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Kein goldener Herbst für Biker und Läufer

Der Lautertal-Bikemarathon in Spiegelberg und der Volkslauf in Neuhütten sind abgesagt. Bei den für Anfang Oktober geplanten Großveranstaltungen sehen sich die Veranstalter in Coronazeiten nicht in der Lage, den organisatorischen Aufwand zu stemmen.

Diesen Oktober bevölkern keine Mountainbiker die Straßen und Wälder Spiegelbergs. Der Bikemarathon in der Lautertalgemeinde ist wie der Volkslauf in Neuhütten abgesagt. Fotos: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Diesen Oktober bevölkern keine Mountainbiker die Straßen und Wälder Spiegelbergs. Der Bikemarathon in der Lautertalgemeinde ist wie der Volkslauf in Neuhütten abgesagt. Fotos: T. Sellmaier

Von Uwe Flegel

Während immer mehr Sportarten planen, in den Wettkampfbetrieb zurückzukehren oder sogar schon zurückgekehrt sind, sieht es für die sogenannten Breitensportveranstaltungen in Zeiten von Corona weiterhin schlecht aus. Der Aufwand, um die Abstandsregelungen zu wahren und die Hygienemaßnahmen einzuhalten, sowie das Infektionsrisiko bei mehreren Hundert Läufern oder Radfahrern ist den Organisatoren zu hoch. Deshalb wurden nun in Spiegelberg der Lautertal-Bikemarathon am Sonntag, 11. Oktober, sowie in Neuhütten der Volkslauf am Samstag, 3. Oktober, abgesagt.

Spiegelbergs Bürgermeister Uwe Bossert war und ist stolz auf den Bikemarathon in seiner Gemeinde. Und der sportliche Rathauschef trat deshalb auch immer selbst mit in die Pedale, wenn es vom Startplatz zwischen Sportanlage und Schule durch die Wälder der Lautertalgemeinde ging. Dieses Jahr bleibt sein Rad in der Garage stehen. Der Bikemarathon findet nicht statt. „Über 700 Starter und dann noch die Zuschauer dazu, dieser Aufwand ist angesichts der Auflagen einfach nicht zu stemmen“, erklärt Bossert und sagt: „Ich finde die Entscheidung des Feuerwehrfördervereins als Veranstalter vollkommen richtig.“ Besonders bitter ist sie trotzdem. Spiegelberg hätte dieses Jahr seinen 15. Bikemarathon gefeiert. Nun können die Organisatoren dieses kleine Jubiläum erst mit zwölf Monaten Verspätung feiern.

Siegfried Rosenberger, Vorsitzender des Fördervereins der Feuerwehr Spiegelberg und Kopf des Organisationsteams, macht klar, dass die Absage alternativlos war. Auch „weil wir als Feuerwehr eine Hilfsorganisation sind und da als Veranstalter eine andere Rolle haben“. Soll auch heißen, dass für ihn die Feuerwehr mit gutem Beispiel vorangeht, da Großveranstaltungen mit mehr als 500 Personen im Ländle weiterhin bis Ende Oktober verboten sind. Und der Bikemarathon mit bis zu 750 Teilnehmern sowie zahlreichen Zuschauern und Helfern gehört in diese Kategorie. Rosenberger: „Da sind über 1000 Menschen beieinander, das Risiko ist einfach zu hoch.“

Was ihm und seinen Mitstreitern die Entscheidung vermutlich ein wenig erleichtert haben dürfte, das ist der Fakt, dass „wir diesen einen Ausfall auf jeden Fall verkraften können. Wir haben im Vorfeld alles gestoppt, bevor wir Ausgaben hatten.“ Zudem, erklärt Rosenberger, „können wir unsere Feuerwehr auch dieses Jahr finanziell dennoch unterstützen“, und legt schmunzelnd nach: „Schließlich sind wir Schwaben und haben was angespart.“ Hinzu kommt, dass alle Sponsoren eigentlich bereits zugesagt haben, dass sie 2021 mit an Bord sind, wenn der Lautertal-Bikemarathon dann zum 15. Mal stattfindet.

