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Gute Verlierer

Der VfB Stuttgart sieht sich in einem Aufwärtstrend, doch die Zahlen können das nicht belegen

Verbesserte Leistung, achtbare Niederlagen, Lob vom Gegner: ein Aufwärtstrend? Der VfB steuert dennoch auf die schlechteste Punktausbeute seiner Bundesliga-Geschichte zu.

Stuttgart Die Aufarbeitung beim VfB Stuttgart begann direkt am Montagmorgen – mit schwerem Gerät. Drei Traktoren und ein Bagger waren im Einsatz, auf dem Parkplatz des Clubgeländes an der Mercedesstraße türmte sich am Tag nach der 0:3-Niederlage bei Eintracht Frankfurt ein großer Erdhaufen auf, der auf einen Lkw verladen wurde. Auf Trainingsplatz 3, auf dem die VfB-Profis im Wechsel mit Trainingsplatz 1 üben, wurde die oberste Schicht abgetragen, in den nächsten Tagen kommt ein neuer Rollrasen drauf. Eine Routinegeschichte, regelmäßig wiederkehrend.

So wie der Kampf gegen den Abstieg. Auch damit haben die Stuttgarter mittlerweile viel Erfahrung. Und die lehrt sie: Ruhe bewahren, positiv bleiben, egal, was passiert. Zu viel kann in zu kurzer Zeit geschehen. Wobei der VfB um Trainer Markus Weinzierl nun schon seit dem 16. Spieltag durchgängig den drittletzten Tabellenplatz belegt, den Relegationsrang. Der bittere Gang in die zwei Entscheidungsspiele gegen den Tabellendritten der zweiten Liga Ende Mai erscheint Stand jetzt als das wahrscheinlichste Szenario. „Bitter wäre etwas anderes, aber das Wort nehme ich nicht in den Mund“, sagt VfB-Präsident Dietrich.

Ausgeschlossen ist das, was der Clubchef nicht aussprechen möchte – der Abstieg – allerdings längst auch nicht. Der Abstand nach unten ist nach den Ergebnissen des vergangenen Wochenendes und vor dem Duell mit dem Tabellenvorletzten 1. FC Nürnberg am Samstag (15.30 Uhr) mit nur vier Punkten kleiner als nach oben. „Da muss gepunktet werden. Wir wissen alle um die Bedeutung“, sagt VfB-Torwart Ron-Robert Zieler.

Beim Tabellenvierten Eintracht Frankfurt gab es für den VfB am Sonntagabend wie schon so oft in dieser Rückrunde bei einer Spitzenmannschaft am Ende Komplimente, aber keine Punkte. Lob formulierte beispielsweise Adi Hütter. Der Frankfurter Erfolgstrainer ist überzeugt, „dass Markus Weinzierl das auf die Reihe bringt“: „Die Stuttgarter haben schon eine tolle Mannschaft, von der Qualität der Mannschaft her dürften sie normal nichts mit dem Abstieg zu tun haben.“

Doch die Fakten sprechen eben eine andere Sprache. Die Stuttgarter stecken tief drin im Schlamassel und haben in den ersten zehn Partien der Rückrunde nur einen Punkt mehr geholt als zum vergleichbaren Zeitpunkt in der Hinrunde (damals fünf, jetzt sechs). Sie haben sichtbar mehr defensive Stabilität entwickelt, aber genau gleich viele Gegentore bekommen (je 24). Einen VfB-Auftritt ohne Gegentreffer gab es in diesem Jahr noch nicht.

Zwar haben die Stuttgarter die Zahl der eigenen Tore im Vergleichszeitraum von 6 auf 14 gesteigert, aber das Offensivspiel ist weiter ein Problem. Die Suche nach einem neuen Angreifer für die Rückrunde blieb erfolglos, bis Saisonende muss der VfB mit dem Personal auskommen, das er hat. „Die Winterpause ist kein Wunschkonzert – ich wüsste keinen Transfer, der in der Bundesliga gelaufen ist, der uns weitergebracht hätte“, sagt Präsident Dietrich zur Stürmerfrage. „Mit der Mannschaft, dem Trainer und dem Umfeld, das wir haben, müssen wir die Liga halten. Es gibt keine andere Option.“

Es ist beim VfB zwar seit dem Desaster in Düsseldorf (0:3) im Februar ein Aufwärtstrend zu erkennen, doch solange das nicht mit entsprechenden Ergebnissen in Einklang gebracht wird, hilft das eben nicht viel. „Ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen. Wir haben noch vier Heimspiele, und die müssen wir alle gewinnen, fertig – so einfach ist es“, sagt Dietrich.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass der VfB am Samstag die Nürnberger und danach auch den wankelmütigen Tabellensiebten Bayer Leverkusen (13. April), den schwächelnden Tabellenfünften Borussia Mönchengladbach (27. April) und am vorletzten Spieltag den Tabellenachten VfL Wolfsburger (11. Mai) zu Hause bezwingt. Bis jetzt steht gegen die neun Mannschaften aus der vorderen Hälfte des Klassements allerdings nur ein einziger Sieg zu Buche – bei zwölf meist deutlichen Niederlagen sowie zwei Unentschieden. Und einem Torverhältnis von 7:39 Treffern. „Die Statistik ist natürlich brutal“, sagt Torwart Zieler.

Genauso brutal: Nach 27 Spielen steht der VfB bei 20 Punkten. Die schlechteste Ausbeute der Stuttgarter in der Bundesliga liegt bei acht Siegen, acht Unentschieden und 18 Niederlagen. In der Saison 1974/75 (24:44 Zähler bei Zweipunkteregel) stiegen sie damit ab, in der Saison 2013/14 (32 Zähler bei Dreipunkteregel) schafften sie damit den Klassenverbleib. Egal, wie die Saison vollends ausgeht, wird es bei der Aufarbeitung mit oberflächlichen Eingriffen wohl kaum getan sein – anders als auf Trainingsplatz 3.

Gegen die neun Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte holte der VfB bisher nur einen Sieg

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Erstellt:
3. April 2019, 14:20 Uhr

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