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Kampf um die Rückkehr auf die Matte

Gähnende Leere, wo sonst kleine und große Judokas wuseln – Saisonstart der Bundesliga-Teams auf unbestimmte Zeit verschoben

Jens Holderle bleibt mit den Judokas der TSG Backnang erst einmal nichts anderes übrig, als zu warten. Darauf, dass bei den Frauen und Männern irgendwann einmal die Bundesliga-Saison losgeht. Darauf, dass er und seine Trainerkollegen bei der TSG möglichst rasch mit Kindern, Jugendlichen und allen anderen Kämpfern auf die Matte gehen können.

Weiß nicht, wann und wie es mit dem Kampfsport weitergeht: Jens Holderle. Bei den TSG-Judokas steht das Rad derzeit still. Foto: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Weiß nicht, wann und wie es mit dem Kampfsport weitergeht: Jens Holderle. Bei den TSG-Judokas steht das Rad derzeit still. Foto: T. Sellmaier

Von Uwe Flegel

Katharina Menz darf seit nicht ganz zwei Wochen wenigstens im Kraftraum richtig ran. Helena Grau schindet sich dort seit dieser Woche volle Pulle. Die 29- und die 19-Jährige sind aber Ausnahmen. Nicht nur in Backnang, sondern im Judo überhaupt. Die Ältere gewann sechsmal in Folge die deutsche Meisterschaft in der Klasse bis 48 Kilogramm und steuerte geradewegs auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio zu. Die Jüngere kürte sich im Januar in Stuttgart in Abwesenheit von Menz als direkte Nachfolgerin ihrer Vereinskollegin zur deutschen Leichtgewichtsmeisterin.

Mit Ausnahme der schweißtreibenden Stunden in der Muckibude geht es den beiden Topsportlerinnen in fast allen anderen Bereichen momentan nicht anders als jedem Wald- und Wiesenkämpfer. Training und Üben mit Partner auf der Matte ist nicht erlaubt. Das gilt für die beiden Backnanger Vorzeigeathletinnen wie für den Rest im Verein. Bei den TSG-Judokas ruht der Sportbetrieb.

Jens Holderle hofft zwar, dass sich das möglichst schnell wieder ändert, glaubt aber nicht so richtig dran: „Der Kampfsport ist wohl der Bereich, der erst ganz zum Schluss wieder freigegeben wird.“ Wann Schluss mit der Coronakrise ist, das weiß derzeit allerdings niemand. Holderle kann die Einschränkungen und Vorsicht durchaus nachvollziehen. Auch weil er als Sport- und Mathematiklehrer an der Backnanger Max-Eyth-Realschule auch beruflich damit zu tun hat und sich deshalb nicht nur über die Interessen seines Sports Gedanken macht.

Judokas suchen nach
dem großen Wurf, um ihren Sport
wieder betreiben zu können

Wobei er und die Judokas durchaus versuchen, in nicht allzu weiter Ferne auf die Matte zurückkehren zu können. „Es gibt viele Überlegungen“, erklärt der Trainer der beiden Backnanger Erstligamannschaften und sagt: „Der Verband denkt darüber nach, welche Möglichkeiten es gibt, was mit Masken oder sonstigen Dingen zu machen.“ Ein ideales Hilfsmittel wurde bislang offenbar noch nicht gefunden. Derzeit sind wie in so vielen Sportarten jedenfalls alle anstehenden Wettkämpfe und Meisterschaften abgesagt. Einzig die Macher der Württembergliga wollen noch warten, ob was geht. Holderle sagt dazu nur: „Wir haben denen schon mitgeteilt, dass unsere zweite Mannschaft nicht kämpft.“

Da stellt sich die Frage, inwieweit er daran glaubt, dass das Männer- und das Frauenteam diese Saison noch zu ihren Vergleichen in der Ersten Bundesliga kommen. „Ich glaube nicht, dass die Runde ganz gestrichen wird“, ist der für beide Mannschaften Verantwortliche zuversichtlich. Vielleicht auch, weil es vor allem bei den Frauen in der Südstaffel der Bundesliga mit der TSG, dem JSV Speyer und Karlsruhe nur drei Vereine sind. Deshalb hätte die Runde dort ohnehin erst im September beginnen sollen. Bei den Männern ist die Terminsituation dagegen angesichts von neun Mannschaften in der Südstaffel ein wenig ernster. Hier hätte Aufsteiger Backnang eigentlich bereits am vergangenen Wochenende beim JC Leipzig nach 16 Jahren Abstinenz seine Rückkehr in die deutsche Eliteliga sportlich angehen sollen. Wie die Frauen, die als deutscher Vizemeister erneut zu den Mitfavoriten im Kampf um den Titel gehen würden, müssen sich die Männer aber noch gedulden. Der Deutsche Judo-Bund hat den Start der Bundesliga-Runde „auf unbestimmte Zeit ausgesetzt“, wie er auf seiner Homepage mitteilt. Unklar ist dann zudem auch, ob alle Vereine wie geplant am Start sind, oder ob der eine oder andere Klub bis dahin einen Rückzug angetreten hat.

Für Jens Holderle ist das aber nur ein Teil der derzeit eher traurigen Geschichte. Der andere ist, dass der Judosport in Backnang momentan im Prinzip komplett still steht. Dabei wuselt es in normalen Zeiten im Dojo am Backnanger Rötlensweg doch oft vor Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Nun herrscht dort Ruhe. Dabei warten Trainer und Kämpfer sehnsüchtig darauf, dass es wieder zurück auf die Matte geht.

Info

Der Trainingsbetrieb bei den Judokas der TSG Backnang ist für alle Gruppen und Sparten bis einschließlich 3. Mai unterbrochen. In der Zeit bleiben die Trainingsräume auch definitiv geschlossen. Danach will der Verein die Situation neu bewerten und aufgrund der bis dahin geltenden Empfehlungen handeln.

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Erstellt:
23. April 2020, 11:30 Uhr

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