimal Silber

Für Viola Brand endeten die ersten zwei WM-Starts mit bitteren Enttäuschungen. 2014 flossen bei der damals 20-Jährigen im tschechischen Brünn die Tränen, weil sie als klare Medaillenkandidatin bereits in der Vorrunde die Segel streichen musste. 2015 zog sie in Johor Bahru (Malaysia) zwar ins Finale ein, doch mit Platz vier war sie ebenfalls überhaupt nicht glücklich. Die Titel holten Teamkollegin Corinna Biethan und Adriana Mathis (Österreich).

Der Durchbruch gelang der Unterweissacher Kunstradfahrerin bei der Heim-WM in Stuttgart 2016. Vor 6 000 Zuschauern musste sie sich nur Lisa Hattemer und damit der zweiten Deutschen beugen. Silber gab es auch 2017 im österreichischen Dornbirn, nun hinter Milena Slupina. 2018 verpasste Viola Brand die WM.

Zum Artikel

Erstellt:
5. Dezember 2019, 11:30 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!