Neuhüttens Klaus Siller: Gesundheit ist wichtiger als ein paar Euro Verlust.

Ein paar Kilometer weiter nördlich und gut 200 Meter bergauf sind die Verantwortlichen zum gleichen Urteil wie die Macher in Spiegelberg gekommen. Die LG Neuhütten-Steinknickle hat ihren 33. Volkslauf gestrichen und auf 2021 verschoben. „Wir sind nicht in der Lage, die Vorgaben und die Hygieneauflagen der Landesregierung umzusetzen. Außerdem wollen wir unseren Mitgliedern nicht zumuten, in der Situation zu arbeiten oder sich sogar anzustecken“, erklärt Klaus Siller, Vorsitzender des Vereins aus dem Wüstenroter Ortsteil. Für viele Organisatoren ist es problematisch, die Abstandsregeln einzuhalten. Zwar ist dies bei den Sportlern mithilfe von versetzten Startzeiten in Kleingruppen oder gar einzeln eventuell möglich, doch dann zieht sich die Veranstaltung. Und: Das Problem mit den Umkleide- und Duschräumen ist bei Feldern mit mehr als 100 Startern nur lösbar, indem beides einfach nicht zur Verfügung steht.

Ähnlich schwierig ist eine Siegerehrung oder eine Bewirtung. „Beides ist nur stark erschwert möglich“, sagt Neuhüttens Vorsitzender ebenso wie zuvor der Spiegelberger Rosenberger. Das wiederum bedeutet, dass die Vereine zwar viel mehr Arbeit und Aufwand, aber deutlich weniger Einnahmen und vor allem Helfer hätten. Denn die dürften in Zeiten von Corona noch spärlicher vorhanden sein. Siller berichtet: „Wir haben in den vergangenen Wochen beobachtet, was sich entwickelt hat.“ Die Folge davon war, dass sich der Verein bei der jüngsten Vorstandssitzung recht schnell und eindeutig für die Absage entschieden hat. Noch einmal Siller: „Für uns bringt das zwar einen kleinen Verlust mit sich, aber das ist immer noch besser, als wenn sich wegen uns ein neuer Brandherd entwickelt. Die Gesundheit geht einfach vor.“

Mit Neuhütten ist nun bereits der dritte der vier Wettkämpfe des Laufcups Schwäbisch-Fränkischer Wald abgesagt. Einzig der für Samstag, 24. Oktober, geplante Aspacher Volkslauf ist offiziell noch nicht endgültig abgesagt. Wobei es kaum vorstellbar sein dürfte, dass die Veranstaltung stattfinden kann. Zumal der Laufcup, der dieses Jahr eigentlich seinen zehnten Geburtstag gefeiert hätte, nach der Absage der Läufe in Welzheim (9. Mai) und Auenwald (4. Juli), sein Jubiläum ohnehin schon auf 2021 verschoben hat.

Macht mit der Absage schweren Herzens eine klare Ansage: Der LG-Vorsitzende Klaus Siller.

© Tobias Sellmaier

Macht mit der Absage schweren Herzens eine klare Ansage: Der LG-Vorsitzende Klaus Siller.

Backnang wartet noch ab

Ob der Backnanger Silvesterlauf in diesem Jahr stattfindet, ist noch offen. „Wir warten bis Anfang Oktober noch ab“, berichtet Rolf Hettich vom Organisationsteam. Dieses Vorgehen sei auch mit den Veranstaltern des Silvesterlaufs in Bietigheim sowie des Dreikönigslaufs in Schwäbisch Hall abgesprochen, so der Backnanger. „Stand heute wird es schwierig, die Geschichte durchzuziehen“, gesteht Hettich ein. Das auch, weil der Backnanger Silvesterlauf im wahrsten Sinne des Wortes eine Großveranstaltung und der Platz inmitten der Innenstadt begrenzt ist. Vergangenes Jahr gingen zum Beispiel über 1600 Läufer auf den verschiedenen Strecken an den Start. Hinzu kamen mehrere Tausend Zuschauer, die die Sportler begeistert anfeuerten.

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Erstellt:
5. August 2020, 06:00 Uhr

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