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Helena Grau zählt zum Favoritenkreis

Deutsche Meisterschaft in Stuttgart: Leichtgewicht der TSG-Judokas kann in die Fußstapfen zweier Vereinskameradinnen treten

Michaela Baschin, Katharina Menz – und künftig Helena Grau? Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die TSG-Judokas erneut eine Kämpferin entwickelt haben, die hierzulande die Gewichtsklasse bis 48 Kilogramm dominieren kann. Weil Menz, die zuletzt sechsmal in Serie den Titel holte, dieses Wochenende bei der deutschen Meisterschaft in Stuttgart fehlt und stattdessen auf der internationalen Bühne im Einsatz ist, könnte die Stunde der 19-Jährigen sogar schon jetzt schlagen.

Bei den nationalen Titelkämpfen 2019 hatte Helena Grau (blauer Anzug) nur gegen Mira Ulrich das Nachsehen und wurde Dritte, am Samstag könnte es erneut zu einem Duell kommen. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Bei den nationalen Titelkämpfen 2019 hatte Helena Grau (blauer Anzug) nur gegen Mira Ulrich das Nachsehen und wurde Dritte, am Samstag könnte es erneut zu einem Duell kommen. Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Michaela Baschin, die seit ihrer Hochzeit vor einigen Jahren auf den Nachnamen Semsch hört, hatte von 2004 bis 2006 sowie 2009 bei den nationalen Titelkämpfen im Leichtgewicht die Nase vorne. Beerbt wurde die inzwischen 35-Jährige, die aus Kleinaspach stammt und 2008 auch bei den Olympischen Spielen in Peking startete und Neunte wurde, mit ein bisschen Abstand von Katharina Menz. Die Backnangerin war seit 2014 von keiner deutschen Kontrahentin zu stoppen und hätte auch am Samstag beste Karten auf ihren siebten DM-Titel gehabt, wenn für sie in diesem Jahr nicht ein noch höheres Ziel im Mittelpunkt stehen würde. Die 29-Jährige will die zweite TSG-Judoka sein, die im Zeichen der fünf Ringe auf Medaillenjagd geht. Ihr Ticket für Tokio hat sie so gut wie in der Tasche, um allerdings auch die letzten Zweifel zu beseitigen, zieht sie den Start beim Grand Prix in Tel Aviv dem Wettbewerb in Baden-Württembergs Hauptstadt vor. In Israel kann Katharina Menz schon am heutigen Donnerstag weitere Qualifikationspunkte für die Olympischen Spiele einsammeln.

Für Helena Grau bietet das die unverhoffte Möglichkeit, vielleicht schon 2020 in die Fußstapfen von Semsch und Menz zu treten und deutsche Meisterin in der Klasse bis 48 Kilogramm zu werden. Zuzutrauen ist es ihr allemal, auch wenn die in Auenwald wohnende Judoka trotz des siebten und zuletzt des dritten Platzes bei ihren zwei bisherigen Teilnahmen die leisen Töne bevorzugt: „Ich will wieder gut kämpfen, gut abschneiden und vielleicht im Finalblock dabei sein.“ Letzteres würde immerhin schon einmal bedeuten, dass sie um die zweimal im Angebot befindliche Bronzemedaille kämpft. Die ergatterte sie bereits im vergangenen Jahr, als sie lediglich gegen die spätere Zweite Mira Ulrich den Kürzeren zog, die auch dieses Mal eine heiße Sieganwärterin ist.

Weil sie dieses Jahr letztmals auch noch bei den Juniorinnen kämpfen darf, mache sie sich im Wettstreit mit den meist älteren Rivalinnen „noch nicht den ganz großen Druck“, sagt Helena Grau einerseits. Andererseits will sie sich dem Bundestrainer von ihrer Schokoladenseite präsentieren, denn „ich hoffe auf ein Ticket für den Grand Slam in Düsseldorf“. Von 21. bis 23. Februar steigt das Turnier der höchsten Kategorie, in der Metropole am Rhein will das Talent von der Murr wie schon 2019 weitere wertvolle Erfahrungen auf absolutem Weltklasse-Niveau mitnehmen.

