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Münchner Eurofighter

Nach dem epischen 3:3 von Amsterdam wartet der FC Bayern gebannt auf die Achtelfinal-Auslosung in der Champions League

Champions League - Im Achtelfinale der Champions League drohen dem FC Bayern der FC Liverpool oder Atlético Madrid als Gegner. Klar ist: Die Münchner müssen sich im Vergleich zum 3:3 bei Ajax mächtig steigern.

Stuttgart/Amsterdam Fußball kann ein ziemlich hartes Geschäft sein, auch für den Kopf. Da muss man schon wieder nach vorne schauen, sich der Zukunft und den möglichen Gegnern in der nächsten Runde widmen, dabei ist doch noch ein paar Minuten vorher so viel passiert, worüber man noch Stunden, Tage, ach was, Wochen reden und nachdenken könnte. Was man eigentlich erst mal verarbeiten muss, irgendwie.

Profis und Verantwortliche des FC Bayern München wagten also in der mitreißenden Champions-League-Nacht von Amsterdam den Spagat. Nachdem Thomas Müller vorher auf dem Platz den Kung-Fu-Treter gegeben hatte und mit Dunkelrot vom Platz flog. Nachdem das ganze Team sich in einem epischen Spektakel beim 3:3 gegen die junge, freche Ajax-Rasselbande mehrfach strecken musste. Nachdem das angeschlagene Münchner Schwergewicht taumelte und in den Seilen hing. Das dann aber im Stile eines alten, kühl berechnenden Champions zurückschlug und die flinken Ajax-Hüpfer zum Schluss durch den Ring trieb. Und das ganz am Ende, in Minute 95, also quasi in Runde 13, doch wieder einstecken musste.

3:3. Vier späte Tore. Ein Hin und Her. Zwei Rote Karten. Zwei Elfmeter. Eine Atmosphäre, so aufgeheizt und flirrend wie früher am Boxring von Kinshasa, als sich Ali und Foreman im legendären Rumble in the Jungle über die Bretter trieben. Auf und nieder, immer wieder. Schreie, Wut, Freude, Entsetzen. Fliegende Bierbecher. Offene Münder. Pure Emotionen. Was für ein Abend!

Und hinterher? Ging es ganz schnell nicht mehr um das Spektakel, das da gerade vonstattenging, sondern um das, was bald noch kommen wird für die Münchner, die sich durch das Unentschieden den Gruppensieg sicherten. „Es warten eh nur gute Teams auf uns“, sagte der Mittelfeldmann Leon Goretzka im Bauch der Arena mit Blick auf die möglichen Achtelfinalgegner, die Gruppenzweiten Manchester United, FC Liverpool, Tottenham Hotspur, Atlético Madrid, Olympique Lyon und AS Rom.

Goretzka dampfte noch. Er gab ein Bild ab, das jeden Physiker faszinieren dürfte. Runterkühlen von 100 auf null in ein paar Sekunden. Ein Faszinosum.

Kurz vorher noch brach die Welt zusammen, doch Leon Goretzka blickte schon in die Zukunft. Das können nur die Ausgebufften – Typen wie der Stürmer Robert Lewandowski, der das Geschehen in Amsterdams Johan-Cruyff-Arena so kühl und im Staccato-Takt abhakte wie ein Chirurg, der nach einer Zehn-Stunden-OP eben gleich das nächste Leben retten muss: „Die Partie ist ein sehr gutes Spiel zum Analysieren. Ich hoffe, dass wir nächstes Jahr in der Champions League besseren Fußball spielen. Es freut mich, dass wir Dinge verbessern können, denn das bedeutet, dass wir einfach noch besser Fußball spielen können.“

Immerhin: Es gab auch noch ein paar Münchner, die nicht so leicht zur Tagesordnung übergehen konnten. Der Sportchef Hasan Salihamidzic meinte, dass er mit Herzrhythmusstörungen ins Bett gehe. „Puh“, sagte der Sportdirektor noch. Und ja, er habe gelitten auf der Bayern-Bank. Aus guten Gründen.

Mittelfeldmann Joshua Kimmich lieferte am späten Abend den einen wichtigen, den übergeordneten Grund: „Ajax Amsterdam war ganz klar die bessere Mannschaft.“ Dem musste man zustimmen, denn was das Team des ehemaligen FC-Bayern-II-Trainers Erik ten Hag auf den Platz brachte, überforderte die Münchner.

Mit ihrem aggressiven Pressing jagten die Ajax-Jünger die Bayern über den Platz, mit ihren Passstafetten spielten die Talente das Münchner Establishment aus. Und in der zweiten Hälfte oft schwindelig. Insbesondere Jérôme Boateng gab da mal wieder ein verheerendes Bild ab, der nächste wirre Auftritt des Innenverteidigers gipfelte in einer dümmlichen Attacke im Strafraum, die zum Elfmeter und zur 2:1-Führung für Ajax führte.

Und sonst? Man habe die Partie „komplett aus der Hand gegeben“, sagte Salihamidzic, „das müssen wir cleverer machen.“ Damit widersprach der Sportchef dem Trainer Niko Kovac, der die Leistung nicht so kritisch sah: „Ich bin zufrieden. Es war eine starke Ajax-Mannschaft. Ich kann meiner Mannschaft nur ein Kompliment machen.“

Klar ist: Mit der Leistung gegen Ajax wird es im Achtelfinale gegen jeden Gegner schwer bis unmöglich weiterzukommen – insbesondere gegen die Konkurrenz aus Liverpool oder von Atlético.

An diesem Montag wird gelost. Auf zum nächsten Spektakel. Oder wie es Niko Kovac ausdrückte: „Das ist alles Topniveau, nicht nur europaweit, sondern weltweit. Wir werden uns strecken müssen.“

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Erstellt:
14. Dezember 2018, 03:14 Uhr

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