Handball macht es einfach statt doppelt

Die Wiederaufnahme des Spielbetriebs auf HVW- und auf Bezirksebene ist für Anfang Februar geplant. Statt einer normalen Saison soll bei den Männern und bei den Frauen nun nur noch die Hälfte der ursprünglich geplanten Runde durchgezogen werden.

Leonie Mayer muss sich wie sehr viele Männer und Frauen in Württemberg bis mindestens 6. Februar gedulden, ehe es im Handball unterhalb der Oberliga weiter geht. Für Sulzbach-Murrhardt, die SG Weissach und fast alle HCOB-Teams steht dann aber nur noch eine einfache Runde an. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Leonie Mayer muss sich wie sehr viele Männer und Frauen in Württemberg bis mindestens 6. Februar gedulden, ehe es im Handball unterhalb der Oberliga weiter geht. Für Sulzbach-Murrhardt, die SG Weissach und fast alle HCOB-Teams steht dann aber nur noch eine einfache Runde an. Foto: A. Becher

Von Alexander Hornauer

Der Handballverband Württemberg hat einen Plan aufgestellt, ab wann in den Spielklassen unterhalb der Oberliga wieder gespielt werden soll. Ab 6. Februar soll – wie immer unter der einschränkenden Bedingung, dass es die Corona-Lage zulässt – auf Verbandsebene und in den Bezirken wieder um Tore und Punkte gekämpft werden. Ein entsprechender Antrag des Verbandsausschusses für Spieltechnik wurde beim virtuellen HVW-Verbandstag mit rund 130 Delegierten angenommen. Dass nur noch eine einfache Runde vorgesehen ist, statt wie üblich mit eine Hin- und Rückrunde, findet bei den drei Handball spielenden Klubs im Murrtal eine breite Zustimmung. Nicht nur Kristian Mertlik, stellvertretender Abteilungsleiter der SG Weissach im Tal, sagt: „Das ist sinnvoll, denn alles andere halte ich für nicht mehr machbar.“

Das liegt mit daran, dass der 6. Februar für ein sogenanntes Spieljahr eine bereits sehr weit fortgeschrittene Fast-Anfangszeit darstellt. Zumal viele Partien, die vor dem zweiten Lockdown wegen Corona angesetzt waren, schon nicht mehr stattgefunden haben. Deshalb soll nun nur noch die Rückrunde gespielt werden. Wobei die Ergebnisse der im Herbst noch ausgetragenen Spiele nicht verfallen. Sie verbleiben in der Wertung und das entsprechende Rückrundenduell findet nicht mehr statt. Martina Fricker, Abteilungsleiterin der HSG Sulzbach-Murrhardt und Delegierte beim Verbandstag, begrüßt den Plan: „Er ist auf jeden Fall besser als alles andere, was diskutiert wurde. Nun haben alle Teams dieselben Voraussetzungen.“ Das auch, weil zum Beispiel bei einigen Partien das Heimrecht getauscht wird, damit alle Mannschaften (in etwa) die gleiche Zahl an Heim- und Auswärtsspielen absolvieren können. Wie dies genau aussehen wird, will der Verbandsausschuss Spieltechnik in den kommenden Tagen kommunizieren.

Für die in der Verbandsliga um Punkte kämpfenden Frauen des HC Oppenweiler/Backnang bedeutet das: Sie haben beim Wiederbeginn 4:0 Zähler auf dem Konto. Spielertrainerin Judit Lukács sagt: „Für uns ist es natürlich gut, dass die Ergebnisse beibehalten werden. Wir wünschen uns aber vor allem, dass man im neuen Jahr tatsächlich wieder Handball spielen kann. Wichtig ist auch, dass wir einige Wochen trainieren können, um Verletzungen zu vermeiden.“ Die Männer II des HCOB, die ebenfalls in der Verbandsliga am Ball sind, machen mit 2:2 Punkten weiter. Spielertrainer Sebastian Forch hofft, dass sich der HVW-Plan umsetzen lässt, „denn wir wollen alle zurück in die Halle. Das Wichtigste ist, dass die Fallzahlen sinken und es möglich ist, körperbetonten Sport zu treiben, ohne andere und die Familien zu gefährden.“