Enger Kontakt: Helena Grau trainiert regelmäßig mit Katharina Menz

Schon alleine dieser Anspruch beweist, dass die Backnanger Nachwuchsathletin so ehrgeizig wie einst Semsch und derzeit Menz ist. Und so gibt sie auch zu, dass es „natürlich schön wäre, dasselbe zu erreichen, aber man sollte seinen eigenen Weg gehen. Ich will niemandem nacheifern“. Semsch kenne sie ohnehin nur vom Sehen, als diese bei den Spielen in Peking auf die Matte ging, habe sie gerade erst mit dem Judo begonnen. Viel enger ist der Kontakt zu Menz: „Unser Verhältnis ist sehr gut, wir trainieren am Bundesstützpunkt in Sindelfingen auch oft zusammen.“ Ohnehin, sagt Grau in ehrlich und keineswegs gekünstelt wirkender Bescheidenheit, „bin ich noch recht weit von ihr entfernt und stelle noch keine echte Konkurrenz dar“. Sie sei für die deutsche Serienmeisterin eine gute Trainingspartnerin, „weil es eben wenige Leichtgewichte gibt“. Trainer Jens Holderle hält auf alle Fälle große Stücke auf Grau: „Wenn sie fleißig trainiert und sich mit ihrem Willen technisch noch etwas weiterentwickelt, in den richtigen Momenten cool bleibt und ihre Fokussierung ausspielt, traue ich ihr sehr viel zu.“

Warum es immer wieder die Kategorie bis 48 Kilogramm ist, in der die TSG Backnang starke Frauen entwickelt, „kann ich auch nicht erklären, es könnten genauso gut andere Gewichtsklassen sein“, denn alle Mädchen und Jungen im Verein profitierten von den Topbedingungen rund ums Dojo. „Das ist Zufall“, pflichtet Grau bei, „weil wir eigentlich ganz andere Typen sind. Katharina ist klein und explosiv, ich bin relativ groß und ausdauernd.“ Obwohl sie dieses Jahr die Fachhochschulreife anstrebt, absolviert sie pro Woche bis zu acht Trainingseinheiten. Wie es danach weitergeht, ist offen. „Wenn ich Judo als Leistungssport weitermache, dann richtig“, betont die 19-Jährige, sieht das Stirnrunzeln beim Trainer und beeilt sich hinzuzufügen: „Ich kann mir im Moment nicht vorstellen, aufzuhören.“ Dass es aber auf Dauer das Leichtgewicht bleibt, „ist nicht in Stein gemeißelt, man muss ihre weitere Entwicklung abwarten“, erklärt Holderle. Wechselt sie zu den 52ern, „hätten wir mal eine andere Gewichtsklasse“, sagt Grau mit einem verschmitzten Lächeln zu dem andauernden Vergleich mit ihren Vereinskameradinnen Semsch und Menz.

Will schon am heutigen Donnerstag beim Grand Prix in Tel Aviv kräftig zupacken und kann deshalb kein siebtes Mal in Serie den nationalen Titel holen: Katharina Menz. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Will schon am heutigen Donnerstag beim Grand Prix in Tel Aviv kräftig zupacken und kann deshalb kein siebtes Mal in Serie den nationalen Titel holen: Katharina Menz. Foto: A. Becher

Dominierte einst ebenfalls das Leichtgewicht: Michaela Semsch. Foto: B. Strohmaier

Dominierte einst ebenfalls das Leichtgewicht: Michaela Semsch. Foto: B. Strohmaier

Info
Zeitplan und TSG-Starter

Zum dritten Mal nach 2018 und 2019 ist die Scharrena in Stuttgart am Samstag und Sonntag jeweils ab 9 Uhr (Vorkämpfe und Trostrunde ab 9.30 Uhr, Medaillenkämpfe ab 16 Uhr) der Schauplatz der deutschen Judo-Einzelmeisterschaften. Erwartet werden rund 400 Teilnehmer sowie etwa 1500 Zuschauer pro Tag. Tagestickets kosten 14 Euro (Erwachsene ab 18 Jahren) und 7 Euro (Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren). Auf Dauerkarten für beide Tage gibt’s 10 Prozent Rabatt.

Für die TSG Backnang starten drei Vertreter am Samstag. Neben Helena Grau (Gewichtsklasse bis 48 Kilogramm) sind das die vom KSV Esslingen ins Murrtal gewechselte Chiara Serra (18 Jahre, bis 52 Kilogramm), der Trainer Jens Holderle einiges zutraut, sowie Nachwuchshoffnung Robin Angerer (17 Jahre, bis 66 Kilogramm), der vor allem Erfahrung sammeln will. Am Sonntag ist Leon Maier (24, bis 81 Kilogramm) dran. „Er ist immer für eine Überraschung gut“, sagt Holderle.

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Erstellt:
23. Januar 2020, 06:00 Uhr

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