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Lenz-Siebenmeter entscheidet den Krimi

HC Oppenweiler/Backnang gewinnt spannenden Drittliga-Vergleich gegen den TSB Horkheim in letzter Sekunde mit 32:31

Das war Nervenkitzel pur. Mit 32:31 hat der Handball-Drittligist HC Oppenweiler/Backnang den alten Rivalen TSB Horkheim bezwungen. Der neunfache Torschütze Marcel Lenz traf in der letzten Aktion per Siebenmeter zum zehnten Heimsieg der Saison. Es war die Krönung eines starken Endspurts, mit dem die Hausherren einen Drei-Tore-Rückstand aufholten.

Standen in den letzten Sekunden besonders im Blickpunkt: HCOB-Schütze Marcel Lenz und Horkheims Torwart Sven Grathwohl. Foto: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Standen in den letzten Sekunden besonders im Blickpunkt: HCOB-Schütze Marcel Lenz und Horkheims Torwart Sven Grathwohl. Foto: T. Sellmaier

Von Alexander Hornauer

Zum Unglücksraben auf Gästeseite avancierte Torwart Sven Grathwohl. Mitte der zweiten Halbzeit hatte er seinem Team mit mehreren Glanztaten einen Vorsprung ermöglicht. In den letzten Sekunden der Partie unterlief dem Ex-HCOB-Schlussmann an ehemaliger Wirkungsstätte aber ein folgenschwerer Fehler. Im finalen Angriff der Hausherren kullerte der Ball in seinen Wurfkreis, und um ein wenig Zeit von der Uhr zu nehmen, schnappte sich Grathwohl das Spielgerät. Für die Schiedsrichter ein klarer Fall: Verhinderung der Freiwurfausführung in den letzten 30 Sekunden. Rot für den Keeper, Siebenmeter für Oppenweiler/Backnang. Marcel Lenz trat an, nun gegen Yannick Hölzl. Die Zuschauer hielten den Atem an. Lenz blieb eiskalt. Während der Keeper abtauchte, jagte der HCOB-Schütze den Ball knapp unter der Latte in die Maschen – 32:31.

Mit dem Duell zwischen Lenz und Hölzl schloss sich auch der Kreis. Denn zu Beginn der Partie hatte der Keeper, der aus Kirchberg stammt und in der Jugend einige Jahre für den TVO spielte, zwei direkte Duelle mit dem Torjäger der Gastgeber für sich entschieden. Horkheim legte vor allem aufgrund der Paraden von Hölzl eine 3:1-Führung vor. Dann kam der HCOB, führte 5:3 und 10:7. Die Gastgeber hatten die Chance, sich weiter abzusetzen, vergaben aber viele Chancen und spielten in Überzahl nicht clever. Horkheim hielt dagegen, verkürzte immer wieder und setzte den letzten Akzent in Durchgang eins. Nick Fröhlich mit der Sirene – 16:16.

Nach dem Seitenwechsel machte wieder Oppenweiler/Backnang Druck. Felix Raff war kaum zu bremsen, es stand 19:16, das war vielversprechend. Aber Horkheim drehte die intensive Partie. Die Gäste machten in dieser Phase fast keinen Fehler, Routinier Oliver Heß ging als Anführer voran. Beim 21:21 hatten die Unterländer den Ausgleich hergestellt, dann setzten sie sich ab. Tobias Gehrke, kommende Runde spielt er für den HCOB, machte das 29:26. Horkheim hatte Klasse bewiesen, sich mit zehn starken Minuten in Position gebrachte. Der TSB war dem Sieg sehr nahe.

Matthias Heineke, Trainer der Hausherren, nahm schon zwölf Minuten vor dem Ende seine letzte Auszeit. Die fruchtete. Denn seine Mannschaft übernahm danach – gerade so, als habe es die Schwächephase zuvor gar nicht gegeben – wieder das Kommando. Eine starke Reaktion. Die Abwehr stand jetzt besser, und HCOB-Schlussmann Felix Beutel lief zur Hochform auf. Rückraumspieler Kevin Wolf beendete die Torflaute, Marcel Lenz traf zum Anschluss, dann erzielte Tim Düren vom Kreis den Ausgleich. 29:29. Die Gastgeber arbeiteten hinten weiterhin fleißig und wurden mit einem Konter belohnt, Lenz sorgte für das 30:29 und für Hochstimmung in der Gemeindehalle. Ruben Sigle legte nach, 31:29. Nun waren es die Hausherren, die die besseren Karten besaßen.

Aber es blieb spannend. Daniel Grosser verkürzte für Horkheim. Ein Tor von Timm Buck wurde nicht anerkannt – Stürmerfoul. Auf der Gegenseite holte Gehrke einen Siebenmeter heraus, Yannick Zerweck traf zum 31:31. Noch waren 40 Sekunden zu spielen und der letzte Angriff gehörte dem HC Oppenweiler/Backnang – der Rest: siehe oben.

HC Oppenweiler/Backnang: Beutel, Koppmeier – Lenz (9/6), Buck, Sigle (4), Wolf (3), Schöbinger, Prasolov (3), Strýc, Kuhnle (n.e.), Csauth (n.e.), Maurer (3), Raff (7), Köder (n.e.), Düren (3).

TSB Horkheim: Grathwohl, Hölzl – Gehrke (1), Reichert (4), Grosser (3), Fröhlich (3), Zeiler (2), Heß (6), Seiz (2/1), Matusik, Zerweck (8/2), Bohnenstengel (2).

Schiedsrichter: Gierke/Konwischny (Dachau). – Zuschauer: 650. – Siebenmeter: 6/6:3/4 (Seiz scheitert an Beutel). – Zeitstrafen: 8:10 Minuten (Prasolov, Raff, Strýc, Wolf – Grathwohl/nach Disqualifikation, Zeiler/zweimal, Fröhlich, Heß).

Hintergrund

Es war ein intensives Nachbarschaftsduell, und aus Sicht des HCOB mit dem perfekten Schlussakkord. Wie schon beim Heimspiel der Vorsaison war der letzte Wurf des Spiels zugleich der Wurf ins Glück. Damals hatte Ruben Sigle den Heimsieg gegen Horkheim per direkt verwandeltem Freiwurf erzielt. Für den sicheren Siebenmeterwerfer Marcel Lenz war es diesmal einfacher. Die Last, die auf seinen Schultern lag, war trotzdem nicht zu unterschätzen. Held oder nicht Held, das war die Frage. Der Schütze nahm es gelassen, lächelte vor dem Strafwurf gar, nahm Maß und traf.

TSB-Torwart Sven Grathwohl musste sich unterdessen Kritik seines Trainer Michael Schweikardt gefallen lassen: „Nichts anderes als Dummheit.“ Er ärgerte sich zudem, dass sein Team bei einer Drei-Tore-Führung plötzlich zu schnellen Abschlüssen neigte.

HCOB-Trainer Matthias Heineke urteilte: „Da war richtig Pfeffer drin. Wir waren 40 Minuten besser, haben aber aus unseren Chancen und dem Überzahlspiel zu wenig gemacht. Horkheim hat unsere Schwächen dann schnell genutzt. Aber wir haben ebenfalls sehr schnell ins Spiel zurückgefunden “

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Erstellt:
2. März 2020, 06:00 Uhr

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