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„Ich will sehr variabel sein, das ist wichtig“

Das Interview: Aspachs Trainer Florian Schnorrenberg über seine Vorstellungen und den Plan fürs morgige Spiel in München

Hinter ihm liegt ein emotionales Debüt mit dem Last-minute-Sieg gegen Meppen, vor ihm das morgige Spiel bei 1860 München vor 15000 Fans (13 Uhr, Grünwalder Stadion). Florian Schnorrenberg startet beim Fußball-Drittligisten Großaspach von null auf hundert durch, für ein Interview blieb aber auch noch Zeit. Der neue Trainer skizziert seine Pläne.

Hat klare Vorstellungen davon, wie er Großaspach zum Klassenverbleib führen will: Der 41-jährige Trainer Florian Schnorrenberg. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Hat klare Vorstellungen davon, wie er Großaspach zum Klassenverbleib führen will: Der 41-jährige Trainer Florian Schnorrenberg. Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Sie haben Ihr erstes Spiel als Trainer im Profibereich hinter sich. Können Sie Ihre Gefühlswelt am vergangenen Samstag beschreiben?

Wie immer waren Anspannung und Vorfreude da. Völlig neu war nur, nach drei Tagen ein Team in einem Spiel zu coachen. Nicht nur das hat es doch zu einem besonderen Spiel für mich gemacht.

93 Minuten sah es nach dem neunten Remis im zwölften Spiel und dem sechsten 0:0 aus, dann schoss Philipp Hercher das 1:0. Ist mit Ihnen das Glück nach Aspach zurückgekehrt?

Da ist meine Rolle nicht so entscheidend, für die Jungs war es einfach unglaublich wichtig. Ich konnte nach drei Tagen bereits einen Eindruck gewinnen, wie die Mannschaft fühlt, welchen Druck sie sich selbst macht. Die Befreiung war riesig, deshalb war dieser Sieg total schön.

Für die SG Sonnenhof war es der erste Heimsieg nach elf Monaten. Wie erleichtert sind Sie darüber, dass dieses leidige Thema gleich bei Ihrem Einstand abgeräumt wurde?

So ein Erfolg kann schnell helfen. Ich habe vorher nicht nur diesen Termin gehört – 18. November 2017, 1:0 gegen Erfurt –, sondern ich bin auch oft drauf angesprochen worden, dass wir der einzige Drittligist sind, der in dieser Saison zu Hause noch nicht gewonnen hat. Nun wurde mir seit Samstag schon sehr oft gesagt, dass wir der einzige Drittligist sind, der noch kein Heimspiel verloren hat. So schnell geht es. Wir freuen uns riesig, bis Weihnachten noch fünf Heimspiele zu haben.

Was hat Ihnen beim 1:0 gegen Meppen am Spiel Ihres Teams schon ganz gut gefallen?

Was mir gefallen hat, war, dass wir einige Pressingsituationen mit Balleroberung hatten. In der Endphase, als man fast den Eindruck hatte, wir hätten nicht die Ruhe im Ballbesitz, machen wir das Tor, weil wir ein paar Stationen in unser Spiel bekommen haben, zweimal direkt spielen und einen tiefen Laufweg suchen.

Was hat Ihnen noch gar nicht gefallen?

Wir haben in der ersten Hälfte einige Situationen nicht zum Abschluss gebracht, was zu vielen Umschaltmomenten in beide Richtungen führte. Ballgewinn, Konter, Ballverlust, Konter Meppen – dafür brauchen wir viel zu viel Kraft. Es wäre wichtig, zu erkennen, wann wir zum Abschluss kommen können, wann wir ihn suchen und uns zutrauen. Umgekehrt ist es wichtig, auch einmal Ballbesitzphasen zu haben, in denen der Gegner läuft.

Sie begannen gegen Meppen im 4-2-3-1. Ist das Ihre favorisierte Grundordnung oder haben Sie andere Varianten im Hinterkopf?

Ich will sehr variabel sein und hoffe, dass wir in ein paar Wochen unterschiedliche Grundordnungen im Spiel mit und gegen den Ball sehen. Das ist wichtig, weil uns auch unsere Gegner analysieren. Ich habe allerdings den Eindruck, dass wir schon erste Schritte in diese Richtung machen.

Bei Ihrer Vorstellung erzählten Sie, die SG in dieser Saison zweimal im Stadion und einmal am Fernseher gesehen zu haben. Haben Sie schon etwas länger auf diesen Job spekuliert?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe bereits zum Ende der Vorsaison einige Drittliga-Spiele gesehen, weil ich Erndtebrück auf Pokalspiele gegen Lotte sowie Paderborn vorbereitet habe. Persönlich wollte ich den nächsten Schritt und damit den zu den Profis machen, aber man weiß nie, wo irgendwann ein Trainer gesucht wird. Als ich Aspach gegen Uerdingen und Aalen gesehen habe, gab es hier – glaube ich – keine Trainerdiskussion. Bei den Vereinen, bei denen es eine gab, war ich bewusst nicht im Stadion, das mache ich nicht. Dass ich mir das Spiel in Würzburg nach der Freistellung des Kollegen anschaue, war klar, aber ich habe zu Hause geguckt. Da wusste ich auch noch nicht, ob ich den Job überhaupt bekomme.

