Olympia 2026
Gold für den Bobclub Stuttgart? Für Johannes Lochner zum Greifen nah
Alle hatten ein enges Rennen erwartet – doch nach zwei von vier Läufen liegt Johannes Lochner 0,80 Sekunden vor Francesco Friedrich. Was er nun macht? „Keine Experimente.“
© Robert Michael/dpa
Bobpilot Johannes Lochner (re.) liegt mit seinem Anschieber Georg Fleischhauer auf Goldkurs.
Von Dirk Preiß
Zur Halbzeit ist noch selten ein Sieger gekürt worden. Weshalb auch Johannes Lochner noch ein wenig vorsichtig ist. „Im Bobsport und gerade auf dieser Bahn“, sagte am Montag der Bayer auf die Frage, das nun ja kaum mehr was schief gehen könnte mit der ersten olympischen Goldfahrt seiner Karriere, „darfst du das niemals sagen.“ Und doch musste er quasi eingestehen: „Es sieht schon ganz schön gut aus.“ Was eher noch untertrieben ist.
Vor vier Jahren bei den Spielen von Peking trennten Lochner und den damaligen Olympiasieger Francesco Friedrich im Zweierbob 49 Hundertstelsekunden. Nun sind es schon 0,80 Sekunden nach zwei Läufen – für den olympischen Herausforderer.
„Auch ich dachte nach dem Training, dass es ein ganz enges Rennen wird“, sagte Lochner am Eiskanal von Cortina d’Ampezzo. Zwar habe er sich „von Anfang an“ auf der neu erbauten Bahn „wohlgefühlt“. Und auch auf den beiden Wettkampffahrten hatte er das Gefühl, zügig unterwegs zu sein. „Dass es so schnell ist“, sagte er nach dem zweiten Lauf im Ziel, „ist dann aber doch überraschend.“ Und hat die Konkurrenz mächtig beeindruckt.
Francesco Friedrich ist ja quasi der Titelverteidiger. Der Sachse hat 2018 beide Goldmedaillen gewonnen, 2022 wiederholte er dieses Kunststück. Und er beteuerte, in den vergangenen Wochen noch einmal jeden Stein umgedreht zu haben, um an den in diesem Winter dominierenden Lochner heranzukommen. „Wir haben an allen Stellschrauben geschraubt“, sagte Friedrich und berichtete von intensiven Tagen auf der Bahn in Altenberg. Lochner aber müsse „irgendwas gefunden haben, was wahnsinnig gut läuft“.
Der Bayer, der für den Bobclub Stuttgart Solitude startet, machte nur ein fragendes Gesicht, als er darauf angesprochen wurde. Und sein Anschieber sah keine wirkliche Überraschung im deutlichen Zwischenstand. „Das kommt ja nicht von ungefähr“, sagte Georg Fleischhauer, „Wir sind ja schon die ganze Saison so unterwegs.“ Immer wieder, berichtete Lochner, habe man „Kleinigkeiten optimiert“. Und auf der Bahn in Cortina „fahre ich ein bisschen anders als die anderen“. Vor allem eben: schneller.
Egal, wie man es nun dreht oder wendet – die erste olympische Goldmedaille ist für Johannes Lochner zum Greifen nah. Nach zweimal Silber in Peking soll es zum Abschluss seiner Bobkarriere mit dem ganz großen Triumph klappen. Freunde standen am Montag mit T-Shirts an der Strecke, auf denen stand: „One last dance for the Team.“ Es scheint, als ob der Tanz auf dem obersten Podest endet.
Francesco Friedrich erinnerte zwar auch daran, dass „ein Rennen erst nach vier Läufen zu Ende“ ist. Und: „Die Bahn hat es in sich.“ Was vor allem Adam Ammour, der dritte deutsche Pilot im zweiten Lauf zu spüren bekam. Da kosteten ihn Fehler im oberen Bereich eine halbe Sekunde auf Friedrich. Er ist aktuell Dritter und will diesen Platz vor allem erst einmal verteidigen – von hinten drängen die US-Amerikaner.
Für Friedrich wird es nach viermal Gold vermutlich Silber, denn bei allem Zweckoptimismus weiß er: „Wenn alles normal läuft, wird es schwierig. Acht Zehntel, das ist enorm.“ Und sei auch durch Korrekturen am Material über Nacht nicht aufzuholen. Wenn Johannes Lochner an diesem Dienstagabend das wiederholt, was er am Montagmorgen in den Eiskanal gezaubert hat. Genau das ist, logischerweise, der Plan.
Sein Motto für das Zweier-Finale: „Keine Experimente.“
