Menz erweitert ihre Titelsammlung

TSG-Judoka holt bei der deutschen Meisterschaft in Stuttgart das sechste Gold in Serie – Bronzemedaille für Backnangs Talent Grau

Sie ist nicht zu stoppen: Judoka Katharina Menz holte ihren sechsten deutschen Meistertitel in Folge. Die Backnangerin setzte sich in der Gewichtsklasse bis 48 Kilogramm in fünf Kämpfen durch. Talent Helena Grau schaffte die Sensation, schnappte sich Bronze in derselben Kategorie. „Zwei Medaillen für die TSG bei den deutschen Meisterschaften gab es erst einmal. Es ist toll und etwas ganz Besonderes“, freut sich Trainer Jens Holderle über den Erfolg seiner Schützlinge.

Behielt in allen fünf Duellen die Oberhand und schnappte sich in der Stuttgarter Scharrena damit die Goldmedaille: Katharina Menz (weißer Anzug) von der TSG Backnang. Fotos: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Behielt in allen fünf Duellen die Oberhand und schnappte sich in der Stuttgarter Scharrena damit die Goldmedaille: Katharina Menz (weißer Anzug) von der TSG Backnang. Fotos: A. Becher

Von Katharina Klein

Beim ersten Mal, als zwei Medaillen für die TSG-Judokas bei den deutschen Einzelmeisterschaften heraussprangen, waren es Felix Korthals und Katharina Menz, die absahnten. Menz verteidigte in der Stuttgarter Scharrena ihren Titel vom vergangenen Jahr und die vier vorherigen. Die sechste Goldmedaille um den Hals hängen zu haben, sei immer noch genauso schön wie die fünfmal davor. „Es sind jedes Jahr die gleichen unangenehmen Leute da und jeder erwartet, dass man wieder gewinnt, man selbst natürlich auch. Wenn es dann klappt, ist es toll“, erzählt die Nationalkaderathletin. Ein Zuckerschlecken war es für die 28-Jährige aber gewiss nicht, bis sie erneut auf dem höchsten Podest stand.

Fünf Kämpfe brachte sie erfolgreich hinter sich. In der ersten Runde hatte es Katharina Menz mit Melanie Gallmeier (Post Südstadt Karlsruhe) zu tun. Es war ein kurzes Vergnügen für die Zuschauer, denn in gewohnt schneller Manier hatte die Murrtalerin ihre Gegnerin mit einem Haltegriff fest am Boden fixiert. Das Duell war nach gut anderthalb Minuten vorbei. Dann folgte jedoch die höchste Hürde für Menz an diesem Tag. Laila Göbel (Judo-Team Hannover) wehrte sich nach Kräften. In den ersten vier Minuten sammelte die TSG-Vorzeigeathletin zwei Shidos. Als es in die Verlängerung ging, kam auch die zweite Strafe für Göbel. Ein drittes Shido für die Hannoveranerin machte Menz zur Siegerin – nach rund acht Minuten Fight. „Katharina stand in diesem Kampf mit dem Rücken zur Wand. Göbel konnte als junge Athletin befreit auftreten und hat ihr das Leben schwer gemacht. Dass sie die Nerven bewahrt hat und doch noch gewann, zeigt, wie mental stark Katharina ist“, lobt Holderle. Menz selbst sieht den Mammutkampf als Meilenstein auf ihrem Weg zum sechsten Titelgewinn an: „Ich habe mich schwergetan. Ich glaube, hier bin ich erst so richtig ins Turnier gestartet. Danach lief es gut und relativ entspannt.“