Aspach hat bisher nur acht Tore kassiert, aber auch nur acht Treffer erzielt. Sehen Sie Bedarf, in der Offensive personell nachzujustieren?

Ich habe bei meinem Antritt gesagt, dass ich vom Kader überzeugt bin und würde mich deshalb zunächst einmal freuen, wenn die Verletzten zurückkommen. Wir arbeiten mit den Jungs, die hier sind, und es geht darum, Wahrscheinlichkeiten zu erhöhen. Wir wollen mehr Spieler in den Abschlussbereichen haben, mehr Torchancen erspielen. Darum geht es aktuell, dann schauen wir im Winter mal, wie es mit den Langzeitverletzten aussieht, das bespreche ich aber mit den Verantwortlichen hier in aller Ruhe. Jetzt, wo ich noch nicht einmal alle Spieler beim Training kennengelernt habe, werde ich sicherlich nicht sagen, wir brauchen einen neuen Spieler.

Morgen geht es im Grünwalder Stadion gegen 1860 München. Es gibt schlechtere Ziele fürs erste Auswärtsspiel als Drittliga-Coach.

Für mich sind alle Spiele etwas Besonderes, weil so viele attraktive Gegner in der Liga sind. 1860 ist aber ein enormer Traditionsverein und 15000 Zuschauer sind eine tolle Kulisse, die uns beflügeln muss und nicht hemmen darf. Das ist wichtig. Außerdem reisen viele SG-Fans an, auch das soll uns Mut machen.

Wie wollen Sie das Duell mit den Löwen angehen, die in der Tabelle direkt vor Aspach liegen und zuletzt gegen Braunschweig den ersten Dreier nach fünf sieglosen Spielen holten?

1860 ist sehr variabel. Anfang der Saison war es ein 3-5-2, dann mal ein 4-4-2, zuletzt ein erfolgreiches 4-1-4-1. Vorne fehlt Grimaldi, dort gehen wir von Mölders aus. Die Löwen haben viel Qualität bei eigenen Standards. Wir wissen um ihre Stärke, werden aber nicht verraten, was wir machen wollen. Es kann durchaus sein, dass auch unser Gegner liest.

Sie wurden vom Kicker-Experten für die Regionalliga-West als ein Trainer beschrieben, der aus geringen Mitteln sehr viel machen kann, ein gutes Netzwerk hat und als Typ ganz geradeaus ist. Sehen Sie sich gut getroffen?

Erndtebrück hatte auch nicht den höchsten Etat: Wenn das mit dem ersten Punkt gemeint ist, wird es wohl richtig sein. Ich bin sehr ehrlich, das ist auch im Umgang mit den Jungs wichtig – wollen wir uns weiterentwickeln, kann ich ihnen nichts erzählen, was nicht so ist. Was war noch?

Das gute Netzwerk.

Da müssen Janni (SG-Sportchef Koukoutrigas, d. Red.) und ich die Netzwerke mal abgleichen (lacht). Weil ich auch sportlicher Leiter war und die Kader zusammengestellt habe, hatte ich natürlich einige Kontakte in den letzten Jahren.

Aspach gilt als Sprungbrett für Spieler, aber auch für Trainer wie Markus Gisdol, Thomas Letsch, Alexander Zorniger, Rüdiger Rehm. Spielte das bei Ihrer Zusage auch eine Rolle?

Überhaupt nicht. Ich habe noch nie einen Karriereplan verfolgt. Der Wunsch, selbst professionell arbeiten zu können, entwickelte sich eher durch den Fußballlehrer- Lehrgang oder Hospitationen in Enschede und Gladbach. Ich habe nicht im Kopf, was der nächste Schritt sein könnte. Das passt nicht zu mir und es wäre auch ein Riesenfehler, so zu denken, weil ich dann nicht fokussiert auf die Aufgabe hier wäre. Ich bin sehr stolz und froh, hier beim Dorfklub in Großaspach zu sein. Es gilt, hart zu arbeiten, um den Ligaverbleib zu schaffen und Spieler weiterzuentwickeln. Das ist das Allerwichtigste. Über mich kann man sprechen, wenn wir diese Ziele gemeinsam erreicht haben. Ich bin wie gesagt einfach nur froh, hier zu sein.

Blieb beim Stress der letzten Tage schon Zeit, die Gegend zu erkunden und sich im Crashkurs dem schwäbischen Dialekt zu nähern?

Den Dialekt kann ich wohl nicht so bald sprechen, aber ich verstehe ihn gut, weil Michael Schiele beim Fußballlehrer und Frank Kaspari bei der A-Lizenz neben mir saßen. Das war damals in den ersten Tagen auch nicht ganz so leicht, die zwei zu verstehen, gerade bei Michael (lacht). Ich bin schon in Backnang gewesen, um einzukaufen, aber sagen, wo was ist, kann ich noch nicht. Ich habe mich vor allem zwischen Hotel und Trainingsplatz bewegt, das war aktuell viel wichtiger. Wenn es mit der Wohnung klappt und die Normalität einkehrt, werde ich mir aber auch viel angucken. Es ist auf jeden Fall eine super schöne Region hier.

„Ich will sehr variabel sein, das ist wichtig“

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Erstellt:
27. Oktober 2018, 06:00 Uhr

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