Nur drei Kampftage und viele Änderungen

Neue Runde, neues Meisterglück? Die Judofrauen der TSG starten am Samstag in die Bundesliga-Saison. Das Team holte 2017 und 2018 den Titel, 2019 wurde es Vizemeister. Nun wird alles anders. In drei Kampftagen wird das beste Team gefunden, die Play-offs gibt es nicht mehr.

Die Olympia-Dritte Sanne van Dijke (schwarze Judojacke) aus den Niederlanden wird in der Bundesliga für die TSG zupacken. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Die Olympia-Dritte Sanne van Dijke (schwarze Judojacke) aus den Niederlanden wird in der Bundesliga für die TSG zupacken. Foto: A. Becher

Von Katharina Klein

„Wir werden versuchen, so weit wie möglich nach vorne zu kommen“, definiert Trainer Jens Holderle das Saisonziel. Es war ein Herzschlagfinale im November 2019, als die Backnanger Judofrauen um ihren dritten Titel in Folge kämpften. Knapp ging dieser damals trotz Gleichstands an den JSV Speyer. Zu dieser Zeit war noch vieles ganz anders. In der Süd- und Nordgruppe wurden zunächst die besten Teams herausgesiebt, um bei der Finalrunde um die Meisterschaft zu kämpfen. Nun gibt es überhaupt nur noch sieben Erstliga-Frauenteams in Deutschland, sodass die Gruppen zusammengelegt, die Begegnungen an nur drei Kampftagen ausgetragen und direkt die deutschen Meisterinnen ermittelt werden.

Angesichts dieses Umstands und der langen Coronazwangspause, weiß Trainer Holderle nicht so recht, wie er die Saison einschätzen soll: „Es wird eine Wundertüte. Man hat viele Kämpferinnen, auch die der gegnerischen Teams, lange nicht kämpfen sehen. Es ist sehr schwer einzuschätzen, wer welchen Trainingsstand hat.“ Gleichzeitig stelle der Modus die Teams vor Herausforderungen, wie er erklärt: „Wenn wir einmal verlieren, könnte es schon vorbei sein mit dem Titel. Außerdem muss, je nach Besetzung, eine Person bis zu vier Kämpfe absolvieren. Das wird anstrengend.“

Es hat sich einiges getan im Kader der TSG. Zu den prominenten Abgängen zählen Tina Trstenjak, die in Tokio Olympia-Silber holte, und Charline Van Snick, die Olympia-Dritte von 2012. Neu in der Mannschaft findet sich dafür unter anderem die Niederländerin Pleuni Cornelisse, die bei den European Open in Prag im Februar die Goldmedaille in der Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm gewann. Viktoria Folger wird als vielversprechende Nachwuchskämpferin die Gewichtsklasse bis 63 Kilogramm verstärken. Das starke Gros aus den Topkämpferinnen der vergangenen Jahre mit den Olympia-Starterinnen Katharina Menz (bis 48), Martyna Trajdos (bis 63), Luise Malzahn und Anna-Maria Wagner (beide bis 78) bleibt unverändert. Hinzu kommen Eigengewächse wie Tanja Hehr, die bei den deutschen Meisterschaften die Bronzemedaille in der Klasse über 78 Kilogramm gewann. Auch Nachwuchskämpferin Helena Grau (bis 48) steht wieder auf der Liste. So will sich das Team an drei Kampftagen ihren Gegnerinnen stellen.

Nur drei Kampftage und viele Änderungen

Zu Beginn treffen die TSG-Frauen am 18. September daheim in Backnang auf den BC Karlsruhe und den JC 71 Düsseldorf. Für direkte Titelfavoritinnen hält Holdere beide nicht, aber er warnt: „Man darf die Teams nicht unterschätzen. Vor allem Düsseldorf hat sich verstärkt. Wir werden abwarten müssen, wie wir aufgestellt sind“, so der Trainer. Besonders einer möglichen Begegnung mit der Olympia-Dritten Darja Bilodid (bis 48) sieht er beim Duell mit Düsseldorf sorgenvoll entgegen: „Wenn sie da ist, wird es knackig.“ An Kampftag Nummer zwei, der am 2. Oktober in Speyer ausgetragen wird, trifft die TSG auf die Gastgeberinnen vom JSV Speyer sowie auf das JT Hannover. Bei Speyer braucht es eigentlich nicht vieler Worte. Der Dauerrivale der TSG ist auch in diesem Jahr für Holderle Favorit für den Titel: „Speyer hat niemanden im Team, der schwach ist. Sie sind durch die Bank bockstark mit aktuellen Topkämpferinnen besetzt.“ Etwas einfacher sollte es gegen Hannover werden – ein solides Team, das den Coach aber nicht aus der Ruhe bringt: „Es ist ein Team mit Potenzial. Sie haben wenige Kämpferinnen, dafür aber gute.“

Zu Ende geht die Saison am 6. November in Bottrop. Dort stellt sich Backnang der HTG Bad Homburg und dem JC 66 Bottrop. Es wird ein gemischtes Kampfgeschehen, schätzt Holderle: „Bad Homburg hat eine durchwachsene Truppe, aber keine großen internationalen Namen. Gegen Bottrop haben wir hingegen immer knapp gewonnen, das wird kein Selbstläufer“, so seine Einschätzung. Bei Bad Homburg könnte Julie Hölterhoff als Dauerkonkurrentin von Luise Malzahn oder Anna-Maria Wagner gefährlich werden. Bottrop kann mit der WM-Fünften Miriam Butkereit (bis 70) und Guusje Steenhuis, die für die Armverletzung von Anna-Maria Wagner bei den Olympischen Spielen verantwortlich ist, aufwarten. Große Aufgaben stehen also vor dem Backnanger Team. Bescheiden definiert Trainer Holderle das Saisonziel: „Man hat in der Vergangenheit gesehen, wie knapp es zugehen kann. Keine Finalrunde heißt dieses Mal keine Ausrutscher.“

Kader

Gewichtsklasse bis 48 Kilogramm

Helena Grau, Katharina Menz, Nikita Krieger, Sarah Hermann, Andrea Stojadinov

Gewichtsklasse bis 52 Kilogramm

Annika Würfel, Chiara Serra, Julia Mollet, Nathalie Kolein

Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm

Vera Dworaczyk, Amelie Stoll, Bettina Bauer, Theresa Stoll, Caroline Fritze, Ines Beischmidt, Pleuni Cornelisse

Gewichtsklasse bis 63 Kilogramm

Malin Fischer, Lubjana Piovesana, Martyna Trajdos, Viktoria Folger, Mirjam Wirth, Friederike Stolze

Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm

Sarah Mehlau, Anne-Katrin Lisewski, Antoinette Hennink, Sanne van Dijke, Sarah Mäkelburg

Gewichtsklasse bis 78 Kilogramm

Daria Pogorzelec, Anna-Maria Wagner, Alina Böhm, Lisa Dollinger, Luise Malzahn, Patricia Fernandes Sampaio, Raffaela Igl

Gewichtsklasse über 78 Kilogramm

Iryna Kindzerska, Jasmin Delorme, Larisa Ceric, Tanja Hehr, Renée Lucht, Anamari Klementina Velenšek

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Erstellt:
16. September 2021, 16:00 Uhr

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