Katharina Menz bejubelt EM-Bronze

Backnanger Vorzeigejudoka erkämpft sich bei der Europameisterschaft in Prag einen Podestplatz.

Griff in Prag richtig zu: Katharina Menz (links), die ihre erste EM-Medaille gewann. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Griff in Prag richtig zu: Katharina Menz (links), die ihre erste EM-Medaille gewann. Foto: A. Becher

Von Katharina Klein

Ein Mal quer durch die Weltrangliste der Klasse bis 48 Kilogramm kämpfte sich TSG-Judoka Katharina Menz bei der Europameisterschaft in Prag. Am Ende hielt sie mit der Bronzemedaille ihr erstes Edelmetall bei einer EM in den Händen. Trainer Jens Holderle jubelte: „Es ist megageil. Die Medaille zeigt, dass sie auf einem super Weg Richtung Tokio ist“.

Nur Mundschutz tragende Kampfrichter und fleißige Mattendesinfizierer ließen für Beobachter auf die aktuellen Corona-Umstände schließen. Für die Judokas war es aber ein Wettkampf, wie es ihn noch nie gab: „Mit Tests vor der Abreise, der Anreise nur in kleinen Gruppen, einem Test direkt nach der Ankunft mit anschließender Quarantäne bis das Ergebnis da ist – und auch so ist die Atmosphäre anders“, schilderte Menz. Für sie und alle anderen Deutschen war es der erste Wettkampf unter Corona-Bedingungen. Zusammen mit der ersten EM-Medaille war’s für die Backnangerin eine doppelte Premiere. Ihre erfolgreiche Teilnahme war aus mehreren Gründen besonders wichtig, erklärt Jens Holderle: „Für Hochleistungssportler ist es wichtig zu wissen, wo sie stehen. Das geht nur mit Wettkämpfen. Sonst trainieren sie ins Leere hinein und die Motivation dabei oben zu halten, ist sehr schwierig“.

Menz scheint dies in den letzten 10 Monaten gelungen zu sein. Solange ist es her, dass sie sich das letzte Mal bei einem Wettkampf duellierte. Nach einem Freilos zum Auftakt startete sie gestern direkt in die zweite Runde. Dort ging es gegen die Aserbaidschanerin Leyla Aliyeva, Nummer 30 der Weltrangliste. Für Menz wurde es der längste Kampf des Tages. Erst nach 6:53 Minuten stand sie als Gewinnerin fest. Zuvor hatten sich die beiden ein Kopf-an-Kopf Gerangel geliefert, Die Backnangerin kassierte in der regulären Kampfzeit ein Shido, für Aliyeva folgten zwei in der Verlängerung. „Ich war konditionell stark. Da habe ich echt noch mal einen Schritt nach vorne gemacht“, sagte Menz über den Mammutkampf.

Knappe Niederlage gegen die Weltranglistenfünfte


Im Viertelfinale traf sie auf die Weltranglisten-Fünfte Melanie Clement. Auch diese Begegnung zog sich in den Golden Score, in dem nach rund einer Minute die Französin triumphierte. In der Trostrunde wartete Mireia Lapuerta Comas. Mit Platz 42 auf der Weltrangliste schien die Spanierin auf dem Papier für die 14. der Weltrangliste aus dem Murrtal ein Kinderspiel zu sein. War es aber nicht. Menz ging zwar gewohnt energisch ans Werk, konnte aber zunächst keinen entscheidenden Wurf landen. Stattdessen warf die Spanierin sie und bekam einen Ippon zugeschrieben. Doch es war noch nicht Schluss. Die Kampfrichter berieten und nahmen das Urteil zurück. Erst in der Verlängerung fiel dann die Entscheidung. Menz warf Comas rücklings auf die Matte, wo die niedergeschlagen liegen blieb.

Für die Backnangerin hieß es, Luft holen und Kraft tanken für den Kampf um Platz drei. Dort traf sie auf die spanische Weltranglistenneunte Laura Martinez Abelenda, gegen die der Deutschen rund 30 Sekunden vor Schluss ein Wurf mit Wertung gelang, der Bronze bedeutete.

Menz war hoch zufrieden: „Es lief eigentlich echt gut. Ich habe mich megagefreut. Ich finde zwar, dass mir die Explosivität gefehlt hat. Daran möchte ich die nächsten Monate arbeiten. Kräftemäßig und konditionell habe ich die Corona-Zeit aber echt gut genutzt und noch mal eine Schippe draufgelegt.“ Der Schritt zurück auf die Wettkampf-Matte war jedoch auch von Ungewissheit begleitet: ,Ich bin relativ locker angereist„weil ich keine Ahnung hatte, auf welchem Stand ich bin. Die Trainingskämpfe liefen zwar gut, aber ein Wettkampf ist doch etwas ganz Anderes. Ich war einfach nur gespannt wie es sich anfühlt, mal wieder internationale Leute in den Händen zu halten.“

Holderle zieht ebenfalls eine positive Bilanz: „Katharina hat die Zeit sehr gewinnbringend genutzt, viel trainiert und ihre Technik verbessert. Die Medaille muss Auftrieb und Bestärkung sein, dass sie trotz der aktuellen Situation auf einem super Weg in Richtung Tokio ist.“

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Erstellt:
20. November 2020, 06:00 Uhr

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