Nichts wird’s mit dem erhofften einen Sieg

Die Judomänner der TSG Backnang beenden die Erste Bundesliga mit lediglich einem Punkt auf dem Konto als Tabellenletzter der Gruppe Süd. Weil der Verband allerdings auf einen Absteiger verzichtet, kämpft der Aufsteiger aus dem Murrtal eine weitere Saison in der ersten Liga.

Viermal auf der Matte und viermal als Sieger wieder runter: Roland Gőz (links), 22-jähriger Ungar in Backnanger Diensten. Foto: S. McGinley

© Sean McGinley

Viermal auf der Matte und viermal als Sieger wieder runter: Roland Gőz (links), 22-jähriger Ungar in Backnanger Diensten. Foto: S. McGinley

Von Katharina Riener

Mit einem Saisonsieg ist es für Backnangs Judomänner im ersten Jahr in der Ersten Bundesliga nichts geworden. Beim letzten Kampftag in Speyer schrammte die TSG beim 6:8 gegen den TV 1848 Erlangen aber nur knapp daran vorbei. Gegen den Gastgeber gab es beim 4:10 dagegen wenig zu holen. Trainer Jens Holderle zieht für den Aufsteiger trotzdem ein positives Fazit: „Aus dieser Saison können wir viel mitnehmen.“ Das übrigens weiterhin als Erstligist, gibt es diese Saison doch keinen Absteiger.

Für Backnang ging es zuerst gegen Erlangen. Nach einem Auftaktsieg der Franken gegen Jannis Pollak (Klasse bis 73 Kilogramm) glich Roland Gőz (bis 90) für die Schwaben aus. Die Kämpfe vier und fünf gingen an Erlangen. Kevin Gajt (66) startete zwar stark, konnte seinen anfänglichen Vorsprung jedoch nicht halten und verlor nach einem Schulterwurf (Seoi-nage). Benjamin Lütjens (über 100 Kilogramm) gab den Punkt kampflos ab. Spannend war es, als sich Csanád Feczkó (bis 60) ein Duell über acht Minuten und damit dem Doppelten der regulären Kampfzeit lieferte. Am Ende der nervenaufreibenden Ewigkeit brachte das Backnanger Leichtgewicht Dominik Röder mit einem Sode-tsuri-komi-goshi über die Hüfte zu Fall. Von diesem Kampfgeist gepackt trumpften nun Feczkós Mannschaftskollegen, die beiden Eigengewächse Andre Sträßer und Leon Maier, auf. Sträßer (bis 100) siegte nach kurzer Zeit mit Ippon und erzielte damit das 3:3. Maier (bis 81) warf seinen Gegner gleich zweimal und besorgte die Backnanger 4:3-Pausenführung. Danach gab es für die TSG allerdings nur noch zwei Punkte, die der erneut starke Gőz sowie Feczkó nach einem, so Holderle, „technisch sehr schönen Kampf“ bis in die Verlängerung einsammelten. Von den übrigen TSG-Judokas punktete allerdings keiner mehr, sodass es am Ende dann doch 8:6 für Erlangen hieß.

Das Team aus dem Murrtal ärgert sich wegen des knapp verpassten Sieges

Ein wenig ärgerten sich die Backnanger. Entgegen der ursprünglichen Erwartungen war doch mehr drin. Holderle hätte seinem Team den Sieg jedenfalls gegönnt: „Auch wenn ich mit dem Ergebnis nicht ganz zufrieden bin, kann man keinem der Kämpfer vorwerfen, nicht alles gegeben zu haben.“

