Nur die Kaltschnäuzigkeit fehlt ihm noch

Aspachs Offensivspieler Makana Baku hat schon vieles von dem, was noch weiter oben gefragt ist – Debüt in der deutschen U 20

Er ist pfeilschnell und kann den Kontrahenten mit seinen Dribblings einen Knoten in die Beine spielen. Stärken, die Makana Baku von Aspachs Drittligafußballern die Berufung ins deutsche U-20-Nationalteam einbrachten, in dem er am Donnerstag beim 3:3 in Italien sein Debüt feierte. Was ihm abgeht, ist die Kaltschnäuzigkeit vor dem Kasten. Eignet sich Baku die noch an, dürfte die SG Sonnenhof nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu höheren Aufgaben bleiben.

Schwer vom Ball zu trennen: Aspachs pfeilschneller Dribbler Makana Baku (links). Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Schwer vom Ball zu trennen: Aspachs pfeilschneller Dribbler Makana Baku (links). Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Vor fünf Jahren war Makana Baku schon einmal ins DFB-Blickfeld gerückt, in der U 15 blieb er aber ohne Einsatz. Als ihn nun der Anruf des deutschen U-20-Nationaltrainers Meikel Schönweitz erreichte, „war ich sehr überrascht, damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet“. Als er sich am Donnerstag in Italien zum ersten Mal das Trikot mit dem Adler auf der Brust überstreifte und 20 Minuten vor Schluss eingewechselt wurde, „war das am Anfang ein komisches Gefühl, aber auf dem Platz habe ich alles hinter mir gelassen und mich voll aufs Spiel konzentriert. Ich kam gut rein und bin mit der Leistung zufrieden.“ Für die Partie am Montag um 20 Uhr in England, wo das Team gestern Abend eingetroffen ist, spekuliert der 20-Jährige auf mehr als einen Kurzeinsatz. Er wolle sich im Training aufdrängen. „Dann hoffe ich, dass ich in der Startelf stehe“, sagt der gebürtige Mainzer mit Wurzeln im Kongo.

Traurig findet es Makana Baku, der von allen „Rudi“ gerufen wird, lediglich, dass sein Zwillingsbruder Ridle nicht dabei ist. Dem wäre die Nominierung ohne den vor dreieinhalb Wochen erlittenen Syndesmoseriss wohl sicher gewesen, denn er hatte sich in der Mainzer Bundesliga-Truppe einen Stammplatz erobert und zählt zu den deutschen Vorzeigetalenten in dieser Altersklasse. Ridle ist Rudi momentan also einen Schritt voraus, doch Aspachs Baku weiß, woran er zu arbeiten hat, um das wieder zu ändern: „Der Torabschluss ist noch eine Schwäche von mir, aber ich arbeite daran und denke, dass ich auf einem guten Weg bin.“ Für ihn stehe der Mannschaftserfolg ohnehin über allem und „ein Pass, der ein Tor einleitet, ist genauso viel wert“. In allen 15 Drittliga-Partien der SG Sonnenhof in dieser Spielzeit kam der Offensivakteur zum Einsatz, zwölfmal in der Startelf, dreimal als Joker. Seine Bilanz: Zwei Treffer, zwei Vorlagen. Da gehe noch mehr, meint Baku selbst, arbeitet daran und beschäftigt sich mehr damit als mit seinen mittelfristigen Perspektiven: „Erst am Ende der Saison setzen wir uns mal zusammen und schauen, was möglich ist.“

Sehr viel, davon ist Joannis Koukoutrigas komplett überzeugt. Und das hat laut Aspachs Sportchef nicht zuletzt auch mit den menschlichen Eigenschaften und der Einstellung des Flügelflitzers zu tun, der seit Juli 2017 im Fautenhau wirbelt: „Er kam als Typ von Anfang an gut an, die Mannschaft mag ihn und hilft ihm. Er ist sehr geradlinig und fleißig, arbeitet zum Beispiel auch auf eigene Faust an der Athletik.“ Die Nominierung für die deutsche U 20 sei der Lohn dafür und mache auch den Klub „stolz, weil es zeigt, dass bei der SG Sonnenhof gute Arbeit geleistet wird“.

Höherklassige Vereine zeigten

bereits Interesse an Makana Baku

Koukoutrigas verschweigt bei allen Lobeshymnen auf Makana Baku jedoch auch nicht, an welchen Punkten der hoch talentierte Spieler in seinen Augen noch Nachholbedarf hat: „Er muss beim letzten Pass und seinem Abschluss noch präziser werden sowie nach Ballverlusten noch schneller auf die Defensive umschalten. Das sind aber alles Dinge, die er rasch lernen wird – dann bin ich gespannt, wohin sein Weg führt.“ Nach seiner völligen Überzeugung nach oben, daran lässt der SG-Funktionär keinen Zweifel zu. Baku habe schließlich auch schon „brutale Stärken, die man so in der Bundesliga sieht, sein Eins-gegen-eins und seine Schnelligkeit“. Es habe bereits im vergangenen Sommer Interesse von höherklassigen Vereinen gegeben und wenn sich der Spieler so wie zuletzt weiterentwickle, „werden spätestens im Sommer 2019 wieder Anfragen aus der Ersten und Zweiten Bundesliga kommen. Ich sehe, welche Scouts bei uns auf der Tribüne sitzen.“ Bakus eigentlich nach dieser Saison auslaufender Vertrag in Aspach verlängert sich automatisch, wenn er noch eine Drittliga-Partie für die SG Sonnenhof bestreitet. Dann haben die Schwaben die Hand drauf, wohin sie ihn ziehen lassen, innerhalb der Dritten Liga auf gar keinen Fall, wie Koukoutrigas versichert. Dafür sei Makana Baku zu gut, was dieser auch am Montag in England beweisen möchte.

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Erstellt:
17. November 2018, 06:00 Uhr

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