Klatsche für Deutschland in Großaspach

Die U-21-Fußballer verlieren das EM-Qualifikationsspiel gegen Polen in der Arena im Fautenhau mit 0:4. Vor allem in den ersten 20 Minuten läuft alles gegen die DFB-Talente, die nach dem frühen 0:3-Rückstand und einer Roten Karte vor knapp 4000 Fans aber eine gute Moral beweisen.

Deutschland fehlte im Nebel von Großaspach am Anfang der Durchblick und im weiteren Spielverlauf das Quäntchen Glück. Zum Beispiel hatte Schalkes Malick Thiaw in dieser Situation die Lufthoheit, verfehlte das Tor mit seinem Kopfball aber haarscharf.Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Deutschland fehlte im Nebel von Großaspach am Anfang der Durchblick und im weiteren Spielverlauf das Quäntchen Glück. Zum Beispiel hatte Schalkes Malick Thiaw in dieser Situation die Lufthoheit, verfehlte das Tor mit seinem Kopfball aber haarscharf.Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Es hätte ein echtes Fußballfest werden können, doch die Anfangsphase in Großaspach war aus deutscher Sicht ein Stimmungskiller. Kaum hatte die Partie so richtig begonnen, war sie auch schon so gut wie zugunsten Polens entschieden. Die fast 4 000 Fans, die trotz des ungemütlichen Wetters in den Fautenhau gepilgert waren, ließen sich die Laune aber nicht verderben. Darunter viele Kinder und Jugendliche, wie die Tonlage bei den Anfeuerungsrufen eindeutig verriet. So liefen der Spätnachmittag sowie der frühe Abend im Fautenhau im Zeitraffer ab.

16.35 Uhr: Noch 100 Minuten bis zum Anpfiff, der Bus der deutschen U21 kämpft sich mitten in Großaspach durch den Feierabendverkehr. Drinnen Spieler, die von Antonio Di Salvo einen klaren Auftrag mit auf den Weg gekriegt haben. „Wir wollen unsere Spiele gewinnen und den Abstand zu den Konkurrenten weiter vergrößern“, sagt der 42-Jährige. Zu den maximalen zwölf Punkten, die seine Elf in den bisherigen vier EM- Qualifikationsspielen gesammelt hat, sollen unbedingt drei weitere Zähler kommen. Im zähen Herbstnebel biegt der Bus kurz drauf im Fautenhau ins Stadion ab, parkt vor den Katakomben und hat zumindest einmal an diesem Tag die Nase vorne. Das polnische Team trifft erst wenige Minuten später ein.

17.25 Uhr: Die ersten Spieler haben die warme Kabine verlassen und sich in die kalte Arena gewagt. Es sind die Torhüter, bei den Deutschen also Luca Philipp und Nico Mantl. Auch Di Salvos Assistent Hermann Gerland – das Bayern-Urgestein, das Hansi Flick zum DFB gelockt hat – steht dick eingemummelt am Rande des Platzes. Bei den Feldspielern machen die Gäste den Anfang, dann kündigt der Stadionsprecher auch den „amtierenden U-21-Europameister“ an. Die deutschen Fans, die so früh schon vor Ort sind, applaudieren freundlich. Ein kleiner Schritt auf dem Weg zur Titelverteidigung soll an diesem Abend in Aspach gegangen werden, live im TV auf ProSieben Maxx.

17.57 Uhr: Warm sind jetzt offenbar alle, auf jeden Fall geht es zurück in die Kabine. Letzte taktische Tipps abholen, um aus DFB-Sicht den angestrebten Sieg einzufahren. Leicht wird es wohl nicht. Zum einen, weil das Dortmunder Top-Talent Youssoufa Moukoko mit einer Augenentzündung passen muss und eigentlich noch spielberechtigte Jungstars wie Jamal Musiala, Florian Wirtz und Karim Adeyemi bereits den Aufstieg ins A-Nationalteam geschafft haben. Zum anderen, weil Coach Di Salvo in Polen den vermutlich „stärksten Gegner“ in der Gruppe B sieht, auch wenn er mit sieben Punkten nur Dritter ist. Mit Jakub Kaminski (19, Lech Posen), Kacper Kozlowski (18, Pogon Stettin) und Nicola Zalewski (19, AS Rom) zählen drei Spieler zum Kader, die schon fürs A-Nationalteam gespielt haben.

