Fußballbezirk Rems-Murr setzt auf Tauwetter

Weil wieder steigende Temperaturen vorhergesagt sind, soll am kommenden Wochenende gespielt werden, wo immer es irgendwie geht. Für den Fußball-Oberligisten TSG Backnang ist dagegen schon Pause. Hier ein Überblick über die verschiedenen Entscheidungswege auf Bezirks- und Verbandsebene.

Falls der Schnee tatsächlich taut, soll der Ball am Wochenende noch einmal rollen. Foto: Tobias Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Falls der Schnee tatsächlich taut, soll der Ball am Wochenende noch einmal rollen. Foto: Tobias Sellmaier

Von Steffen Grün

„Das ist sehr, sehr ärgerlich“, sagt José Macias vom Württembergischen Fußballverband (WFV) und meint den Trip der TSG ins südbadische Denzlingen, der am vergangenen Samstag am Ende völlig umsonst war. Zumindest in dem Sinn, dass die Oberliga- Partie vor Ort von der Unparteiischen abgesagt wurde. Eine korrekte Entscheidung angesichts der Schneefälle, die am Samstagvormittag erst eingesetzt hatten, als die Roten bereits unterwegs waren. Und trotzdem eine, die für die Backnanger einen bitteren Beigeschmack hatte. Sie fuhren unverrichteter Dinge wieder nach Hause und mussten rund 1000 Euro für die Busreise berappen, die in den gewünschten Stoßstürmer zweifellos sinnvoller investiert gewesen wären.

Die sehr späte Absage sei wohl den Umständen geschuldet gewesen, „dass der Regen in Schnee übergegangen ist“, wirbt José Macias um Verständnis. „Im Südbadischen kann man eigentlich fast immer spielen.“ Normalerweise, so der WFV-Funktionär, der als Spielleiter für die Oberliga zuständig ist, werde ein frühes Ja oder Nein zur Spielaustragung angestrebt. Ein Platzbeauftragter, der meistens aus den Reihen des jeweiligen Bezirks stammt, gibt seine Empfehlung ab, ehe der Verband das letzte Wort hat. So ist es in der Oberliga und auch in der württembergischen Verbandsliga geregelt, in der José Macias ebenfalls als Spielleiter fungiert. In den vier Landesligen kommt es vor allem auf die Staffelleiter an. Grundsätzlich gilt: „Wir wollen die Entscheidungen eigentlich nicht den Schiedsrichtern überlassen.“ Einfach deshalb, um letztlich unnötige Fahrten wie die der TSG Backnang zu vermeiden.

WFV entschied sich zuletzt gegen eine generelle Absage in der Oberliga und Verbandsliga

Von der Möglichkeit, mit einem Federstrich im WFV-Hauptquartier in Stuttgart einen kompletten Spieltag abzusagen, sah José Macias am vergangenen Wochenende in der Oberliga und in der Verbandsliga ab. „Jedes Spiel, das gespielt ist, muss nicht nachgeholt werden“, gewährt er einen Einblick in seine Überlegungen. „Wir wissen nicht, wie der Februar und der März werden. Ein erneuter Wintereinbruch ist nicht unwahrscheinlich.“ Im Gegenteil, wie die Erfahrungen in den Vorjahren zeigen, als die Probleme für die Fußballer auf der Zielgeraden des Winters oftmals erst losgingen.

Also ist der hauptamtliche Verbandsmitarbeiter froh, dass in der Oberliga immerhin vier von neun Duellen stattgefunden haben. Anders als in der Verbandsliga, in der letztlich nirgends der Anpfiff ertönte. „Im Nachhinein hätte mir eine simple Rundmail viel Arbeit erspart“, ordnet Macias seinen Entschluss ein, jede Partie einzeln und nicht en bloc abgesagt zu haben. In den vier Landesligen, zu denen die Staffel 1 mit den Klubs aus dem Remstal gehört, wählten die Verantwortlichen auf Initiative des Verbandsspielausschussvorsitzenden Harald Müller den umgekehrten Weg. Und was ist mit den Nachholterminen? In der Verbandsliga und in den Landesligen passiert vor Weihnachten nichts mehr, einige ausgefallene Partien sind bereits für das letzte Februar- oder das erste Märzwochenende angesetzt. Ein Fragezeichen steht in der Oberliga hinter dem Heimspiel des SSV Reutlingen am Samstag gegen den FSV Hollenbach, der Rest wurde auch hier schon auf 2024 vertagt – unter anderem die beiden Duelle der TSG Backnang (siehe Infobox), die damit schon Pause hat.