Wesentlich klarer war das TSG-Duell mit den Hausherren, die zuvor Erlangen schon mit 12:2 aus dem Weg geräumt hatten. Der ehemalige deutsche Meister Philipp Müller holte gegen Etienne Zeiger (73) den ersten Punkt für Speyer. Niklas Kern (90) glich für Backnang mit zwei Waza-ari-Wertungen gegen David Riedl aus. Kevin Gajt (66) hatte viele Chancen, nutzte davon aber keine. Benjamin Lütjens hob in der Kategorie über 100 Kilogramm erneut die Hand. Csanád Feczkó (bis 60) verletzte sich gegen Irakli Kupatadze an der Schulter und musste sich daraufhin geschlagen geben. Backnangs zweiten Punkt holte per Ippon der 22-jährige Ungar Roland Gőz (bis 100), der für TSG-Coach Holderle ohnehin „längst eine Klasse für sich ist“. Nach der Niederlage von Tobias Wirth (81) hieß es zur Halbzeit dennoch 5:2 für den JSV Speyer.

Allerdings sorgte zum Auftakt des zweiten Durchgangs Paul Bobert (bis 73) für Backnanger Jubel, als er Darius Kallenbach vorzeitig bezwang und auf 3:5 verkürzte. Andre Sträßer (90) bot seinem Gegner trotz Nasenblutens bis in den Golden Score Kontra, ehe er David Riedl schlussendlich unterlag. Erneut war es Gőz (bis 100), der für die TSG punktete, als er auch seinen vierten Gegner an diesem Tag bezwang und damit den vierten Zähler für den Aufsteiger aus dem Murrtal erkämpfte. Mehr ging aber nicht und am Ende hieß es 10:4 für die Gastgeber. Für Holderle kein Beinbruch, sei Speyer doch Tabellenvierter und „hatte heute die stärkere Mannschaft am Start“.

Bemerkbar machte sich auch am letzten Kampftag, wo die TSG schon die gesamte Saison wortwörtlich zu dünn besetzt ist: in den Klassen bis und über 100 Kilogramm. Holderle weiß, dass man sich ohne Schwergewichte „schwertut gegen Mannschaften, die durch die Bank alles besetzt haben“.

Jens Holderle lobt den Zusammenhalt und die Moral seiner Mannschaft

Obwohl der Neuling ohne Saisonsieg blieb und mit nur einem Punkt die Runde als Letzter der Gruppe Süd abschloss, ist Backnangs Coach mit dem Auftreten seiner Judokas nicht unzufrieden. Das Team habe Moral und echten Zusammenhalt bewiesen. „Wir haben echt alles gegeben.“ Zudem hat der abschließende Kampftag Holderle vor Augen geführt, „wie sehr sich viele Kämpfer im Vergleich zum Beginn der Saison gesteigert haben“. Das freue ihn total. Beim zweiten Start in der ersten Liga in der Vereinsgeschichte habe die junge Mannschaft aus den Duellen mit etablierten und teilweise sehr renommierten Gegnern viel mitnehmen können, so der Coach. Und: „Alles Weitere sehen wir dann nächste Runde.“

Nur Aufsteiger

Abstiegsregelung Obwohl der Neuling aus dem Murrtal die Saison in der Gruppe Süd als Zehnter und damit Tabellenletzter abschloss, kämpft die TSG auch nächste Saison in der Ersten Bundesliga. Wegen Corona und anderer Widrigkeiten für die Vereine „haben wir den Abstieg diese Runde ausgesetzt“, bestätigt Kim Linnebacher, Referentin für Leistungssport beim Deutschen Judo-Bund. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass es nächste Saison mit demselben Starterfeld weitergeht. „Wenn die Klubs hoch wollen, dann gibt es Aufsteiger aus der Zweiten Bundesliga“, so Linnebacher. Infrage kommen dafür vor allem die drei Meister Remscheid (Gruppe Nord-West), Berliner KG (Nord-Ost) und Karlsruhe (Süd).

Meisterschaft Der deutsche Mannschaftsmeister wird bei den Männern nun in einem sogenannten Final Four ermittelt. Qualifiziert für die Finalrunde am 14. November in Leipzig sind die beiden Erstplatzierten der Süd- (Esslingen und Abensberg) sowie der Nord-Gruppe (Hamburg und Potsdam).

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Erstellt:
5. Oktober 2021, 06:00 Uhr

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