Mit dem Rad auf der Pferderennbahn

Tim Schlichenmaier aus Auenwald hat an einem speziellen Radrennen teilgenommen: Als Einlagerennen traten zehn Radrennfahrer auf dem sandigen Boden einer Traberbahn in Gelsenkirchen zunächst gegeneinander und dann auch gegen einen Traber an.

Rennfahrer gegen Traber: Andreas Mayr gewann das Duell nur knapp. Fotos: RC Olympia Buer

© Jan Melichar

Rennfahrer gegen Traber: Andreas Mayr gewann das Duell nur knapp. Fotos: RC Olympia Buer

Von Kristin Doberer

„Das hat wahnsinnig Spaß gemacht“, erzählt Radrennfahrer Tim Schlichenmaier, der BKZ-Sportler des Jahres 2019 ist, begeistert von dem ganz speziellen Dernyrennen. Denn in Ermangelung „richtiger“ Radrennen war er mit seinem Teamkollegen vom RSC Kempten, Andreas Mayr, zu einem Einlagerennen auf der Trabrennbahn in Gelsenkirchen eingeladen worden. Sein Radverein war schon öfter für Rennen in Nordrhein-Westfalen, einige Fahrer haben im vergangenen Jahr auf sich aufmerksam gemacht. Angesetzt waren zwei Läufe mit je zehn Runden auf der Trabrennbahn, zuerst ein Qualifikationslauf und dann der Hauptlauf. Die Radrennen fungierten als Rahmenprogramm zu dem eigentlichen Wettkampftag der Traber, an dem etwa 120 Pferde teilnahmen und der auch live im Fernsehen übertragen wurde.

Der sandige Untergrund der Rennbahn erschwerte das Fahren.

Die besondere Herausforderung: der Untergrund. Denn der Boden auf der Trabrennbahn besteht aus Sand. „Das war enorm schwierig“, meint Schlichenmaier. Zwar hat er mit seinem Teamkollegen die Bahn am Vortag noch getestet, doch bei dem eigentlichen Rennen war die Bahn dann viel sandiger als gedacht. „Mit unseren Rädern kommen wir in dem sandigen Untergrund kaum vorwärts. Da hatten die Teilnehmer mit einem Sandfahrrad einen klaren Vorteil.“

Auch deshalb sei es ihnen wichtig gewesen, im Qualifikationsrennen einen sehr guten Startplatz zu ergattern. Und das gelang ihnen auch. Mayr erkämpfte sich den ersten Platz, Schlichenmaier den vierten Rang von insgesamt zehn Startern. Gute Aussichten für das Hauptrennen. Doch hier lautete die Strategie: Erst mal hinten bleiben. „Ich habe gehofft, dass die Fahrer vor mir den Sand etwas fest fahren und aushärten“, erklärt Schlichenmaier. „Mich haben dann alle anderen überholt, lange war ich ganz hinten.“ Schlichenmaier hat seine Kraft aufgespart und erst zwei Runden vor Schluss hat er seinem Schrittmacher das Kommando zum Beschleunigen gegeben.

„Da habe ich alles gegeben, was geht. Ich glaube, die anderen Fahrer waren total überrascht.“ Denn für die letzten zwei Runden hat er die eigentliche Ideallinie verlassen und alle anderen neun Teilnehmer überholt. Gewonnen hat Schlichenmaier das Rennen dann sogar mit etwa 35 Metern Vorsprung, sein Kollege Mayr kam auf dem fünften Platz ins Ziel. „Das Rennen hatte für mich schon einen hohen Stellenwert“, so der Radfahrer. Zwar habe es auch ein Preisgeld gegeben, doch vor allem war es eines von nur sehr wenigen Rennen in dieser Saison. Statt den eigentlich 43 Rennen fanden im Coronajahr nur neun statt.

Tim Schlichenmaier (Mitte) mit seinem Schrittmacher auf der Trabrennbahn in Gelsenkirchen. Coronabedingt eines von nur wenigen Radrennen für den Sportler.

© jan melichar

Tim Schlichenmaier (Mitte) mit seinem Schrittmacher auf der Trabrennbahn in Gelsenkirchen. Coronabedingt eines von nur wenigen Radrennen für den Sportler.

Als Einlagerennen war anschließend noch der große Zweikampf zwischen Traber und Radrennfahrer angesetzt. In diesem sollte Mayr, begleitet von seinem Schrittmacher, auf gleicher Höhe mit dem Pferd starten und auf der Zielgerade gegen den Traber sprinten. Immer wieder hat es solche Rennen zwischen Traber und Radfahrer gegeben, am Ende setzte sich nun erstmals der Radsportler im Duell gegen den Traber durch. Kein leichter Sieg, denn Mayr hatte durchaus Respekt vor dem Tier. „Schon die Trabschritte und das Schnaufen des Pferds in unmittelbarer Nähe auf der Aufwärmrunde waren sehr Furcht einflößend“, so Mayr. „Als dann das Tempo angezogen wurde und mein Schrittmacher ausscherte, hörte ich nur noch das Pferd und es war wie im Verfolgungshorror in 4D.“

Der Ausrichter von diesem besonderen Rennen will im nächsten Jahr noch mehr davon veranstalten. Auf insgesamt fünf Trabrennbahnen sollen sich die Tiere die Bahn mit den Radrennfahrern teilen. „Es ist einfacher zu organisieren“, erklärt Schlichenmaier. Der geschlossene Veranstaltungsort sei von Vorteil, man müsse keine Straßen sperren, keine langen Gespräche mit den Gemeinden führen, um Einverständniserklärungen zu erhalten. Und auch die Zuschauermenge kann nach den Coronaverordnungen leichter reguliert werden. Auch Schlichenmaier will bei solchen Rennen weiter dabei sein. „Das war ein besonderer Höhepunkt in der Saison. Wir schauen gerade sogar nach speziellen Rädern für Sandbahnen.“ Diese haben breitere Reifen, kaum Profil und sind besser verdichtet, damit der Sand nicht überall hängen bleibt. Mit dem etwas anderen Highlight hat Schlichenmaier seine Saison für dieses Jahr beendet. Zwar finden noch wenige Bergrennen statt, doch dafür sei er nicht in der richtigen Verfassung.

Dernyrennen

Die Radrennfahrer sind auf der Trabrennbahn ein sogenannten Dernyrennen gefahren. Dernys sind Mofas, die als Schrittmacher vor den Radsportlern fahren, damit diese im Windschatten bleiben können.

Jeder Radfahrer hat einen eigenen Schrittmacher zugeteilt bekommen. Der Radfahrer gibt seinem Schrittmacher bestimmte Kommandos, wenn dieser schneller oder langsamer werden soll.

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Erstellt:
14. Oktober 2020, 06:00 Uhr

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