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In Backnang viel Selbstvertrauen getankt

Deutsche Turner gewinnen den hochklassigen Länderkampf in der Karl-Euerle-Halle und sind für die WM in Stuttgart gut gerüstet

Es war das erwartete Spektakel und mit Sicherheit ein Höhepunkt des Sportjahres in Backnang. Der Länderkampf in der Karl-Euerle-Halle, den die Turnabteilung der TSG Backnang ausrichtete, begeisterte die rund 500 Zuschauer, die den deutschen Sieg vor Großbritannien sowie Rumänien und damit eine gute WM-Generalprobe feierten. Zudem setzte sich Andreas Toba in der Einzelwertung durch. Für eine Schrecksekunde sorgte dagegen Lukas Dauser beim allerletzten Sprung.

Andreas Toba schwang sich zum Dominator beim Länderkampf in Backnang auf und hatte sowohl mit dem deutschen Team als auch in der Einzelwertung die Nase vorne. Fotos: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Andreas Toba schwang sich zum Dominator beim Länderkampf in Backnang auf und hatte sowohl mit dem deutschen Team als auch in der Einzelwertung die Nase vorne. Fotos: A. Becher

Von Andreas Ziegele

Weniger als drei Wochen bleiben, bis die Weltmeisterschaft in Stuttgart am 4. Oktober eröffnet wird. Für die Truppe von Bundestrainer Andreas Hirsch war es in der Murr-Metropole schon der letzte Härtetest – und sie hat ihn bestanden. Auch Marcel Nguyen, der wegen seiner lädierten linken Schulter geschont wurde, war in Backnang vor Ort: Der Olympiazweite im Mehrkampf und am Barren in London 2012 unterstützte seine Kollegen mit aufmunternden Rufen und Abklatschen. Am Mattenrand auf der Maubacher Höhe saß zudem Turnlegende Eberhard Gienger und zeigte mit seinen Kommentaren, dass er nichts vom Sachverstand verloren hat. Den Sprung von Felix Remuta, zweifacher deutscher Meister in dieser Disziplin, bewertete er mit den Worten: „Der hätte ja noch einen Salto mehr machen können, so hoch wie er war.“ Eine Sache schätzte der 68-Jährige aber doch falsch ein. Zur Mitte des Wettkampfs prophezeite der ehemalige Weltklasseathlet und Reckspezialist: „Die Rumänen müssten zu packen sein, bei den Briten bin ich mir nicht so sicher.“

Nur anfangs am Barren hatte Deutschland Probleme. Karim Rida konnte seinen Abgang nicht stehen, Lukas Dauser hatte Schwierigkeiten bei den Handständen. Für den Briten Joe Fraser wird der Abend von Backnang wohl auch in guter Erinnerung bleiben. Er ließ sich am Barren einen eigenen Sprungteil zertifizieren und zeigte den „Fraser“ auch in seiner Kür. Weil er seinen Abgang aber nicht stehen konnte, reichte es am Ende nur zu einer Note von 11,50.

Viel besser lief es für die DTB-Männer dann am Reck, dem Königsgerät. Remuta, Rida, Dauser und Toba sowie Philipp Herder und Nick Klessing blieben nahezu fehlerfrei. Toba, deutscher Meister an diesem Gerät, markierte mit 14,25 Punkten auch den Bestwert aller Turner an der Stange.

Am Boden lieferte vor allem Youngster Rida eine saubere Übung ab. Der 20-jährige Berliner holte 14,10 Punkte fürs Teamkonto. Zusammen mit dem Briten Giarnni Regini-Moran war er damit bester Turner in dieser Disziplin. Max Whitlock, Olympiasieger 2016 am Boden, blieb mit 12,65 Punkten unter den eigenen Erwartungen.

Einen guten Durchgang ohne Absteiger boten die Deutschen am Pauschenpferd, erwartungsgemäß steuerte Toba mit 13,95 Zählern den besten Wert bei. Wenn es so etwas wie einen einzelnen Höhepunkt des Abend gab, dann war es Whitlocks Übung an diesem Gerät. Mit einer atemberaubenden Vorstellung holte er mit 15,30 Punkten nicht nur die höchste Note des gesamten Wettkampfs in Backnang, sondern riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.

Die Stunde von Klessing schlägt in der Regel an den Ringen. Der 20-jährige Polizist aus Halle zeigte mit 6,0 einen beachtlichen Schwierigkeitsgrad und stand auch den spektakulären Dreifachsalto-Abgang optimal. 14,40 Punkte waren der verdiente Lohn. Vor dem letzten Gerät, dem Sprung, lag das deutsche Team noch knapp hinter den Briten. Sechs starke Sätze sorgten jedoch noch für den Gesamtsieg gegen die hochkarätigen Rivalen. Kurzzeitig getrübt war die Stimmung, weil der eben erst von seinem Mittelhandbruch genesene Dauser bei der Landung umknickte und sich dabei verletzte. Der 26-Jährige wurde sofort zur Kernspintomografie nach Stuttgart gefahren, doch am gestrigen Sonntag gab’s die vorsichtige Entwarnung. Er kam mit einem Anriss des hinteren Innenbands im linken Sprunggelenk davon und darf hoffen, nach zwei Tagen Pause wieder in das Training einsteigen zu können. Dann wird man sehen, wie belastbar Dauser ist.

Mit 249,95 Punkten siegte Deutschland vor Großbritannien (248,05) und Rumänien (240,20). In der Mehrkampf-Einzelwertung verwies Toba (83,55) den Teamkollegen Herder (82,50) auf den zweiten Platz.

Nick Klessing und seine Mitstreiter lieferten vor einer stattlichen Kulisse viele starke Übungen ab.

© Sportfotografie Alexander Becher

Nick Klessing und seine Mitstreiter lieferten vor einer stattlichen Kulisse viele starke Übungen ab.

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Erstellt:
16. September 2019, 06:00 Uhr

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