Marc Erdmann: „Wir werden wieder eine schlagkräftige Truppe haben“

Interview Für den sportlichen Leiter des Fußball-Oberligisten TSG Backnang geht die Arbeit am künftigen Kader nach dem umjubelten Klassenverbleib nahtlos weiter.

Da geht es lang: Marc Erdmann hat als sportlicher Leiter der TSG klare Vorstellungen davon, was nach dem Klassenverbleib und den schmerzhaften Abgängen zu tun ist. Foto: Tobias Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Da geht es lang: Marc Erdmann hat als sportlicher Leiter der TSG klare Vorstellungen davon, was nach dem Klassenverbleib und den schmerzhaften Abgängen zu tun ist. Foto: Tobias Sellmaier

Sie haben in rund zehn Jahren als sportlicher Leiter der TSG Backnang mehrere Auf- und Abstiege erlebt. Wie ordnen Sie den jetzigen Oberliga-Verbleib ein?

Er gehört in dieselbe Kategorie wie die beiden Oberliga-Aufstiege. Vor allem, weil es aufgrund des großen Umbruchs und der Abgänge vieler Leistungsträger im vergangenen Sommer eine extrem schwierige Saison war. Vor diesem Hintergrund ist der Klassenerhalt nicht hoch genug zu bewerten.

Der Heimsieg gegen Rielasingen war ein Muss, hing nach dem Anschlusstor der Gäste in der Endphase aber am seidenen Faden. Was ging Ihnen durch den Kopf?

Da hat das große Zittern begonnen. Ich habe mich erinnert, wie wir in vielen Spielen geführt haben und sich das Blatt mit einem kleinen Nackenschlag gewendet hat. Dieses Szenario hatte ich teils vor Augen, aber das Team hat die Führung verteidigt und den Konter zum entscheidenden 3:1 gesetzt.

Als Sebastian Gleißner in der Nachspielzeit den Deckel draufmachte, gab es kein Halten mehr. Können Sie Ihre Gefühle in diesem Moment beschreiben?

Pure Freude, pure Ekstase. Es ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. Es war eine Befreiung für alle Beteiligten, denn wir wollten es unbedingt aus eigener Kraft schaffen.

Nun muss Rielasingen Großaspach die Daumen drücken. Wünschen auch Sie der SG den Aufstieg oder wollen Sie auf dieses Prestigeduell nicht verzichten?

Natürlich spielt man gerne solche Derbys. Ich drücke der SG Sonnenhof trotzdem die Daumen und wünsche ihr den Aufstieg. Sie hätte ihn nach dieser tollen Saison verdient. Mit Sebastian Gleißner und Mert Tasdelen verlassen weitere Leistungsträger den Verein, der Aderlass des Vorjahres setzt sich nahtlos fort. Wie schmerzlich sind speziell diese beiden Abgänge?

Wir verlieren mit ihnen wieder unheimlich viel Qualität. Das aufzufangen wird schwer, aber andererseits freut es mich für Mert Tasdelen sehr, dass er wohl vor dem Sprung in eine höhere Spielklasse steht. Das zeigt einmal mehr, dass man über die TSG in den Profibereich gelangen kann. Bei Sebastian Gleißner, der für mich einer der besten und technisch versiertesten Mittelfeldspieler in der Oberliga ist, sind es familiäre Gründe, die ihn zum Wechsel veranlasst haben.

Und dann ist da noch der von schweren Verletzungen gestoppte Michl Bauer.

Michl Bauer war für mich einer der besten Innenverteidiger in der Oberliga. Es tut mir unheimlich weh, für uns und für ihn persönlich, dass er in jungen Jahren von so schweren Verletzungen heimgesucht wurde und der Körper einfach nicht mitgemacht hat.

Mitsamt den Ergänzungsspielern wurden insgesamt acht Akteure verabschiedet. Gibt es noch weitere Abgänge?

Stand jetzt nicht. Sonst hätten wir die Spieler verabschiedet, wie wir es mit Mert Tasdelen kurzfristig auch noch gemacht haben. Wir wollten ihm diese Bühne geben und das hätten wir bei anderen Spielern auch getan.

Mit Niklas Mahler, Loris Hoffmann, Tim Pöhler, Lukas Hornek und Torwart Enrico Caruso stehen fünf Zugänge fest. Das reicht aber längst noch nicht, oder?

Nein, weder quantitativ noch qualitativ. Wir haben uns zuletzt voll auf das Spiel gegen Rielasingen konzentriert, davor aber noch das eine oder andere auf den Weg gebracht. Ich bin guter Dinge, dass wir in den nächsten Wochen weitere Personalien verkünden können, die uns auch weiterhelfen werden.

Ist der Abstieg aufgrund des Qualitätsverlusts nur aufgeschoben oder sind Sie guter Dinge, ein konkurrenzfähige Mannschaft auf die Beine zu stellen?

Wir werden wieder eine schlagkräftige Truppe auf das Feld schicken können. Wir haben unsere Hausaufgaben bereits gemacht und werden das auch weiterhin tun. Trotzdem zählt für uns auch in der neuen Saison nur der Klassenverbleib, nach den erneuten Abgängen kann es kein anderes Ziel geben.

Das Gespräch führte Steffen Grün.

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Erstellt:
30. Mai 2023, 06:00 Uhr

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