HC Oppenweiler/Backnang: Nächster Anlauf zum Sprung nach oben

Die HCOB-Handballer haben die Aufstiegsrunde zur Zweiten Bundesliga auf den letzten Drücker zum zweiten Mal in Folge erreicht, sind dann aber erneut gescheitert. Entmutigen lassen sie sich davon nicht, denn perspektivisch soll es raufgehen.

Lukas Rauh ist in den Augen von Trainer Daniel Brack der Aufsteiger der Saison im HCOB-Team. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Lukas Rauh ist in den Augen von Trainer Daniel Brack der Aufsteiger der Saison im HCOB-Team. Foto: Alexander Becher

Von Alexander Hornauer

Für den HCOB hat sich der TuS Ferndorf als Süd-West-Staffelsieger in der Aufstiegsrunde als zu stark erwiesen. Ein Trostpflaster ist das Ticket für den DHB-Pokal. Wie fällt die Saisonbilanz aus und wie steht es um die Aussichten für die kommende Runde?

Saisonverlauf In der Hinserie etablierten sich die Murrtaler an der Spitze. Siege gegen andere Topteams wie Leutershausen und in Fürstenfeldbruck sorgten für gute Laune, die Nachbarschaftsduelle in Kornwestheim und Pfullingen gingen aber verloren. Der HCOB führte die Tabelle zeitweise an, trumpfte im Spitzenspiel gegen Konstanz stark auf. Die Punkteteilung war eher für die Gäste vom Bodensee glücklich.

Zum Rückrundenstart schmerzte die Niederlage in Leutershausen nach einer klaren Pausenführung. Die gute Ausgangsposition im Rennen um die Aufstiegsrunde litt unter den drei aufeinanderfolgenden Niederlagen gegen Konstanz, Würzburg und Pfullingen. Konstanz war damit weg, um den zweiten Startplatz entwickelte sich ein Vierkampf zwischen dem HCOB, Würzburg, Pfullingen und Leutershausen. Die zwei Letztgenannten stellten keinen Zweitliga-Lizenzantrag und waren damit raus. Weil sich Würzburg und der HCOB im Endspurt kaum noch Verlustpunkte leisteten, lief es auf ein „Finale“ zwischen diesen beiden Klubs hinaus, das die Murrtaler klar für sich entschieden.

In der Aufstiegsrunde wartete mit Ferndorf der bundesweit wohl stärkste Drittligist, der sein Leistungsoptimum erreichte und sich durchsetzte. Der HCOB hatte im Rückspiel nach einem guten Start die Chance, die Wende zu schaffen, verlor aber den Faden und verkaufte sich etwas unter Wert.

Höhen und Tiefen Dass sich der HCOB im Rennen um das Ticket für die Aufstiegsrunde gegen Zweitliga-Absteiger Würzburg durchsetzte, war der emotionale Schlussakkord der Hauptrunde. Das Team hätte früher alles klarmachen können, wenn es auswärts stabiler aufgetreten wäre. Insgesamt sechsmal verlor es in fremden Hallen. Zudem tat die Serie mit drei Niederlagen im Frühjahr weh. In diesen Spielen gelang es zu wenig, die Kaderbreite ins Spiel zu bringen, Ausfälle wirkten sich zu stark aus. In der Gemeindehalle ging nur eine Partie verloren. So war es auch kein Zufall, dass die Murrtaler gegen Würzburg den Heimvorteil zu nutzen verstanden. Für Trainer Daniel Brack war dieses Duell mit den Wölfen am 30. und letzten Spieltag das Saisonhighlight. „Das war schon ein besonderes Spiel, mit ganz vielen Zuschauern – und wir haben unter diesen Druckbedingungen eine sehr gute Leistung abgerufen.“ In der Hinrunde bewertet der Coach den Sieg in Fürstenfeldbruck sowie das Heimspiel gegen Konstanz als die Höhepunkte. Der negative Ausreißer war die Pleite in Würzburg. Und dass Daniel Brack mit seinem Team zweimal gegen seinen Ex-Verein VfL Pfullingen unterlag, schmerzte alle, aber ihn ganz besonders.

