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Geiger trotz Rang acht noch im Rennen: „Alles riskieren“

dpa Innsbruck. In einem turbulenten Wettkampf in Innsbruck wird Karl Geiger nur Achter. Abhaken muss er den goldenen Adler für den Gesamtsieger der Vierschanzentournee aber noch nicht. Der Überflieger des vergangenen Jahres schwächelt, ein Pole ist nun der große Favorit.

Karl Geiger enttäuschte mit Rang 24 im ersten Durchgang. Foto: Daniel Karmann/dpa

Karl Geiger enttäuschte mit Rang 24 im ersten Durchgang. Foto: Daniel Karmann/dpa

Als die erste Wut verflogen war, richtete Karl Geiger den Blick kämpferisch nach vorne. „Es ist noch nicht vorbei“, sagte der 26-Jährige nach einem denkwürdigen Skisprung-Wettkampf im Nieselregen von Innsbruck.

Weil bei verrückten und wechselnden Bedingungen auch seine Hauptkonkurrenten um den goldenen Adler für den Gesamtsieger bei der Vierschanzentournee nicht zwei absolute Top-Sprünge hinlegten, ist Geiger trotz Platz acht noch im Rennen um den ersten deutschen Gesamtsieg seit Sven Hannawald vor 18 Jahren. „Es hätte auch viel schlimmer ausgehen können heute“, sagte Bundestrainer Stefan Horngacher daher.

Geiger selbst musste das Ergebnis am Samstag nach dem Sieg des Norwegers Marius Lindvik, der vor Dawid Kubacki aus Polen und dem Norweger Daniel Andre Tande gewann, „erstmal einordnen“. Wenige Minuten zuvor hatte der Oberstdorfer noch deutlich gefrusteter geklungen. „Es ärgert mich schon extrem“, hatte Geiger kurz nach seinem zweiten Sprung auf 126 Meter gesagt - als viele Konkurrenten noch auf ihren zweiten Versuch warteten. „Es hat heute einfach nicht sollen sein.“ Geiger hatte im ersten Durchgang sehr schlechte Windbedingungen, nach der Pause traf es andere Sieganwärter dafür härter.

Dass Geiger am Bergisel nicht an seine furiosen Auftritte von Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen anknüpfen konnte, wollte er nicht nur auf die äußeren Verhältnisse schieben. „Der erste Sprung war auch nicht die feinste Klinge“, sagte er zu seinem Hüpfer auf 117,5 Meter. Auch Horngacher suchte nicht nach Ausreden: „Der Wind spielt eine große Rolle heute, das ist so bei uns im Sport“, sagte er im ZDF. „Die Bedingungen kann niemand beeinflussen. Das muss man einfach so akzeptieren, wie es ist.“

Vor 20 200 Zuschauern an der österreichischen Kult-Schanze war Stephan Leyhe auf Rang fünf der beste deutsche Springer, Dreifach-Weltmeister Markus Eisenbichler kam auf Platz 27, landete damit direkt hinter Constantin Schmid und wollte anschließend nichts schönreden. „Wenn man ganz ehrlich ist, war es beschissen“, sagte er.

In der Gesamtwertung eroberte Kubacki die Führung und ist nun der Top-Favorit. Zweiter ist Garmisch-Gewinner Lindvik, der nach seinem zweiten Tagessieg von einem „der besten Tage meines Lebens“ sprach und sich bei der Siegerehrung feiern ließ. Geiger liegt mit gut sieben Metern Rückstand auf Spitzenreiter Kubacki auf Rang drei. Den Überflieger der vergangenen Tournee, der auch diesmal nach dem Neujahrsspringen noch vorne gelegen hatte, erwischte es noch schlimmer als Geiger: Der Japaner Ryoyu Kobayashi wurde nur 14. und rutschte im Tournee-Ranking auf Platz vier.

Wie schon so häufig sorgte die windanfällige und tückische Schanze am Berghang über Innsbruck für eine unberechenbare und spektakuläre Skisprung-Show - häufig zulasten deutscher Athleten. Ob Eisenbichler im vergangenen Jahr, Richard Freitag 2018 oder Severin Freund 2016: Für alle drei waren die Tournee-Titelchancen nach dem Auftritt in Tirol praktisch dahin.

Ganz so weit ist es bei Geiger nicht: „Bischofshofen ist eine andere Schanze, und da werden wir wieder angreifen“, sagte er und kündigte an: „Ich werde alles riskieren.“ Auch Horngacher hat seinen besten Springer noch längst nicht abgeschrieben: „Er hat immer noch alle Chancen, deswegen werden wir versuchen, so weiterzugehen“, sagte er. „Wir geben noch nicht auf.“

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Erstellt:
4. Januar 2020, 15:08 Uhr

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