Kurz vor der Schallmauer von 200 Treffern

Seit 2012 hat Mario Marinic 198 Pflichtspieltore für die TSG Backnang erzielt. Vielleicht knackt der 37-Jährige, der mittlerweile Spielertrainer des Fußball-Oberligisten ist, die magische Marke schon am Samstag ab 14 Uhr im Heimspiel gegen Freiburg. Wäre ja nicht sein erster Doppelpack.

Kurz vor der Schallmauer von 200 Treffern

© Sportfotografie Alexander Becher

Von Steffen Grün

Einer der Sorte, der weiß, wo das Tor steht, war Mario Marinic schon immer. Das blieb Simon Steinbach ebenfalls nicht verborgen, weshalb er alles daran setzte, den Stürmer zur TSG Backnang zu locken. Als es vor der Saison 2012/2013 klappte und der Wunschkandidat vom Verbandsligisten Neckarrems zum Landesligisten ins Murrtal wechselte, nannte ihn der damalige Teammanager einen Spieler, „den wir schon länger gerne in die Etzwiesen holen wollten. Wir haben den Kontakt nie abreißen lassen.“ Eine Hartnäckigkeit, die sich nicht nur kurzfristig auszahlen sollte. Längst hat sich die vor neuneinhalb Jahren vollzogene Verpflichtung als wahrer Glücksfall für den Verein entpuppt.

Während Simon Steinbach sein Amt im Juli 2016 abgab und längst Marc Erdmann als Sportlicher Leiter die Kaderplanung der Roten übernommen hat, ist Mario Marinic nach wie vor da. Mehr noch: Mit den Toren, die er zu den Aufstiegen in die Verbandsliga (2014) und in die Oberliga (2017, 2020) beisteuerte, stieg der gebürtige Waiblinger mit dem kroatischen Pass in die Riege der Klubikonen auf. Er steht in einer Reihe mit Angreifern wie Ernst Kress, Axel Bohmwetsch, Onufrios Michailidis, Markus Sailer, Werner Weingärtner oder Dieter Kurz, die vor ihm die Torgaranten unter dem Murrtal-Viadukt waren. In einem Punkt hebt er sich von diesen Namen sogar noch ab: Der 37-Jährige wurde beim Oberligisten vor der laufenden Runde zum Spielertrainer befördert. Nichts anderes hätte die enorme Wertschätzung, die ihm bei der TSG entgegengebracht wird, noch deutlicher unterstreichen können.

Das große Ganze ist für Mario Marinic noch wichtiger als seine eigene Bilanz

Jetzt ist Mario Marinic auch noch drauf und dran, die Schallmauer von 200 Pflichtspieltoren im Trikot der Roten zu durchbrechen. „Das macht mich schon stolz“, räumt er ein. Eine solche Zahl für einen einzigen Verein zu erreichen, habe mit Sicherheit „Seltenheitswert“. Nur noch zwei Törchen fehlen ihm und es bestehen keinerlei begründeten Zweifel daran, dass er sie früher oder später schießt oder köpft. Möglicherweise bereits morgen gegen den Freiburger FC, doch das große Ganze steht als Trainer mittlerweile noch mehr als einst als Spieler über allem: „Ein Stürmer steckt sich immer auch persönliche Ziele, aber das Wichtigste ist, dass die Tore zum Mannschaftserfolg beitragen.“ Und so freut es ihn riesig, wenn seiner TSG Backnang wie unlängst beim Heimsieg gegen den FV Ravensburg vier Treffer gelingen, obwohl er selbst an diesem Tag verletzt zugucken musste. „Es tut uns sehr gut, dass die Tore derzeit auf mehreren Schultern verteilt sind“, betont Mario Marinic.

Kann er sich ans erste Pflichtspieltor erinnern, dass er für die Etzwiesenkicker markiert hat? „Müsste beim 2:0 gegen Öhringen gewesen sein“, denkt Marinic an den zweiten Landesliga-Spieltag im August 2012. Nun, in dieser Hinsicht ist er nicht so treffsicher wie auf dem Rasen. Zum einen endete die Partie nicht 2:0, sondern 2:1, zum anderen trafen Aljoscha Schäffner und Andreas Grimmer. „Dann war es beim FSV Hollenbach II“, probiert es der Stürmer nochmals. Tatsächlich leitete er dort mit dem 2:3 die Aufholjagd ein, die noch zum 3:3 führte, doch das Premierentreffer gelang ihm eine Woche vorher zu Hause gegen Münchingen: Beim 2:2 traf er zur 2:1-Führung. „Es ist fast zehn Jahre her“, sagt Marinic mit entschuldigendem Unterton und lacht. Am Ende der damaligen Landesliga-Saison war er mit 27 Buden Torschützenkönig – ein Titel, den er sich vorher schon in der Bezirksliga gesichert hatte und den er später auch in der Verbandsliga einheimsen sollte. In der Oberliga-Runde 2017/2018 reichte es zu Platz zwei hinter Freibergs Marcel Sökler.

