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Löw zu seinem Sportunfall: „War nicht so ungefährlich“

dpa Hamburg. Mehr als fünf Monate war der Bundestrainer nicht bei seiner Nationalmannschaft. Nach der unfreiwilligen Rekordpause will Joachim Löw gleich zu Beginn der Länderspielsaison die Weichen zur EM 2020 stellen. Erstmals schildert er Details seines Hantel-Unfalls.

Hatte durch einen Sportunfall im Juni erstmals Spiele der Fußball Nationalmannschaft verpasst: Bundestrainer Joachim Löw. Foto: Federico Gambarini

Hatte durch einen Sportunfall im Juni erstmals Spiele der Fußball Nationalmannschaft verpasst: Bundestrainer Joachim Löw. Foto: Federico Gambarini

Joachim Löw kam beschwingt und voller Tatendrang in Hamburg an. Und erstmals gewährte der 59-Jährige vorm Teamhotel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft unweit der Alster Einblicke in die ganze Dramatik seines Sportunfalls.

Im Juni war Löw gezwungen erstmals in seiner 13-jährigen Bundestrainerzeit auf Länderspiele zu verzichten. Jetzt gehe es ihm aber wieder „soweit ganz gut“, beruhigte Löw: „Das war eine Vorsichtsmaßnahme im Sommer.“

Beim Krafttraining war es passiert, eine Hantel landete auf seinem Oberkörper. „Das hat mir das Brustbein gebrochen. Das war nicht das allergrößte Problem, sondern eine Arterie darunter war verletzt. Und die hat ein bisschen für Durchblutungsschwierigkeiten gesorgt. Die war eingerissen“, schilderte der Bundestrainer ganz sachlich - und gab zu: „Daher war es nicht so ungefährlich, aber das war relativ schnell wieder behoben.“ Er sei nun „mit großer Vorfreude“ nach Hamburg angereist, „weil die Mannschaft im Juni alleine war und ich einige Spieler nicht mehr gesehen habe seit März. Wir haben eine spannende und interessante Woche vor uns“, erklärte Löw.

Es geht in der EM-Qualifikation erst am Freitag vor eigenem Publikum gegen Erzrivale Niederlande. Und drei Tage später in Belfast gegen Tabellenführer Nordirland. Die Bilanz der DFB-Elf ist mit bislang drei Siegen makellos, die Perspektive ist bestens. Der gut erholte Rückkehrer Löw sieht nach seiner unfreiwillig langen Sommerpause beim Start in die EM-Saison trotzdem viel Arbeit vor sich. „Auf jeder Position müssen sich alle Spieler noch weiter verbessern. Wir wissen, was es nachher heißt, zur absoluten Spitze zu gehören bei einer EM“, mahnte der Bundestrainer vor dem Start in sein 14. Amtsjahr als Chef.

Der Neuaufbau im Jahr zwei nach dem WM-Desaster in Russland ist für den 59-Jährigen auch noch lange nicht abgeschlossen. „Wir sind vielleicht auf dem Weg wieder dahin, wo wir mal waren. Das dauert eine gewisse Zeit, das geht nicht von heute auf morgen“, sagte Löw. „Diese junge Mannschaft wird wieder ein bisschen brauchen, an Erfahrung, an Erfolgserlebnissen. Wir sind auf dem Weg dahin“, erklärte der Bundestrainer, der ausgerechnet auf seinen verletzten Top-Torschützen Leroy Sané lange verzichten muss.

Als erfahrener Stabilisator kehrt Toni Kroos nach seiner freiwilligen Juni-Auszeit zurück ins Team. Auch Torwart Marc-André ter Stegen ist als ehrgeiziger Herausforderer von Kapitän Manuel Neuer wieder im 22-Mann-Kader inklusive Neuling Luca Waldschmidt dabei. Und auch für Löw ist die ungewöhnlich lange Abstinenz von seiner Mannschaft vorbei, nachdem er im Juni seinem Assistenten Marcus Sorg die Chef-Rolle in Weißrussland (2:0) und gegen Estland (8:0) überlassen musste.

„Es war für mich sehr, sehr schwierig, zu Hause zu sein. Zum ersten Mal nicht bei Länderspielen dabei zu sein, ist eine ganz, ganz ungewohnte Situation“, erzählte Löw. Nervöser als sonst am Spielfeldrand habe er auf dem heimischen Sofa die Partien verfolgt. Erstmals in 13 Jahren als Bundestrainer war er bei einer Partie nicht im Stadion. Bei seiner Sperre im EM-Viertelfinale 2008 gegen Portugal (3:2) hatte er in Basel wenigstens in einer Loge mitfiebern können.

Auch die Spieler empfanden die Situation trotz der souveränen Siege als ungewöhnlich. „Wenn der Trainer fehlt, ist das Gefühl ein anderes. Es ist ungewohnt, wenn er fehlt, weil das war ja das erste und einzige Mal“, sagte Joshua Kimmich. Sein Bayern-Kollege Leon Goretzka vermutet nach Löws Fünf-Monats-Abstinenz viel Engagement: „Er freut sich sicherlich besonders“, sagte er. Und: „Natürlich ist das wichtig, dass der Trainer wieder da ist. Es war ja eine absolute Ausnahme, dass er gefehlt hat.“

Löw hat seine Regenerationszeit längst beendet. „Ich war im Sommer zweieinhalb Wochen auf Sardinien. Ich bin hochmotiviert“, sagte er. Von jedem Spieler ließ er in der Sommerpause ein Profil erstellen, um die Hebel nun richtig anzusetzen. Im Vergleich zum September 2018 hat der Rekord-Bundestrainer seine eigene Position total gefestigt. Vor genau einem Jahr war die Lage beim damaligen Neustart in die Nations League für ihn in den großen Turbulenzen nach dem Russland-Desaster durchaus noch prekär.

Mit Siegen gegen Oranje und die bisher viermal siegreichen Nordiren kann nun sogar das EM-Ticket praktisch schon fix gemacht werden. Das 3:2 im März in Amsterdam soll als Blaupause dienen. „Das tut der Mannschaft natürlich gut, weil sie neuformiert ist. Und wenn man solche Spiele wie gegen die Niederlande gewinnt, dann gibt das Kraft, dann gibt das Energie und den Glauben an sich selbst“, sagte Löw.

Der Auswärtssieg in Holland kurz nach der Ausmusterung der 2014-Weltmeister Mats Hummels, Thomas Müller und Jérôme Boateng verdeutlichte Löw aber auch die weiter vorhandenen Defizite. „In der zweiten Halbzeit waren wir schon auch wackelig und sind aus dem Konzept gekommen, wo wir unseren Faden verloren und unsere Abläufe nicht mehr gesehen haben. Das waren gute Ansätze, wo wir klar aufgezeigt bekommen haben, woran wir arbeiten müssen“, erinnerte Löw.

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Erstellt:
2. September 2019, 18:49 Uhr

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