18.10 Uhr: Die Teams stehen vor der Haupttribüne parat, mit Polens Hymne beginnt der musikalische Teil. Als das deutsche Pendant dran ist, ertönt ein Chor mit fast 4 000 Stimmen. Die meisten Zuschauer sind mittlerweile eingetroffen, der kolportierte Stau in der Großaspacher Ortsmitte scheint sich weitgehend aufgelöst zu haben.

18.15 Uhr: Es geht pünktlich los, aber die Deutschen sind mental noch in der Kabine. Anders ist der Auftritt in der Anfangsphase kaum zu erklären. Zweimal wird die Abwehr von Steilpässen überrumpelt, zweimal läuft Polens Stürmer Adrian Benedyczak alleine auf das Tor zu, zweimal schließt er eiskalt ab (5./12.). Damit nicht genug: In der 15. Minute steht es schon 0:3. Jean-Manuel Mbom wird von Michal Skoras genarrt, kriegt aber auch einen Tritt auf den Fuß ab. Kein Foul, sagt der Referee. Skoras schlenzt den Ball aus spitzem Winkel ins rechte Eck.

18.34 Uhr: Was ist hier los? Wieder ein langer Ball, nun reißt Mbom Benedyczak an der Mittellinie um. Der Doppelpacker wäre durch gewesen, das Urteil des Referees: Notbremse, Rot. 0:3 zu zehnt, geht da noch was? Ein Wechsel soll helfen. Unter dem Jubel der Fans kommt Roberto Massimo vom VfB Stuttgart für Erik Shuranov (Nürnberg).

18.59 Uhr: Nun kommt auch noch Pech dazu. Ein 18-Meter-Freistoß des Hoffenheimers Angelo Stiller klatscht an den rechten Pfosten. Kurz danach ist Pause, das sieht für die Deutschen mehr als mau aus.

19.28 Uhr: Nun ist es Polens Torwart, der den Anschlusstreffer mit einer Fußabwehr im kurzen Eck gegen Jonathan Burkardt verhindert. Kurz darauf verfehlt ein Kopfball von Malick Thiaw das Ziel haarscharf. Die deutschen Torchancen häufen sich, doch auch Lars Lukas Mai scheitert mit einem Kopfball am starken Keeper. Nach der bitteren Anfangsphase ist es ein guter Auftritt der deutschen U 21 in Unterzahl, der aber nicht belohnt wird. „Deutschland, Deutschland“, schallt es trotzdem auch noch fünf Minuten vor Schluss von der Tribüne. Doch das letzte Tor schießen die Polen in Person von Kacper Kozlowski (90.).

20.09 Uhr: Der Schlusspfiff. „Wir haben uns das heute anders vorgestellt“, sagt der Stadionsprecher, bedankt sich aber für die „tolle Stimmung“. In der Tat ist das Publikum in Großaspach ein Gewinner. Fast 4 000 Zuschauer an einem ungemütlichen Herbstabend – das ist eine stolze Marke. Es spricht wenig dafür, dass sie am Dienstag um 18.15 Uhr in Ingolstadt überboten wird. Fürs nächste EM-Qualifikationsspiel sind bislang noch keine 2 000 Tickets verkauft. Deutschland will gegen San Marino in die Erfolgsspur zurück. Sollte machbar sein.

Deutschland: Philipp – Mbom, Mai, Thiaw, Netz (64. Leweling) – Keitel, Stiller (90.+3. Martel) – Schade, Burkardt, Thielmann (46. Bella Kotchap) – Shuranov (25. Massimo).

Polen: Miszta – Gruszkowski, Bejger, Kruk, Kiwior – Bogusz, Poreba, Kaminski – Zalewski (62. Kozlowski), Benedyczak (69. Spiewak), Skoras (84. Zukowski).

Tore: 0:1, 0:2 (5./12.) Benedyczak, 0:3 (15.) Skoras, 0:4 (90.) Kozlowski. – Gelbe Karten: Stiller / Miszta, Bejger, Kruk, Gruszkowski. – Rote Karte: Mbom (19., Notbremse). – Schiedsrichter: Godinho (Portugal). – Zuschauer: 3 994 .

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Erstellt:
12. November 2021, 22:20 Uhr

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