Kritik mit klarem Bekenntnis abgemildert

Backnanger Sportstammtisch: OB Maximilian Friedrich betont, dass Stadtverwaltung und Gemeinderat im Zweifel auch ohne Bundeszuschuss am Neubau der Karl-Euerle-Halle festhalten wollen. Einige Vereinsvertreter machen ihrem Frust über die erneute Zeitverzögerung trotzdem Luft.

Die Karl-Euerle-Halle bietet in vielerlei Hinsicht trostlose Anblicke, die nach einem schnellen Neubau schreien. Archivfoto: E. Layher

© Edgar Layher

Die Karl-Euerle-Halle bietet in vielerlei Hinsicht trostlose Anblicke, die nach einem schnellen Neubau schreien. Archivfoto: E. Layher

Von Steffen Grün

Der neue Rathauschef zog einen Vergleich zur Leichtathletik. „Wir sind beim 100-Meter-Sprint bei 95 Metern angelangt“, sagte Maximilian Friedrich zum Stand der Dinge in Sachen Abriss und Neubau der Karl-Euerle-Halle. Den 31 engagierten Ehrenamtlichen, die ihre Klubs oder Abteilungen beim Sportstammtisch vertraten, kommt es nach rund 14 Jahren wohl eher wie ein nicht enden wollender Ultramarathon vor. Erst recht nach der erneuten Hiobsbotschaft, dass die komplizierte Bewerbung um den eigentlich erfreulichen Bundeszuschuss für eine weitere Verzögerung von mindestens vier Monaten sorgt und die Bagger auf der Maubacher Höhe frühestens Anfang 2022 rollen (wir berichteten). Es gab sogar vereinzelte Ängste, die Stadt könnte kurz vor dem Ziel doch noch aus dem Rennen aussteigen.

Derartige Sorgen zu zerstreuen, war am Montagabend das klare Vorhaben der Spitzen der Backnanger Stadtverwaltung. „Wir halten natürlich am Neubau fest und wollen so schnell wie möglich loslegen“, versicherte Baudezernent Stefan Setzer. „Die neue Karl-Euerle-Halle soll und wird kommen.“ Nicht weniger deutlich äußerte sich der neue Oberbürgermeister. „Wir stehen im Wort und wissen das“, betonte Maximilian Friedrich. „Die Halle kommt, und das nicht am Sankt-Nimmerleins-Tag.“ Dafür werde er sich persönlich einsetzen, schob Noppers Nachfolger im Wissen hinterher, dass das letzte Wort der Gemeinderat hat. Aus dessen Reihen gebe es aber bereits positive Signale. Es herrscht offenbar breiter Konsens, zeitnah einen Haken hinter dieses Projekt zu machen, das die Nerven aller Beteiligten schon so lange strapaziert.

Das scheint auch für den Fall zu gelten, dass die 3 Millionen Euro aus Berlin doch nicht von der Spree an die Murr fließen. Ein Szenario, das mittlerweile als realistisch gilt, obwohl der Zuschuss im März als Fakt gefeiert und den Bundestagsabgeordneten Christian Lange (SPD) und Norbert Barthle (CDU) für ihren Einsatz gedankt wurde. Mit keiner Silbe war damals davon die Rede, dass es lediglich „die Eintrittskarte war, um uns mit einem gesonderten Antrag bewerben zu können“, wie es Stefan Setzer nun erläuterte. Backnangs Konzept, auf ein zum Festpreis bauendes Generalunternehmen zu setzen, sei beim Bund nicht gerne gesehen. Nun wartet die Stadt auf die Antwort aus dem Innenministerium, ob es gar ein Ausschlusskriterium ist. Selbst wenn dem nicht so sein sollte, ist die Geduld wohl endlich, denn „wir möchten keinen weiteren Zeitverzug riskieren“. Stefan Setzer wittert das Risiko, dass bei einer abermaligen Verschiebung die in dieser Zeit steigenden Baukosten den Zuschuss auffressen könnten. Eine Erfahrung, die Backnang beim Versuch, die unterschiedlichsten Fördertöpfe anzuzapfen, nicht zum ersten Mal machen würde. Auch deshalb wurden aus zunächst genannten 1,7 bis 2,3 Millionen Euro für Sanierung und Erweiterung im Laufe der Jahre satte und immer noch nicht in Stein gemeißelte 15,7 Millionen Euro für den Neubau.

