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Gegenseitiger Respekt

Pauschale Kritik wie die von VfB-Trainer Weinzierl ist falsch

Nun hat es also auch Markus Weinzierl getan. Wie vor ihm zuletzt erst Huub Stevens oder Niko Kovac oder Thomas Doll. Die Form unterscheidet sich, aber das Muster ist ähnlich. Eine wütende Rede. Kritik an den Medien. Wir Trainer sind nicht an allem schuld. Mangelnder Respekt. Es geht im Kern um den Satz, den Bruno Labbadia einst in seiner Zeit beim VfB in seiner legendären Wutrede 2012 geprägt hat: Wir Trainer sind nicht die Mülleimer für alle. Da hat er recht.

Die Protagonisten des Fußballs verdienen viel Geld, weil es ein gewaltiges Interesse an ihrer Tätigkeit gibt. Der Umgang mit der Öffentlichkeit und der Umgang mit Kritik sind entsprechend ein Teil des Geschäfts. Würde der Fußball alle kaltlassen, wären nicht nur die Gehälter, sondern auch die öffentliche Auseinandersetzung kleiner. Das bedeutet nicht, dass Spieler oder Trainer mit Verweis auf das Geld wie Freiwild behandelt werden dürfen – Fragen des Respekts und des Anstands hängen nicht von den Zahlen auf dem Gehaltszettel ab. Angesichts des großen Drucks sind auch impulsive Ausbrüche menschlich nachvollziehbar. Wer sich ungerecht behandelt fühlt, wehrt sich. Wer austeilt, muss auch einstecken können. Und andersherum. Wer Mist spielt, über den darf man das schreiben. Wer Mist schreibt, dem darf man das sagen. Punkt. Darum geht es nicht.

Aber Journalisten sind auch nicht die Mülleimer der Trainer.

Wer für sich Respekt und Anstand einfordert, der muss sich auch daran messen lassen. Das verbale Rumgeholze der vergangenen Wochen einiger Trainer mit pauschaler Medienschelte ist völlig deplatziert. Wie in der medialen Berichterstattung Differenzierung ein wichtiges Gut ist, so gilt das auch für die Kritik an Medien.

Es ist die dringlichste Aufgabe von Journalismus, Dinge kritisch zu beleuchten, weder zu hetzen noch schönzufärben, sondern Geschehnisse zu hinterfragen und im Zweifel auch Klartext zu sprechen. Im Profifußball mit seinen vielen gegenseitigen Abhängigkeiten, etwa durch Milliarden-Ausgaben für TV-Rechte, in einer Branche also, die mehr und mehr zum Entertainment-Business mit all seinen auch medialen Folgen geworden ist, hat ein seriöser, ein kritischer Journalismus nicht immer einen leichten Stand. Es gibt unter dem Deckmantel des Sportjournalismus auch fraglos ganz üble Auswüchse.

Dann sollen aber die benannt werden, statt mit undifferenzierter Medienkritik alle abzuwatschen.

tobias.schall@stzn.de

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Erstellt:
18. April 2019, 06:08 Uhr

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