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„Neue Halle bietet neue Möglichkeiten“

Das Interview: Jonas Frank bastelt als Teammanager der HCOB-Handballer am Kader, entwickelt aber auch langfristige Ideen

Die Handballer des HC Oppenweiler/ Backnang haben gute Karten, ihre beste Drittliga-Saison seit dem Aufstieg 2015 zu spielen. Den nächsten Schritt will die Truppe am Samstag (20 Uhr, Gemeindehalle) daheim gegen Horkheim machen. Im Interview spricht Teammanager Jonas Frank (33) unter anderem über die Kaderplanung, die Bedeutung der Nachwuchsarbeit und die Möglichkeiten, die eine moderne Sporthalle bieten würde.

HCOB-Teammanager Jonas Frank zeigt sich mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden und blickt zuversichtlich in die Zukunft. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

HCOB-Teammanager Jonas Frank zeigt sich mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden und blickt zuversichtlich in die Zukunft. Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Möglichst rasch 25 Punkte zu sammeln, war vor der Runde das Ziel. Jetzt sind es schon 27 und noch sieben Spiele. Sind Sie rundum zufrieden oder wäre noch mehr drin gewesen?

Die 25 Punkte resultierten aus den Fehlstarts der vergangenen zwei Jahre. Man hat sich gesagt, es geht primär darum, diese Marke zu erreichen, und dann mal zu schauen, wo die Reise hingeht. Durch die Erfolgsserie vor Weihnachten sowie den guten Start ins neue Jahr sind wir rundum zufrieden und die Entwicklung zeigt auch, was mit einer gewissen Konstanz in der Dritten Liga machbar ist.

Ist es als aktueller Tabellensechster der Anspruch, nach drei zwölften Plätzen und einem neunten Rang nun die bislang beste Drittliga-Saison seit dem Aufstieg 2015 zu spielen?

Das muss das Ziel sein, denn keiner von uns möchte in den letzten sieben Spielen nachlassen. Zudem würde es bedeuten, dass wir bei jeweils 18 Erst- und Zweitligisten sowie vier Drittliga-Staffeln zu den Top 60 in Deutschland zählen würden. Das wäre eine deutliche Steigerung gegenüber den vergangenen Jahren und ein Beweis für die positive Entwicklung.

2017 und 2018 hielt der HCOB trotz zweier Fehlstarts mit 2:12 und 0:10 Punkten an Trainer Matthias Heineke fest. Zahlt es sich jetzt aus, damals die Ruhe bewahrt zu haben?

Ja, der aktuelle sechste Platz zeigt das auch. Wir wollen grundsätzlich Kontinuität bei den handelnden Personen – das gilt nicht alleine für den Trainer, mit dem wir sehr zufrieden sind, sondern wir haben sie seit Jahren auch schon mit unserem sportlichen Leiter Jochen Bartels. Wir haben Ruhe im Verein, das macht sich gerade in solchen Situationen bemerkbar. Wir sind gegen Schnellschüsse, weil eh nicht klar ist, ob ein Trainerwechsel per se eine Verbesserung bringt – zumindest nicht mittel- und langfristig.

Der Vertrag mit dem Trainer läuft ohnehin noch bis 2021, aber wie weit ist die Kaderplanung für die kommende Runde gediehen?

Wir sind ziemlich weit, in den nächsten ein, zwei Wochen können wir wohl noch weitere Verlängerungen verkünden. Der Stamm der Mannschaft bleibt erhalten, aber trotzdem wird es auch wieder die eine oder andere Veränderung geben.

Horkheims Rückraumspieler Tobias Gehrke ist der erste Zugang. Wie läuft die Suche nach einem Ersatz für Keeper Felix Beutel, der nach einem Jahr wieder geht, und auf welchen Positionen besteht noch Handlungsbedarf?

Weil ein erneutes Zweitspielrecht für Nikola Vlahovic aktuell kein Thema ist und er wohl nur noch für Bietigheim aufläuft, verlieren wir einen guten Abwehrspieler und Leistungsträger im linken Rückraum – das ist also eine Position, für die wir die Augen offen halten. Wenn sich da etwas ergibt, machen wir das auf alle Fälle.

Und die Suche nach einem Torwart...

Da gibt’s noch nichts Konkretes. Das ist eine Position, für die man sich die nötige Zeit nehmen und auch mal abwarten muss. Wir haben ja erst Ende Februar.

Die Zeiten, als Eigengewächse wie Sie und Ihre Brüder, Benjamin Röhrle oder Tobias Hold tragende Rollen einnahmen, scheinen vorbei zu sein. Muss man sich damit auf Drittliga-Niveau abfinden oder gilt es, die Nachwuchsarbeit wieder auf ein höheres Niveau zu hieven?

Sowohl als auch. Wir müssen die Nachwuchsarbeit wieder auf ein höheres Niveau hieven, aber ob das auch bedeutet, dass das Drittliga-Team wieder zu weiten Teilen aus Leuten aus Oppenweiler und Backnang besteht, steht auf einem anderen Blatt. Von den deutschen Top 60 waren wir zu unserer Anfangszeit nämlich ein Stück weg. Trotzdem muss es die HCOB-DNA sein, den Mix aus familiärem, traditionellem Charakter und professioneller Arbeit hinzubekommen.

Soll die Variante mit dem Zweitspielrecht, wie sie zum Beispiel derzeit noch mit Nikola Vlahovic vom Zweitligisten Bietigheim erfolgreich praktiziert wird, weiter forciert werden?

