Katharina Menz ist auf dem steinigen Weg nach Paris

Bis vor wenigen Monaten schien die Nominierung für die Olympischen Spiele für Katharina Menz nur Formsache zu sein. Doch vor der morgen startenden Weltmeisterschaft in Abu Dhabi ist die Judoka von der TSG Backnang auf den letzten sicheren Qualifikationsplatz zurückgefallen.

Katharina Menz (links) kämpft morgen bei der Weltmeisterschaft in Abu Dhabi. Archivfoto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Katharina Menz (links) kämpft morgen bei der Weltmeisterschaft in Abu Dhabi. Archivfoto: Alexander Becher

Von Lars Laucke

Für Tausende Sportlerinnen und Sportler sowie Millionen von Fans ist es das Ereignis in diesem Jahr: In zehn Wochen starten in Paris die Olympischen Sommerspiele. Auch die Judoka Katharina Menz von der TSG Backnang will in der Gewichtsklasse bis 48 Kilogramm dabei sein. Doch wie in vielen anderen Sportarten auch, ist auch im Judo ein langer und steiniger Weg zu gehen, ehe überhaupt die Qualifikation für den wichtigsten Wettbewerb der Sportwelt geschafft ist. Ein ganz entscheidender Wettkampf wird hier die morgen beginnende Weltmeisterschaft in Abu Dhabi sein.

Zudem ist das Ganze ziemlich kompliziert. Zunächst einmal gibt es vom Internationalen Judoverband (IJF) eine Qualifikationsrangliste. In diese fließen die Punkte aus den Wettkämpfen der zwei Jahre vor den Olympischen Spielen ein. Nun könnte man ganz einfach sagen, dass entsprechend der Größe des Starterfelds die besten Athletinnen im Qualifikationsranking der jeweiligen Gewichtsklasse in Paris am Start sind. Doch warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Denn zum einen werden einige Startplätze noch über eine Kontinentalquote vergeben, zum anderen darf pro Nation immer nur eine Kämpferin bei Olympia antreten. Stehen also zwei oder gar mehr auf einem entsprechenden Ranglistenplatz, dann entscheidet der nationale Verband, wer nominiert wird. Im Fall von Katharina Menz besteht diese Gefahr schon mal nicht. Sie ist in ihrer Gewichtsklasse die einzige Deutsche unter den Top 100.

Bei einem frühen WM-Aus müsste Katharina Menz doch noch bangen

Allerdings waren die Ergebnisse der 33-jährigen TSG-Kämpferin in den vergangenen Wochen und Monaten eher ernüchternd. Und so steht sie mittlerweile auf dem letzten sicheren Qualifikationsplatz – die Konkurrentinnen aus den Nationen, die doppelt und dreifach auf den vorderen Plätzen vertreten sind, sind dabei schon einkalkuliert. Läuft also auch die WM nicht gut, könnte es für Katharina Menz ganz eng werden. „Ich habe zuletzt zu viel nachgedacht und nicht frei gekämpft“, so die Analyse der Vizeweltmeisterin von 2022. Für die WM steht sie somit etwas unter Zugzwang. „Im Optimalfall erreicht sie mindestens das Poolfinale. Denn dann ist sie im Endklassement auf jeden Fall Siebte. Das müssten die hinter ihr liegenden Konkurrentinnen erst einmal toppen“, weiß Jens Holderle, Teammanager der Backnanger Bundesligamannschaft. Er gibt aber auch zu bedenken: „Es wollen viele nach Paris, daher ist das Feld bei der WM ungewöhnlich groß. Es sind quasi alle am Start, die laufen können.“ Und da komme es dann auch ein wenig auf das Quäntchen Glück bei der Auslosung an, so Holderle.

Jedoch wäre die Olympiateilnahme auch dann noch nicht vollkommen sicher, wenn Katharina Menz die Norm der IJF erfüllen würde. Dann würde der deutsche Verband sie zwar dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) vorschlagen, die letzte Entscheidung über die Nominierung fällt aber erst dort. „Wir haben das schon erlebt, dass der DOSB qualifizierte Athletinnen nicht nominiert hat, weil die Chancen auf eine vordere Platzierung zu gering erschienen. Da spielen dann auch politische und finanzielle Aspekte eine Rolle“, sagt Jens Holderle. „Im Fall von Katharina Menz hätte man Ende 2023 noch gesagt, dass sie todsicher bei Olympia dabei ist. Doch letztlich ist es erst fix, wenn man die Nominierung schwarz auf weiß hat. Katha muss jetzt liefern. Sie hat aber in der Vergangenheit schon bewiesen, dass sie das draufhat.“

Heimtrainer Tom Reed gibt sich zuversichtlich: „Katharina hat sehr hart für diese Weltmeisterschaften trainiert und hat das Niveau, um dort wieder um die Medaillen zu kämpfen. Es ist wichtig, dass sie an diesem Tag mit klarem Kopf kämpft.“ Genau das hat sich Katharina Menz auch vorgenommen und setzt sich hohe Ziele: „Ich möchte wieder eine Medaille holen. Mein Judo ist gut genug, das weiß ich, das habe ich schon bewiesen.“ Bereits morgen wird sie in Abu Dhabi auf die Matte gehen. Wenn sie eine Medaille holt, wäre die Olympiateilnahme wohl gesichert. Doch darüber macht sich Katharina Menz im Moment noch keine Gedanken. Schließlich will sie diesmal „frei kämpfen“, Paris soll erst nach der WM in den Fokus rücken.

Zum Artikel

Erstellt:
18. Mai 2024, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Rems-Murr-Sport

SC Fornsbach ist gekommen, um jetzt auch mal zu bleiben

Der SC Fornsbach schafft als Meister der Fußball-Kreisliga B2 zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte den Aufstieg in die Kreisliga A2. Anders als bei den bisherigen zwei Versuchen hofft der Sportclub statt eines einjährigen Abenteuers auf einen längerfristigen Aufenthalt.

Rems-Murr-Sport

Füllkrug oder Havertz? Natürlich Undav

Fußball-Europameisterschaft Bei Auenwalds C-Jugendkickern ist der VfB-Stürmer in der deutschen Startelf fürs Auftaktspiel gegen Schottland gesetzt. Die Jungs empfehlen Bundestrainer Julian Nagelsmann zudem, Marc-André ter Stegen statt Manuel Neuer ins Tor zu stellen.

Rems-Murr-Sport

Familie Lamsfuß: Drei Generationen Sportbegeisterung

Familienbande im Sport Im Hause Lamsfuß dreht sich immer noch sehr viel ums Judo. Das Virus hat jedoch nicht die ganze Familie gepackt. Die Kinder und Enkel sind auch im Hand- und Fußball, Tennis oder in der Sportakrobatik aktiv und werden von Opa Gerd gerne begleitet.