Gabius hört 2021 auf und will Hausarzt werden

dpa Berlin. Marathon und Medizin - diese Mixtur bestimmt das Leben des Arne Gabius seit Jahren. Mit dem Leistungssport soll im Herbst 2021 Schluss sein, gerade hat der 39-Jährige mit einer Weiterbildung zum Allgemeinmediziner begonnen. Auch dafür braucht er einen langen Atem.

Beendet seine aktive Marathon-Laufbahn: Arne Gabius. Foto: Silas Stein/dpa

Beendet seine aktive Marathon-Laufbahn: Arne Gabius. Foto: Silas Stein/dpa

Die rund 7,5 Kilometer von Stuttgart-Stammheim bis zum Klinikum Ludwigsburg sind für den deutschen Marathon-Rekordhalter Arne Gabius eher ein lockeres Aufwärmtraining. Wenn er läuft, nimmt er deshalb meist einen Umweg. Sein berufliches Ziel steuert der 39-Jährige aber direkt an.

In ein paar Jahren will der drahtige Dauerläufer eine Hausarzt-Praxis eröffnen. Derzeit ist Gabius als Assistenzarzt in der Kardiologie tätig, an drei Tagen in der Woche, die Teamarbeit macht ihm sehr viel Spaß, die Stimmung ist gut, die Weiterbildung zum Allgemeinmediziner läuft. Selbst bei Vollzeit würde sie noch fünf Jahre dauern - sein wohl letzter Marathon.

Doch im Sommer 2021 will sich der gebürtige Hamburger noch einen Traum erfüllen - und dann im Herbst mit 40 seinen Karriere als Leistungssportler nach einem Vierteljahrhundert beenden. „Ein schönes Olympia-Jahr, den olympischen Marathon laufen, dann in Frankfurt laufen - und alles ist perfekt. Besser geht's nicht!“, sagte Gabius in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Nur: Für den Marathon in Japan muss er sich erst einmal qualifizieren.

„Auf das nächste Jahr habe ich noch große Lust, aber dann war es das auch, dann ist gut, dann ist Schluss - sonst kann ich meinen Allgemeinmediziner-Facharzt im Rentenalter machen. Das Leben wartet nicht!“, erzählte Gabius und lacht. „Denn dann habe ich auch nicht mehr den hundertprozentigen Biss und bin auch nicht mehr bereit, so viel in den Sport zu investieren. Man merkt schon, wie viel man mit der Familie verpasst.“ Seine Frau Anne ist Anwältin, sein Sohn gerade drei Jahre alt geworden.

„Beim ersten Lockdown habe ich mich halt um unseren Kleinen gekümmert, weil meine Frau den systemrelevanteren Job hatte. Die Tagesmutter durfte nicht mehr arbeiten“, schilderte er. „Frederik wird jetzt im Kindergarten eingewöhnt.“

Schon vor acht Jahren - 2012 in Helsinki - wurde der Wahl-Stuttgarter Vize-Europameister über 5000 Meter. Auf verschiedenen Langlaufstrecken feierte er zwölf deutsche Meistertitel - den ersten mit 17 Jahren. Bisher ist Gabius gut durch die Corona-Krise gekommen, als einsamer Läufer ist er ja im Training kaum Risiken ausgesetzt. Und als er mal krank war und Fieber hatte, gab's einen Corona-Schnelltest - negativ.

Seine finanziellen Verluste im verflixten Corona-Jahr 2020 halten sich in Grenzen, die Familie Gabius kann das verkraften. „Ich habe schon Einbußen, weil die Sponsorenverträge natürlich auf Leistung abzielen, dass ich mich auch zeige. Natürlich hab' ich Verluste. Aber das ist bei mir nicht existenzbedrohend“, meinte der Leichtathlet vom Verein TherapieReha Bottwartal. Und seine drei Sponsoren halten zu Gabius, der seit 2015 der schnellste deutsche Marathonläufer ist: In Frankfurt rannte er die 42,195 Kilometer in 2:08:33 Stunden.

Sein Hauptsponsor ist Nike, dazu kommt die AOK Baden-Württemberg. „Die haben gerade angekündigt, dass sie den Vertrag auch verlängern wollen“, sagte Gabius. Sein dritter Sponsor ist die Firma hep (Solarkraftanlagen), zum „hep Sports Team“ gehört auch der Triathlet Sebastian Kienle. Gabius: „Die haben sogar schon im Juni verlängert.“

Die Anfang Oktober im Londoner Dauerregen verpasste Olympia- Normzeit (2:11:30 Stunden) will er noch einmal attackieren. „Da kriege ich noch eine Möglichkeit im Frühjahr. Also erst mal muss man mal gucken, ob überhaupt was stattfindet“, meinte Gabius. „Ich muss auf jeden Fall im Winter eine sehr gute Form aufbauen und dann halten. Die Norm will auf jeden Fall noch mal angreifen - absolut.“ Der Kampfgeist passt zur Maxime auf seiner Homepage, es ist ein Zitat von Marlon Brando: „Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden.“

© dpa-infocom, dpa:201111-99-300726/4

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Erstellt:
12. November 2020, 07:16 Uhr

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