Intermezzo soll länger als eine Saison sein

Fast genau zwei Jahre nach ihrem Aufstieg in die Erste Bundesliga geht es für die Männermannschaft der TSG Backnang am kommenden Samstag endlich los. Die Judokas wollen nicht gleich wieder absteigen und haben sich den Ligaverbleib als Ziel gesetzt.

Philipp Holzmann (schwarzer Judoanzug) will mit der TSG Backnang alles geben, um den Klassenverbleib zu schaffen. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Philipp Holzmann (schwarzer Judoanzug) will mit der TSG Backnang alles geben, um den Klassenverbleib zu schaffen. Foto: A. Becher

Von Katharina Klein

Zum zweiten Mal in der Geschichte gelang der Aufstieg. Beim Debüt ging es nach einer Saison direkt wieder zurück in Liga zwei. Dieses Mal sind die Ambitionen höher: „Unser Ziel ist es, die Klasse zu halten“, erklärt Trainer Jens Holderle. Am 21. September 2019 machte das Backnanger Männerteam mit einem 8:6-Sieg gegen das 1. JT Heidelberg/Mannheim den Aufstieg in Liga eins dingfest. Trotz des großen Jubels war es für die Entscheidungsträger hinter der Mannschaft nicht direkt klar, ob man das Startrecht auch wahrnehmen würde. Zu schwer wiegte noch die Erinnerung an den ersten Aufstieg 2003, als der jetzige Trainer Jens Holderle noch selbst Kämpfer war. „Wir haben damals in der gesamten Saison einen einzigen Punkt in allen Begegnungen geholt und diesen gefeiert, als gäbe es kein Morgen mehr“, erinnert sich Holderle belustigt zurück. Dementsprechend wäre es für die Männer nun gar nicht so schwer, ihr damaliges Ergebnis zu übertreffen. „Wenn wir einen Mannschaftskampf in der ersten Liga gewinnen, haben wir schon Geschichte geschrieben“, lacht Holderle.

Das TSG-Team will dieses Mal aber mehr. Nach der langen Coronapause soll nicht nur ein Sieg her, sondern möglichst auch die Klasse gehalten werden. Theoretisch müssten die Männer dazu drei bis vier ihrer Mannschaftskämpfe gewinnen. Die Ergebnisse der anderen Begegnungen spielen gleichzeitig aber auch eine Rolle. Insgesamt wird es vier Kampftage zwischen dem 11. September und dem 2. Oktober geben. Pro Kampftag stehen somit zwei Begegnungen für die Backnanger auf dem Programm. Das sind insgesamt vier Durchgänge mit jeweils sieben Kämpfen. Das bedeutet die doppelte Belastung im Vergleich zu einer normalen Saison. Zusätzlich ist der Fitnessstand vieler Kämpfer nach der langen Pause nicht einschätzbar. Vor dem ersten Kampftag schwirren Trainer Holderle dementsprechend viele Fragezeichen und Sorgen im Kopf herum. „Wir werden unter Umständen sechs Kämpfe pro Person haben. Das ist im Prinzip ein komplettes Turnier innerhalb von vier Stunden. Das ist eine ganz andere Hausnummer als früher. Es wird mehr denn je das Los entscheiden, ob man punkten kann“, so Holderle.