Am Zeitplan, die alte Halle in den ersten Wochen des neuen Jahres abzureißen, will die Stadt nicht mehr rütteln. Nicht zuletzt, weil es dafür eine Preisgarantie gibt, die obsolet wäre, wenn die Arbeiten nicht bis 31. Dezember vergeben werden. Ende 2023 soll der neue, bis zu 1400 Zuschauer fassende Sporttempel fertig sein. Eine zusätzliche Architektin, die im Oktober den Job antritt, soll das Projekt in die Hand nehmen. Dass es mit Bundeszuschuss umgesetzt wird, diese Hoffnung hat der OB noch nicht aufgegeben. Man wolle die „große Politik“ an ihr Versprechen erinnern, kündigte Friedrich an und sieht dafür mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl einen guten Zeitpunkt. Keinen Hehl machen die städtischen Verantwortlichen daraus, dass sie das ganze Prozedere überrascht hat. „Wir sind nicht frei von Fehlern, aber in Bezug auf dieses Verfahren können wir keinen Fehler erkennen“, nahm Setzer die beteiligten Ämter in Schutz. „Wir sind von anderen Voraussetzungen ausgegangen.“ Erst mit der Zeit offenbarte sich das Problem mit dem Generalunternehmen, außerdem ist der Antrag laut Friedrich „sehr komplex und umfangreich“ – selbst für einen wie ihn oder den Ersten Bürgermeister Siegfried Janocha, obwohl sie ihr Handwerk als Diplomverwaltungswirte „von der Pike auf gelernt“ hätten.

Erklärungen, die manchen Vereinsvertreter in Kombination mit Friedrichs klarem Bekenntnis zum Neubau trotz der wiederholten Verzögerung milder stimmten. Der Frust brach sich dennoch Bahn, wenn etwa Zoran Jovanovic als Abteilungsleiter der TSG-Tänzer konstatierte, „dieselben Worte wie vor 5, 10, 14 Jahren“ zu hören. Es sei keine gute Nachricht, dass die Halle komme, sondern eine „Selbstverständlichkeit“. Claudia Krimmer, die mit ihren Vorstandskollegen zuletzt einen Brandbrief an die Stadt gerichtet hatte, bemängelte die mangelhafte Kommunikation in den vergangenen Monaten. Wäre das besser gelaufen, so ihr Vorwurf, „hätten sich viele Fragen vielleicht gar nicht ergeben“. Diese Kritik nahm die Stadt an und Stefan Setzer verkündete wohl auch deshalb, den beratenden Bauausschuss mit Schul- und Vereinsvertretern im Herbst zur zweiten Sitzung einzuladen. Dann sollen die Ergebnisse der zweiten Verhandlungsrunde mit den vier Unternehmen präsentiert werden, die den Neubau zum Festpreis realisieren wollen.

Weitere Diskussionsthemen beim Sportstammtisch

Provisorium Etwa zwei Jahre müssen Schulen und Vereine ohne die Karl-Euerle-Halle auskommen. Für die Zeit, die für Abriss und Neubau benötigt wird, braucht es Ausweichmöglichkeiten. Viele Anfragen wurden laut Kultur- und Sportamtsleiter Johannes Ellrott wegen Vollauslastung zurückgewiesen, eine kreative Alternative zeichnet sich ab: Die leere Tennishalle in Oppenweiler könnte nach Umbauarbeiten als Provisorium angemietet werden. Nicht optimal, aber besser als nichts, meint die Stadt – auch die Nutzer sehen es so. Zudem gibt es kleinere Zeitfenster im Kreisberufsschulzentrum und in der Radsporthalle in Waldrems. Freiluftanlagen müssen verstärkt genutzt und für Veranstaltungen noch Ersatzdomizile gesucht werden, um die Einschränkungen gering zu halten.

Investitionen Sanierungen von Plätzen und Hallen, eine Skateranlage und manches mehr – in Backnang wird für den Sport laut Erstem Bürgermeister Siegfried Janocha in den nächsten Jahren noch einiges getan. Den Anfang macht 2022 der Austausch des Kunstrasens in der Eugen-Adolff-Anlage. 620000 Euro sind eingeplant, aus der WLSB-Sportstättenbauförderung gibt es 84000 Euro. Eine indirekte Investition der Stadt ist es, dass sie auch diesen Sommer auf die sonst in den Ferien von den Klubs kassierten Hausmeistergebühren verzichtet. Damit sollen die coronabedingten Einnahmeausfälle zu einem kleinen Teil kompensiert werden.

Resolution Dieter Schaupp, Vorstandsmitglied der TSG- Fußballer, regte einen Impfaufruf an. Eine hohe Quote helfe, den Sportbetrieb dieses Jahr aufrechterhalten zu können. 26 Ja-, 2 Neinstimmen sowie 3 Enthaltungen und damit eine breite Mehrheit gab’s für den Vorschlag, alle Sportler, die unter die Stiko-Empfehlung fallen, zur Impfung aufzufordern.

Wünsche Rainer Böhle gefällt der Backnanger Kultursommer. Und zwar so gut, dass sich der Abteilungsleiter der TSG-Turner für 2022 einen Sportsommer erhofft, den Stadt und Vereine zusammen veranstalten. Bereits dran ist die Stadt, die Wettkampfstätten mit WLAN auszustatten, um die digitale Ergebnismeldung an die Verbände zu erleichtern.

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Erstellt:
28. Juli 2021, 06:00 Uhr

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