Anders sieht es in den Bezirken aus. „Sie haben die Hoheit über ihren Spielbetrieb“, sagt José Macias und hat aus eigener Erfahrung viel Verständnis für beide möglichen Wege, die dort gegangen werden können. Vielerorts, etwa in den Bezirken Enz-Murr, dem schneereichen Ostwürttemberg oder in Stuttgart, rangen sich die Verantwortlichen am vergangenen Wochenende zur generellen Absage durch. Nicht so an den Ufern der Rems und der Murr und in den Höhenlagen, die es im hiesigen Bezirk ebenfalls nicht zu knapp gibt. Das Problem: Auch hier rollte letzten Endes doch nirgendwo der Ball.

Der Bezirk will den letzten Vorrundenspieltag durchziehen

Das bringt die Macher um den Bezirksspielleiter nicht davon ab, es am kommenden Samstag und Sonntag noch einmal zu probieren. Es handelt sich aber keineswegs um schnell angesetzte Nachholspiele, sondern um einen Spieltag, der von vornherein eingeplant war. „Wir haben uns wieder gegen eine generelle Absage entschieden“, betont Ralph Rolli und ist guter Dinge, dass es zumindest besser läuft als vor wenigen Tagen: „Der Wetterbericht sagt, dass es wärmer wird und damit taut.“ Das könnte bedeuten, dass zumindest dort, wo ein Kunstrasenplatz existiert, gespielt werden kann. Schlechter sieht es aus, wo es nur einen Rasenplatz gibt, der dann vielleicht endgültig zum Sumpfgebiet geworden ist. Sobald sich Vereine beim Bezirk mit der Intention melden, ihre Heimspiele abzusagen, gibt’s entweder eine Platzbesichtigung oder es hängt vieles von den Staffelleitern ab. „Wir vertrauen auf deren Erfahrung, weil sie sich in ihrem Gebiet auskennen“, verrät Rolli. Anders gesagt: Ein Rasen, dessen miserabler Zustand bereits bekannt ist, muss nicht ein weiteres Mal begutachtet werden. Eine generelle Spieltagsabsage würde den Vereinen zwar mehr Planungssicherheit verschaffen, weiß der Bezirksspielleiter, weist aber auf die Kehrseite hin: Herrscht dann doch gutes Wetter, so wie es derzeit am Wochenende zu erwarten ist, tun Besserwisser die Entscheidung postwendend als überstürzt ab.

Nachholspiele der TSG Backnang

Pforzheim Die TSG-Partie in der Goldstadt, die zunächst am 18. November und dann am kommenden Samstag stattfinden sollte, steigt nun doch erst 2024. Der vereinbarte Nachholtermin: Mittwoch, 27. März (19 Uhr).

Denzlingen Am Samstag, 24. Februar, um 14 Uhr holt Backnang das Auswärtsspiel nach, das vergangenen Samstag abgesagt wurde. Also eine Woche vor dem planmäßigen Neustart zu Hause gegen Bietigheim-Bissingen.

Zum Artikel

Erstellt:
6. Dezember 2023, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Rems-Murr-Sport

Der HC Oppenweiler/Backnang setzt im Topduell ein Ausrufezeichen

Der Tabellenzweite der Dritten Liga gewinnt beim Dritten Pforzheim/Eutingen mit 36:24. Beim Comeback von Rückraumspieler Tim Dahlhaus distanzieren die Handballer aus dem Murrtal den Konkurrenten im Aufstiegskampf mithilfe von Kampfgeist und Leidenschaft.

Rems-Murr-Sport

HCOB gegen Pforzheim: Der beste Angriff trifft auf die beste Abwehr

Die HCOB-Handballer können im Verfolgerduell der Dritten Liga in Pforzheim im Kampf um die beiden Tickets wichtige Weichen stellen. Verlieren die badischen Gastgeber gegen die Schwaben, dann dürfte der Zug für den Tabellendritten wohl abgefahren sein.

Rems-Murr-Sport

TSG Backnang: Niklas Mahler will öfter zur Startelf zählen

Bis zum Sommer war die 22-jährige Abwehrkraft des Etzwiesenvereins beim Oberliga-Rivalen Bissingen am Ball. Nun kämpft er bei den Fußballern aus dem Murrtal darum, noch öfter zur Startelf zu zählen. Das gilt auch fürs morgige Heimspiel gegen den abstiegsgefährdeten Nachbarn aus dem Enztal.