Noch bleibt Jana Scheib nur das Mitfiebern aus der Ferne

Mit dem Wechsel vom Kellerkind Bad Wildungen zum ambitionierten Bundesligisten TuS Metzingen hat die 23-jährige Handballerin in ihrer Laufbahn die nächste Stufe erklommen. Beim Thema Nationalmannschaft ist die drittbeste Werferin der Torschützinnenliste der vergangenen Saison allerdings nicht weitergekommen.

Jana Scheib bejubelte in den bisherigen acht Bundesliga-Partien für Metzingen bisher 29 Saisontore, die sie erzielte. Foto: Imago

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Jana Scheib bejubelte in den bisherigen acht Bundesliga-Partien für Metzingen bisher 29 Saisontore, die sie erzielte. Foto: Imago

Von Uwe Flegel

„Im Bus“, lautet Jana Scheibs Antwort auf die Frage, wo sie heute gegen 18 Uhr den Auftritt der deutschen Nationalmannschaft bei der Frauen-Weltmeisterschaft verfolgt. Für die vom TV Oppenweiler stammende Handballerin bleibt trotz der Pause in der Ersten Bundesliga keine Zeit, um die Füße hochzulegen. „Wir haben mit Metzingen ein Freundschaftsspiel in Truchtersheim“, erzählt die 23-Jährige. Sie geht allerdings davon aus, dass sie und ihre Mitspielerinnen das Hauptrundenduell der DHB-Auswahl mit Rumänien „während der Fahrt gemeinsam anschauen“. Zeit dazu hat sie zur Genüge. Immerhin trennen fast 200 Autobahnkilometer den französischen Erstligisten aus der Nähe von Straßburg von der schwäbischen Outlet-Hochburg und den sogenannten „TuSsies“, wie sich das Frauenteam der TuS Metzingen selbst bezeichnet.

Von Nordhessen an den Fuß der Schwäbischen Alb

Seit diesem Sommer ist die Kleinstadt am Fuß der Schwäbischen Alb das sportliche Zuhause der jungen Frau aus dem Murrtal. Nach vier Jahren bei der nordhessischen HSG Bad Wildungen Vipers will sie nun in der württembergischen Heimat den nächsten Schritt in ihrer Karriere machen. Statt ständig schauen zu müssen, wie groß der Vorsprung auf die Abstiegsplätze ist, geht sie nun bei einem Verein auf Torejagd, der „die um die internationalen Plätze mitspielen will“, wie die Tochter des TVO-Rekordtorschützen Bernhard Scheib erklärt.

Dafür wäre für den derzeitigen Tabellensechsten ein Platz unter den besten vier oder ein Sieg im DHB-Pokal nötig. Wobei dort eventuell schon der Einzug ins Finale reicht, sofern es dort gegen die SG Bietigheim geht. Denn die hat eigentlich ein Dauerabo als Deutscher Meister, startet als solcher in der Champions League und würde deshalb den Platz in der European League frei machen, der für den deutschen Pokalsieger vorgesehen ist. Zumindest fürs Final Four Anfang März in Stuttgart haben sich Scheib und Kolleginnen schon qualifiziert.

Ein Platz in der European League ist das große Ziel

Noch sind „unsere sicherlich ambitionierten Ziele“ also machbar, weiß die 1,80 Meter große Rückraumspielerin. Entsprechend viel Schweiß fließt deshalb gerade. „Pro Woche haben wir zehn Trainingseinheiten“, berichtet die Linkshänderin, die vor sechs Jahren großen Anteil daran hatte, dass Deutschland U-17-Europameister wurde. Hinzu kommt bei ihr noch ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an einer Hamburger Fernuni. Viel Freizeit bleibt da nicht mehr. „Ich bin schon sehr eingespannt“, sagt Jana Scheib und ist entsprechend froh, dass sie nun nur noch eine gute Stunde mit dem Auto von Familie, Freunden und Freundinnen entfernt ist. Etwas, das sie in ihrer Zeit in Nordhessen durchaus das eine oder andere Mal vermisst hat. Der Wechsel zum EHF-Pokalfinalisten von 2016 war auch in der Hinsicht ein Pluspunkt oder wie Jana Scheib sagt: „Ich bin nun schon sehr oft zu Hause, das ist für mich zusätzliche Lebensqualität.“ Weihnachten zum Beispiel kann sie nun bei den Eltern verbringen, ohne wegen des Auswärtsspiels der „TuSsies“ am 27. Dezember im ostwestfälischen Blomberg in Stress zu geraten.

Auf den Anruf des Bundestrainers wartet sie bislang vergebens

Entscheidend für die Rückkehr ins Schwäbische war aber vor allem die sportliche Seite für die drittbeste Bundesliga-Torschützin der Vorsaison. Nur die beiden Oldenburgerinnen Merle Carstensen (172 Treffen) und Toni-Louisa Reinemann (164) waren erfolgreicher als Scheib (157). Für sie hat sich der große Traum von der Nationalmannschaft trotzdem noch nicht erfüllt. „Ich denke, dass das weit weg ist“, bekennt sie und erklärt: „Ich habe vergangene Runde Superleistungen gezeigt, wurde dennoch aber nie zu einem Lehrgang eingeladen.“

Erfreut ist sie darüber logischerweise nicht, runter ziehen lässt sie sich davon aber auch nicht. „Ich fiebere mit und freue mich für meine Metzinger Mitspielerinnen Maren Weigel und Jule Behnke sowie Sarah Wachter.“ Mit der aus Remshalden stammenden Torhüterin von Borussia Dortmund ging Scheib drei Jahre zusammen in Stuttgart auf die Cotta-Schule. Nun stehen sich die 23-Jährige aus dem Remstal und die 23-Jährige aus dem Murrtal als Gegnerinnen in der Ersten Bundesliga gegenüber.

Will sie die ehemalige Schulkameradin heute sehen, dann müssen sie und ihre Mitfahrerinnen im Bus, allerdings erst einmal ein paar Euro berappen. Der Livestream der WM in Dänemark, Schweden und Norwegen ist kostenpflichtig. Bisher hat sich Jana Scheib das Geld gespart, schließlich waren die Duelle mit Vorrundengegnern wie Japan, dem Iran und selbst auch Polen nicht so prickelnd. Zudem haben „wir selbst trainiert“. So gesehen ist eine lange Busfahrt ins Elsass ja fast schon ein Glücksfall, bleibt dabei doch genug Zeit, die Füße hochzulegen und im Internet Handball zu schauen..

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Erstellt:
7. Dezember 2023, 06:00 Uhr

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