Zu seinen schönsten Toren zählt Marinic den Flugkopfball aus 16 Metern in Heiningen sowie den Fallrückzieher in Pfullingen. Sie wurden auf Videos festgehalten und brachten ihn zweimal an die Torwand im ZDF-Sportstudio, wo ihn die Treffsicherheit verließ. Er schaffte es nicht, die Kugel nur einmal in den Löchern unten rechts oder oben links zu versenken. Mit die größten Emotionen löste es beim Torjäger aus, als er im Oberliga-Heimspiel gegen Spielberg im Februar 2019 nach langer Verletzungspause sofort wieder zweimal traf. Auch der Fakt, mit dem 1:0 beim 1:1 in Balingen das erste Oberliga-Tor der TSG überhaupt erzielt zu haben, macht ihn stolz. Bleiben noch die wichtigsten Treffer: Es sind die, die große Bedeutung auf dem Weg zu den Aufstiegen hatten. Allen voran fällt Marinic das Hinspiel um den Oberliga-Aufstieg gegen den Freiburger FC 2017 ein. Es ging mit 2:3 verloren, doch ohne sein 1:0 und das 2:2 durch den von ihm herausgeholten Elfmeter wäre das Wunder im Rückspiel ausgeblieben. Im Breisgau gewann Backnang nämlich mit 4:1, ausnahmsweise ohne einen entscheidenden Beitrag des Torgaranten.

Er habe immer Tore erzielt, sagt Marinic selbstbewusst, „es ist aber ein Mannschaftssport. Ich lebe von den Mitspielern, ohne deren Vorlagen würde es nicht funktionieren.“ Sie setzen ihn in Szene, er vollendet „aus allen Lagen und mit allen erlaubten Körperteilen“. Bevorzugt innerhalb des Strafraums – mit links, mit rechts, mit dem Kopf. Oft ist es ein Tor im Spiel, manchmal sind es zwei Treffer. Ab und zu ist es sogar ein Hattrick, „aber der letzte ist schon eine Weile her“. Vielleicht ist es morgen wieder so weit, um die 200-Tore-Schallmauer zu überspringen.

Die Gäste aus dem Breisgau stecken in einer Abwärtsspirale

Zwischenbilanz „Wir spielen bislang eine hervorragende Runde“, sagt Mario Marinic. Da wird dem Spielertrainer der TSG Backnang wohl keiner widersprechen, denn wer hätte erwartet, dass die Roten nach immerhin schon 14 von 38 Partien in dieser Mammutsaison den vierten Platz belegen. Nur der SGV Freiberg, der FSV 08 Bietigheim-Bissingen und die Stuttgarter Kickers liegen derzeit vor ihnen.

Heimvorteil Nun geht es am Samstag ab 14 Uhr im Etzwiesenstadion gegen den Freiburger FC. „Da ist die Erinnerung an die Oberliga-Aufstiegsspiele 2017 automatisch da“, sagt Marinic. Damals setzte sich die TSG durch, obwohl sie das erste Duell vor den eigenen Fans mit 2:3 verlor. Dieses Mal will Backnang unter dem Viadukt die Oberhand behalten, denn „wir sollten unsere Heimspiele gewinnen, weil es auswärts derzeit nicht so läuft“. Zuletzt setzte es in der Fremde drei Niederlagen am Stück, nachdem die Murrtaler die ersten vier Auswärtsspiele allesamt für sich entschieden hatten. Dafür hatte die TSG in drei der jüngsten vier Heimspiele die Nase vorne. „Sie stecken in einer Abwärtsspirale“, sagt Marinic über die Gäste aus dem Breisgau, die Viertletzter sind und fünfmal nacheinander verloren haben: „Es ist aber eigentlich ein junges, hungriges Team, das den Bock bei uns mit Sicherheit umstoßen will.“

Personal Sebastian Gleißner kehrt in den Kader zurück. Marcel Knauß, Michl Bauer, Mert Tasdelen und Christian Weiller sind verletzt. Patrick Tichy hat sich einen grippalen Infekt eingefangen. Zwei Akteure sind noch in Corona-Quarantäne.

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Erstellt:
29. Oktober 2021, 06:00 Uhr

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