Wenn wir es alleine aus den eigenen Reihen nicht stemmen können, sind für uns Spieler der umliegenden Klubs mit Wurzeln in der Region natürlich hochinteressant. Nikola Vlahovic mit dem Zweitspielrecht, aber auch Felix Raff, der aus Bittenfelds Jugend zu uns kam, sind gute Beispiele für Talente, die bei uns in der Dritten Liga den Durchbruch geschafft haben. Ein Weg, den wir weiterhin gehen wollen, muss es sein, junge, gut ausgebildete Handballer aus der Region bei uns in den Aktivenbereich zu integrieren.

Sie selbst hatten nach der Vorsaison eigentlich aufgehört. Nun helfen Sie dem HCOB II in der Württembergliga, sich wenigstens noch für die neue Verbandsliga zu qualifizieren und nicht in die Landesliga zu müssen – weil das Team als Unterbau der Ersten so wichtig ist oder weil es Ihnen einfach in den Fingern gejuckt hat?

Wenn wir die Jugendarbeit intensivieren und den jungen Spielern eine Plattform bieten wollen, halte ich es für einen Riesenunterschied, ob unsere Zweite in der Verbands- oder in der Landesliga spielt. Um zudem die Türe zur Ersten offen zu halten, darf der Abstand zwischen den beiden Teams niemals zu groß sein. Darum geht es im Prinzip bei dieser Sache.

Macht es Ihnen nebenbei auch etwas Spaß?

Klar, sonst würde ich es nicht machen. Es geht für mich wie auch für unseren Torwart Stefan Merzbacher jedoch vor allem darum, den jüngeren Spielern zu helfen. Wir wollen die Mannschaft mit unserer Erfahrung in heiklen Situationen stabilisieren und dazu beitragen, dass es für die Verbandsliga reicht. Es ist aber nicht so einfach, denn man zieht an Weihnachten nicht mal eben kurz die Schuhe wieder an und spielt sofort ohne Probleme in der Württembergliga. Man muss schon auch ein bisschen trainieren, leider... (lacht)

Seit 2014 machen TVO und TSG als HCOB gemeinsame Sache. Haben Sie als alter TVOler, dessen Vater Spieler und Trainer in Oppenweiler war, sich an diese Spielgemeinschaft gewöhnt oder denken Sie noch in alten Mustern?

Ich war am Anfang total TVO-grün, habe mich aber tatsächlich daran gewöhnt. Der Handball hat sich auch in Backnang so etabliert, dass man nicht sagen kann, da spielt ein Fremdkörper in einer anderen Stadt. Es wird als eine Gemeinschaft wahrgenommen, obwohl man weiß, dass die Wurzeln des Leistungssports in Oppenweiler liegen, aber man braucht die Stadt, um sich weitere Ziele zu stecken.

Finden alle Heimspiele in Backnang statt, falls die neue Karl-Euerle-Halle wie geplant im September 2022 fertig ist, oder ist ein HCOB ohne Spiele auch in Oppenweiler völlig undenkbar?

Mit der lange überfälligen Multifunktionssporthalle in Backnang können wir Heimspiele auf einem anderen Niveau als bislang anbieten, vor allem für die Fans. Klar ist aber, dass wir auch Oppenweiler als Standort behalten wollen, weil es die Traditionsspielstätte des regionalen Handballs ist. Weil man das eine kriegt, soll und darf das andere nicht verloren gehen. Es stellt sich auch die Frage, wie der Zuschauerkomfort in der Gemeindehalle erhöht und die Problematik der begrenzten Anzahl an Sitzplätzen behoben werden kann – derzeit bietet Oppenweiler die bessere Infrastruktur, das wird sich wohl umdrehen. Es darf keine zu große Kluft zwischen beiden Hallen entstehen.

Ist die Dritte Liga für den HCOB das höchste der Gefühle oder ist ein Weg, wie in der TV Bittenfeld gegangen ist, auch hier vorstellbar?

Zweite Liga bedeutet Vollprofitum, von vier Drittliga-Staffeln geht es auf eine. Was wir derzeit anbieten, reicht nicht, so ehrlich muss man sein. Eine neue Halle bietet aber auch neue Möglichkeiten, die Infrastruktur ist die Basis, um über andere Dinge überhaupt zu reden. Wenn dann alle Beteiligten – der Verein, die Kommunen und die Sponsoren – bereit sind, die Sache weiterzuschieben, sind nach oben grundsätzlich keine Grenzen gesetzt.

Zur Person
Jonas Frank

Am 23. November 1986 geboren, ist der Weg von Jonas Frank zum TVO vorgezeichnet, denn sein Vater Martin Frank spielt für die Handballer aus Oppenweiler und trainiert sie später auch für längere Zeit.

Das Eigengewächs debütiert am 15. Januar 2005 im Regionalliga-Duell gegen Waiblingen im Trikot der TVO-Ersten. Für sie sowie den HCOB bringt er es in der Württembergliga, Baden-Württemberg-Oberliga (Wiederaufstieg 2013) und Dritten Liga (ab 2015) bis vergangenen Mai in zwölf Spielzeiten auf 251 Partien und 1325 Tore (davon 483 Siebenmeter). Abgesehen von seiner Zeit beim ATSV Stockelsdorf, als ihn der Beruf in den Norden verschlagen hatte, spielte Frank für keinen anderen Klub.

Vor dieser Saison steigt der langjährige Spieler als Teammanager ein. Er kümmert sich unter anderem um strategische Fragen rund um die Entwicklung von Verein und Team, um Organisatorisches sowie zusammen mit dem sportlichen Leiter Jochen Bartels auch um die Kaderplanung.

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Erstellt:
26. Februar 2020, 06:00 Uhr

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