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Geld verhindert Tore

Der FC Liverpool spielt nicht mehr so wild wie im Vorjahr, ist aber erfolgreich – auch wegen Alisson

FC Liverpool - Jürgen Klopp hat seine Defensive für etwa 150 Millionen Euro verstärkt, das zahlt sich in der Champions League aus. Nun ist der FC Liverpool der Angstgegner aller Achtelfinalisten.

Liverpool Jürgen Klopp wirkte, als sei er gerade einer Achterbahn entstiegen. Er sei voller Adrenalin, gestand der Trainer, als er sich nach dem 1:0-Erfolg seines FC Liverpool im entscheidenden Gruppenspiel der Champions League gegen den SSC Neapel im Pressesaal der Anfield Road eingefunden hatte. Er sah sich deshalb außer Stande, über den Moment hinaus zu blicken. Weder wollte er seinen Wunschgegner für das Achtelfinale (Auslosung am nächsten Montag) preisgeben, das der Finalist der Vorsaison durch den 1:0-Sieg zu Hause erreicht hatte; noch war er an einer Diskussion darüber interessiert, wer die schärfsten Konkurrenten im Rennen um die begehrteste Trophäe im europäischen Vereinsfußball seien. „Keine Ahnung, es ist mir auch egal“, schnaufte Klopp nur.

Es war tatsächlich ein packendes Spiel ­gewesen, weil Liverpools Verbleib in der Champions League bis zur letzten Sekunde ungewiss war. Ein Unentschieden hätte das Aus bedeutet. Das wäre eine Schmach gewesen für den Verein, der sich maßgeblich über seine Erfolge im Landesmeister-Wettbewerb definiert. Deshalb war es nachvollziehbar, dass sich Klopp nach vollbrachter Mission erst mal sammeln musste.

Doch die Partie gegen Neapel war anders als die Spiele in der Champions League in der vergangenen Saison. Wo auf dem Weg ins Finale von Kiew Spektakel, Chaos und Rausch dominiert hatten, standen diesmal Kontrolle und Abgeklärtheit. Während die Ergebnisse in der vergangenen Spielzeit 3:3, 7:0 oder 4:2 gelautet hatten, leuchtete diesmal ein mageres 1:0 von der Anzeigetafel. Der Sieg gegen die Mannschaft des ehemaligen Bayern-Trainers Carlo Ancelotti durch Mohamed Salahs Treffer bereits in der ­ersten Halbzeit war sinnbildlich für die ­Entwicklung, die Klopps Team im Moment nimmt.

Der FC Liverpool der Spielzeit 2018/2019 ist nicht mehr nur das Überfallkommando, das darauf vertrauen muss, dass die furiose Offensive mehr Tore schießt, als die Defensive zulässt. Die Mannschaft ist besser ausbalanciert. Sie ist im Angriff nicht mehr ganz so wuchtig, manchmal wirkt das Spiel nach vorne sogar seltsam schwerfällig. Dafür verteidigt sie besser. In der Premier League hat Liverpool nach 16 Spieltagen erst sechs Tore kassiert, ist noch ungeschlagen und hat am vergangenen Wochenende Manchester City von der Tabellenspitze verdrängt.

Entscheidend für die neue Stabilität in der Defensive sind zwei Spieler, für die der Club angeblich mehr als 150 Millionen Euro ausgegeben hat. Da ist erstens Innenverteidiger Virgil Van Dijk. Er kam um den Jahreswechsel aus Southampton, strahlt Sicherheit aus und verfügt über ein hervorragendes Stellungsspiel. Gegen den SSC Neapel hatte er allerdings Glück, dass er nach seiner rüden Attacke gegen Dries Mertens in der Anfangsphase nur die Gelbe Karte sah. Sehr zum Missfallen von Gästetrainer Ancelotti: „Ich denke, es war Rot“, sagte er. In Unterzahl wäre es für Liverpool kompliziert ­geworden mit dem Weiterkommen.

Zweitens ist da Torhüter Alisson, der im Sommer vom AS Rom an die Anfield Road wechselte. Der Brasilianer ist in allen Wertungen eine deutliche Verbesserung gegenüber seinem Vorgänger Loris Karius, der nach seinen Patzern im Finale von Kiew gegen Real Madrid zunächst einmal an ­Besiktas Istanbul verliehen wurde. Gegen Neapel bewahrte Alisson seine Mannschaft in der Nachspielzeit mit einer spektakulären Parade gegen Arkadiusz Milik vor dem Aus. „Alisson! Alisson! Alisson!“, brüllten die Zuschauer nach Abpfiff. Sie wussten, dass seine Rettungstat genauso wichtig gewesen war wie Salahs Treffer.

Klopp schwärmte sogar, dass er noch nie zuvor eine vergleichbare Aktion gesehen habe, und behauptete, dass er „das Doppelte bezahlt“ hätte (von den 75 Millionen Euro, die einen Torhüter-Ablöserekord darstellen), wenn ihm die wahren Fähigkeiten des Keepers bewusst gewesen wären. Man kann dem Coach den Vorwurf der maßlosen Übertreibung machen. Doch es ist unbestritten, dass sich Alissons Verpflichtung gegen Neapel rentiert hat. Dank der Parade des Brasilianers darf der FC Liverpool weiter darauf hoffen, es erneut ins Finale der Champions League zu schaffen. Und der Achtelfinal-Angstgegner aller Gruppensieger ist der Club sowieso. Auch wenn die Spiele nicht mehr ganz so wild sind. Oder genau deshalb.

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Erstellt:
13. Dezember 2018, 03:14 Uhr

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