Gerade deshalb ist es sinnvoll, dass der HVW beschlossen hat, dass Spiele bis Ende Juni nachgetragen werden können. Das bietet die Möglichkeit, in bestimmten Situationen – beispielsweise bei lokal zu hohen Fallzahlen – auch Partien kurzfristig abzusetzen, ohne gleich unter Zeitdruck zu geraten. Außerdem ist gar nicht sicher, ob es am 6. Februar überhaupt weitergehen kann. Mertlik sagt: „Ein solches Zeitziel zu haben, ist sicher sehr gut, ob es dann auch machbar ist, das muss sich dann zeigen.“ Fakt ist, dass der neue Plan eine Menge Puffer bietet.

Das gilt vor allem für die Mannschaften und Vereine, die bislang noch ohne ein Spiel sind. Bei der SG Weissach im Tal zum Beispiel, war nur die zweite Männermannschaft (Kreisliga C) am Ball und hat gegen Besigheim II dabei klar gewonnen. Bei der HSG Sulzbach-Murrhardt war die erste Männermannschaft dagegen schon dreimal dran, verlor in der Bezirksliga allerdings alle drei bisherigen Vergleiche und nimmt diese Hypothek in die restliche Runde mit, während sich Nachbar HCOB III in derselben Klasse an zwei Auftaktsiegen erfreut. HSG-Vertreterin Fricker hält es trotzdem für richtig, dass die bereits ausgetragenen Begegnungen gezählt werden. Zur dadurch nun schlechteren Ausgangsposition ihrer ersten Männermannschaft sagt sie: „Wir haben ja jetzt noch die restlichen Spiele, in denen wir das aufholen können und unsere vielen Verletzten haben Zeit, um wieder fit zu werden.“ Erst recht, wenn der für den 6. Februar erhoffte Wiederbeginn doch noch einmal um drei, vier Wochen verschoben wird.

Klar ist auch, dass die getroffene Regelung nur für die Männer- und Frauenteams gilt. Für den Jugendbereich wurde eine andere Regelung getroffen. Dort sind die Ergebnisse der laufenden Spielzeit nicht relevant für den Auf- und Abstieg. Für die Zusammensetzung der Ligen der Saison 2021/2022 – von der man hofft, dass sie weitestgehend normal über die Bühne gehen kann – sollen im März die Ausscheidungsspiele beginnen. Das genießt darum beim Verband die höchste Priorität. Die ab Februar angesetzten Spiele der laufenden Runde können, so die Vereine sie absolvieren möchten, zwar weiter ausgetragen werden. Das ist aber keine Pflicht, und Meister werden auch nicht mehr ermittelt. In Summe kann man sie wohl am besten als organisierte Vorbereitungsspiele bezeichnen.

Gar nicht betroffen vom HVW-Verbandstag sind bekanntlich die Drittliga-Männer des HC Oppenweiler/Backnang. Der für diese Klasse zuständige DHB geht davon aus, dass die Saison hier ab dem 9. Januar fortgesetzt werden kann.

Frank und Pfister weiter dabei

Beim HVW-Verbandstag gab’s auch Wahlen. So geht Präsident Hans Artschwager in seine fünfte Amtszeit, hat aber angekündigt, dass es seine letzte sein wird. Martin Frank aus Oppenweiler ist weiter als Beisitzer im Verbandsgericht aktiv. Armin Pfister aus Backnang ist auch künftig einer von vier Kassenprüfern des als Verein organisierten Handballverbandes.

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Erstellt:
1. Dezember 2020, 06:00 Uhr

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