Aufsteiger der Saison Für Trainer Daniel Brack ist es Lukas Rauh, der sich „in seiner Rolle als Abwehrchef mehr und mehr etabliert und eine sehr gute Entwicklung genommen hat“. Er überzeuge auch durch seine Persönlichkeit, „gibt lautstarke Anweisungen und kann die Gruppe gut organisieren“. Einen starken Eindruck hinterließ auch Elias Newel, der den letzten Schritt zum Juniorennationalspieler gemacht hat.

Fazit des Trainers Daniel Brack bewertet das Abschneiden unterm Strich positiv. Die Voraussetzungen seien nicht einfach gewesen: „Neuer Trainer, viele Zugänge, neues Spielsystem.“ Dazu eine Vorbereitung, die sich durch Verletzungen immens verkürzte. Dass beide Zweitliga-Absteiger (Konstanz und Würzburg) in die Südstaffel eingeteilt wurden, habe die Aufgabe nicht leichter gemacht. „Insofern bin ich stolz, dass wir wieder in die Aufstiegsrunde gekommen sind.“ Auch wenn Ferndorf in diesen Spielen nicht zu besiegen war, „so bin ich doch sicher, dass die Teilnahme an solchen Aufstiegsrunden enorm wichtig für den Verein ist und der HCOB enorm viel aus diesen Spielen mitgenommen hat“.

Planung für die kommende Runde Vier Spieler aus dem aktuellen Kader sind nicht mehr dabei: Lukasz Orlich, der im Rückraum nicht entscheidend zum Zug kam, wechselt zu Drittliga-Aufsteiger SV 04 Plauen-Oberlosa. Mit Torwart Jürgen Müller sowie den Außenspielern Philipp Maurer und Florian Frank geht viel Erfahrung verloren. Sie unterstrichen noch einmal, welch großen Wert sie für das Team hatten – sportlich und emotional. Hinzukommen werden Jan Forstbauer (TVB Stuttgart), Luis Foege (HSG Konstanz) und Drittliga-Torschützenkönig Nick Fröhlich (TSB Horkheim) für den Rückraum, die Außenspieler Nils Eilers (VfL Waiblingen) und Tim Goßner (Frisch Auf Göppingen, A-Jugend) sowie Torwart Janis Boieck (HSG Konstanz). In Sachen Nachfolge von Trainer Daniel Brack ist man „auf der Zielgeraden“, so HCOB-Geschäftsführer Jonas Frank, der als primäres Saisonziel das erneute Erreichen der Aufstiegsrunde ausgibt. „Und dann darf es gerne noch etwas weiter gehen.“

Zahlen, Daten und Fakten

Mannschaftsstatistik Axel Goller war mit 175 Toren der beste Schütze. Er verwandelte zudem 80 Prozent seiner Siebenmeter, eine gute Quote. Daniel Schliedermann (148), Elias Newel (114) und Timm Buck (108) knackten die 100-Tore-Marke, Niklas Diebel (98) verfehlte sie knapp. In allen 32 Spielen dabei waren Timm Buck und Lukas Rauh. Markus Dangers kassierte die meisten Zeitstrafen (34), das brachte dem zentralen Abwehrspieler auch drei Rote Karten. Im Tor hatte Jürgen Müller mit 1060 Einsatzminuten die Nase gegenüber Levin Stasch (822) vorne.

Dritte Liga 2024/25 Es wird wieder in vier Staffeln mit 64 Mannschaften gespielt. Der Aufstiegsmodus bleibt gleich: Die ersten beiden Teams jeder Staffel, die auch einen Lizenzantrag stellen, qualifizieren sich und spielen dann zwei Aufsteiger in die Zweite Bundesliga aus. Das Problem, dass der Übergang von der dritten in die zweithöchste Spielklasse für die aufstiegsambitionierten Teams damit ein echter Flaschenhals ist, bleibt bestehen. Forderungen nach einem Mehraufstieg werden bislang abgelehnt, eine Straffung der Dritten Liga, beispielsweise auf zwei Staffeln, ist derzeit eher kein Thema.

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Erstellt:
8. Juni 2024, 06:00 Uhr

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