Das Viertelfinale bestritt sie gegen Lisanne Sturm vom Judo-Club Wiesbaden, legte diese mit einem O-Uchi-Gari (große Innensichel) aufs Kreuz und stand so im Halbfinale. Gegen Jasmine Seifert (KSV Budokan Heiligenstadt) gab es einen vorzeitigen Sieg durch einen Uchi-Mata, einen inneren Schenkelwurf. Ausgerechnet im Finale musste Menz gegen Mira Ulrich vom 1. Judo-Club Mönchengladbach ran. Die beiden Leichtgewichte begegnen sich seit Jahren auf der Matte und ärgern sich gegenseitig. „Als ich das wusste, war klar: Das ist meine Erzrivalin, da muss ich gewinnen“, lautete die Kampfansage von Menz. Ihr Ehrgeiz trug Früchte: Die Wertung für einen O-Uchi-Gari bedeutete die Entscheidung. „Ich habe Katharina vor dem Finale gesagt, sie soll ohne Druck kämpfen und auf ihre linke Hand aufpassen. Mehr braucht man ihr nicht sagen, sie weiß, wie sie kämpfen muss“, verriet Holderle nach dem Sieg im Kampf um Gold.

Vereinskameradin Helena Grau startete in derselben Gewichtsklasse. Die 18-Jährige war im Vorjahr bei ihren ersten deutschen Meisterschaften bei den Erwachsenen auf dem siebten Platz gelandet. Bronze in diesem Jahr ist damit ein deutlicher Fingerzeig in Richtung Spitze: „Es freut mich sehr, dass sie Platz drei geholt hat. Sie ist sehr fleißig und das zahlt sich aus“, betont TSG-Trainer Holderle. Nach einem Freilos in Runde eins traf Grau auf Jessica Lindner (ATV Dudweiler). Bereits nach einer halben Minute lag diese auf der Matte und Grau war weiter. Nun aber wartete die spätere Finalistin Mira Ulrich, gegen sie hatte Backnangs Nachwuchstalent das Nachsehen. „Helena hatte zu viel Angst vor Ulrich“, analysiert Jens Holderle.

Grau schöpfte aber schnell neuen Mut: „Ich wusste, dass es gegen Helen Schneider leichter wird, zu gewinnen und dass ich dann auch durch die Trostrunde komme.“ Gesagt, getan. Grau räumte nicht nur diese Rivalin vom JSC Heidelberg Rhein-Neckar, sondern auch Vivien Pacholleck vom 1. Judo-Club Märkisches Viertel aus dem Weg und stand somit im Kampf um Bronze gegen Jasmine Seifert (KSV Budokan Heiligenstadt). Seiferts dritte Strafe brachte Grau aufs Treppchen. „Ich wollte besser sein als letztes Jahr und war mental stärker. Vor dem letzten Kampf wusste ich, dass ich gewinnen muss. Ich freue mich mega, vor allem, weil viele nicht damit gerechnet haben und ich ohne Druck kämpfen konnte“, jubelte sie. Trainer Holderle ist begeistert von der Leistung der Mädels: „Ich bin ganz arg stolz auf beide. Es freut mich für sie und den Verein.“

Hatte nur gegen die spätere Silbermedaillengewinnerin Mira Ulrich das Nachsehen: Helena Grau (blauer Anzug). Das TSG-Talent landete hinter Menz und Ulrich auf dem starken dritten Platz.

© Sportfotografie Alexander Becher

Hatte nur gegen die spätere Silbermedaillengewinnerin Mira Ulrich das Nachsehen: Helena Grau (blauer Anzug). Das TSG-Talent landete hinter Menz und Ulrich auf dem starken dritten Platz.

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Weitere Podestplätze

Neben Katharina Menz und Helena Grau kletterten noch weitere Erstliga-Kämpferinnen der TSG Backnang auf das Podest. Sie starteten bei den deutschen Einzelmeisterschaften aber für ihre Stammvereine. Die Goldmedaille eroberte Luise Malzahn (SV Halle) in der Klasse bis 78 Kilogramm. Silber gab es für Nathalie Rouvière (TSV Großhadern, bis 52), Anna-Maria Wagner (KJC Ravensburg, bis 78), Sappho Özge Coban (Budo-Club Karlsruhe, bis 57) und Alina Böhm (Judozentrum Heubach, bis 70). Bronze sicherte sich Annika Würfel (VfK „Bau“ Rostock, bis 52).

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Erstellt:
28. Januar 2019, 06:00 Uhr

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