Intermezzo soll länger als eine Saison sein

Chancen rechnet er sich vor allem gegen den TV 1848 Erlangen, den VfL Sindelfingen, das 1. JT Heidelberg/Mannheim und den JC Samurai Offenbach aus. Schwieriger wird es hingegen gegen den KSV Esslingen, den TSV Abensberg und den JSV Speyer. „Dies drei Mannschaften werden die Spitze unter sich ausmachen“, tippt der Coach. Los geht es am kommenden Samstag gegen den JC Rüsselsheim und das 1. JT Heidelberg/Mannheim. Mit Letzterem kommt es also direkt zur Wiederauflage des Aufstiegskampfs von 2019. „Das wird eine Begegnung, in der wir einen Punkt machen können. 2019 ging es eng zu, das könnte dieses Mal auch wieder so sein. Auch Rüsselsheim ist keine unbekannte Mannschaft. Sie sind immer vorne mit dabei und haben ein ordentliches Team“, analysiert Holderle. Am 18. September geht es weiter gegen Rekordmeister TSV Abensberg und den JC Leipzig. Hier sieht Holderle Abensberg als Titelkandidaten vorn und rechnet seiner Truppe deshalb eher weniger Chancen auf einen Sieg aus. Eine Woche später folgen die machbaren Aufgaben JC Samurai Offenbach und KSV Esslingen. Die Saison endet dann am 2. Oktober mit den Kämpfen gegen den TV 1848 Erlangen und den JSV Speyer.

Während vor allem Sindelfingen, Heidelberg/Mannheim und Rüsselsheim mit vielen internationalen Topleuten auffahren können, haben sich die Backnanger bewusst gegen zahlreiche hochkarätige Zugänge entschieden. „Der Stamm der Mannschaft ist derselbe. Wir sind mit der Truppe aufgestiegen und die hat es auch verdient zu kämpfen“, erklärt Holderle. Einige Neuzugänge gab es dennoch. Bisher war die Gewichtsklasse über 100 Kilogramm immer sehr dünn besetzt. Nun kann Holderle mit den international erfolgreichen Kämpfern Daniel Udsilauri, Michal Horák und Stephan Hegyi, der zuletzt bei den Olympischen Spielen antrat, aus dem Vollen schöpfen. George Udsilauri, Bruder des eben genannten Daniel, wird zudem die Gewichtsklasse bis 100 Kilogramm verstärken.

Außerdem konnte Holderle mit Valentin Hofgärtner (bis 60 Kilogramm) den deutschen Meister der Altersklasse U 21 als vielversprechenden Nachwuchskämpfer gewinnen. In diese Kategorie fällt auch der 17-jährige Dimitrij Popp, der Vizemeister der Altersklasse U 18 ist und in der Klasse bis 66 Kilogramm auf der Backnanger Liste steht. Ob der Klassenerhalt so am Ende gelingt, wird auch davon abhängen, wer an den Kampftagen verfügbar sein wird. Und auch mit Topbesetzung wird es für Backnang schwer. „Vom Niveau her fühlen wir uns eher in der zweiten Liga wohl. Es wird eine anstrengende Saison, aber wir werden versuchen, den ein oder anderen Kampf zu gewinnen“, fasst Holderle zusammen.

Der TSG-Kader

Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm

Gert Maes, Valentin Hofgärtner, Valentin Molinari, Csanad Feczko, Philipp Holzmann

Gewichtsklasse bis 66 Kilogramm

Matjaz Trbovc, Dimitrij Popp, Robin Angerer, Elias Reisch, Kevin Gajit, Janno Brodnig, Raphael Plato, Stefan Herz

Gewichtsklasse bis 73 Kilogramm

David Zöller, Jonas Riener, Kai Klein, Etienne Zeiger, Ingo Herrmann, Yannick van der Kolk, Noel Pollak, Paul Bobert

Gewichtsklasse bis 81 Kilogramm

Leon Maier, Marvin Kurz, Tobias Wirth, Jannis Pollak

Gewichtsklasse bis 90 Kilogramm

Niklas Kern, Guido Kramer, Patrick Rauh, Andre Strässer, Thomas Beck

Gewichtsklasse bis 100 Kilogramm

George Udsilauri, Benjamin Lütjens, Roland Goz, Vitalij Fuhrmann, Riadh Ben Sassi, Dylan van Nuffel, Zlatko Kumric

Gewichtsklasse über 100 Kilogramm

Daniel Udsilauri, Michal Horak, Stephan Hegyi

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Erstellt:
9. September 2021, 06:00 Uhr

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