Offensive Stärke bewahren, Defensive verstärken

Handball-Drittligist HC Oppenweiler/Backnang will aus den Problemen der Vorsaison Lehren ziehen und mit einer besseren Abwehr früh viele Punkte einsammeln

Der HC Oppenweiler/Backnang möchte in der kommenden Drittliga-Saison von Beginn an im Mittelfeld mitspielen. Trainer Matthias Heineke hat mit seinem Team deshalb in der Vorbereitung viel an der Abwehr gearbeitet. Steht die besser als zuletzt, ist viel gewonnen – wenn es zugleich gelingt, den offensiven Schwung der Vorsaison auch in der neuen Runde aufs Feld zu bringen.

Weiterhin mit einem Zweifachspielrecht ausgestattet, künftig aber noch regelmäßiger beim HCOB dabei: Rückraumspieler Nikola Vlahovic. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Weiterhin mit einem Zweifachspielrecht ausgestattet, künftig aber noch regelmäßiger beim HCOB dabei: Rückraumspieler Nikola Vlahovic. Foto: A. Becher

Von Alexander Hornauer

Der Blick zurück und nach vorne: Die vergangene Spielzeit war vom Abstiegskampf geprägt, am Ende ging es – der Sieg in Dansenberg war ausgesprochen wichtig – doch ohne größeres Zittern bis zum letzten Spieltag ab. HCOB-Trainer Matthias Heineke erklärt, was man aus der Vorsaison mitnehmen kann – auch und gerade mit Blick nach vorne: „Positivste Erkenntnis ist sicher, dass wir stark zusammengehalten haben und unter schwierigsten Bedingungen den Klassenverbleib geschafft haben. Wir hatten einen riesen Umbruch, viel Verletzungspech, einige Spieler, die nur selten trainieren konnten, und dazu einen missratenen Start in die Runde. Da muss man es erst mal schaffen, ruhig zu bleiben und in die eigene Stärke zu vertrauen. Natürlich wünscht man sich nur erfolgreiche Zeiten, aber die Talsohlen, die man miteinander durchschreitet, sind es, die einen stärker machen und ein Team sehr eng zusammenschweißen.“

Die Integration der neuen Spieler: Auch in der kommenden Runde will der HCOB über das Kollektiv kommen. Deshalb ist die Integration der Neuen wichtig. Trainer Heineke sagt zum Ende der Vorbereitung: „Menschlich war es kein Problem, weil die Neuen in ein homogenes Gebilde kommen. Sie sind Teamplayer und bringen sich gut ein.“ Er kann sich durchaus vorstellen, dass der eine oder andere der Neuen auf Dauer noch mehr Verantwortung übernehmen wird, die Zeit wird es bringen. Aber der Reihe nach. Im Tor: Felix Beutel, neu vom Ligarivalen SV Salamander Kornwestheim. Coach Heineke sagt: „Er belebt den Konkurrenzkampf, zeigt konstant gute Leistungen und ist in Schlussphasen häufig ein großer Rückhalt.“ Für den Kreis: Tim Düren, bislang Füchse Berlin II, Dritte Liga Nord. „Er hat sich schnell zum Abwehrchef entwickelt und gibt der Defensive gemeinsam mit Nikola Vlahovic und Jakub Strýc im Zentrum sehr viel Stabilität.“ Nicht ganz neu: Der gerade genannte Nikola Vlahovic, ein mit Zweifachspielrecht ausgestatteter Akteur der SG BBM Bietigheim. Er trainiert und spielt – anders als in der Vorsaison, als er eher aushalf – nun fast durchgängig beim Team aus der Dritten Liga mit. „Er ist ein enorm kompletter Spieler und bringt gemeinsam mit anderen jungen Spielern wie Felix Raff eine gesunde Dynamik ins Team.“ Der vierte Neue: Timm Buck, Rückraumspieler von der Handballregion Bottwar JSG. Der sei, sagt Heineke, mit seinen 18 Jahren „für sein junges Alter handballerisch schon extrem weit. Athletisch ist der Unterschied enorm groß, worauf man großen Wert legen wird und mit ihm auch sicher mehr Geduld haben wird.“ Auf Dauer könnte er auch eine gute Rolle in der Mannschaft einnehmen.

Offensive Stärke bewahren, Defensive verstärken

Maßnahmen gegen das Abwehrproblem, Bewahrung der offensiven Stärke: In der vergangenen Runde war der Angriff durchschlagskräftig, aber die Zahl der Gegentore oft zu hoch. Da stellt sich die Frage: Wie kann das eine verbessert werden, ohne das andere zu vernachlässigen. Matthias Heineke verweist darauf, dass es auch eine Frage der individuellen Qualität sei. Und so hofft er darauf, dass „wir mit Tim Düren, Nikola Vlahovic und Rückkehrer Jakub Strýc drei Spieler mit der Statur und der Athletik hinzubekommen haben, die man in der Dritten Liga einfach braucht, um eine gute Abwehr zu stellen“. Hinzu kommt: Der HCOB präsentiert sich im Tor mit Felix Beutel und Stefan Koppmeier neu aufgestellt, hat das System umgestellt – weg von einer eher defensiven Ausrichtung – und in der Vorbereitung viel auf diese Abläufe verwendet. Leidet darunter die in der vergangenen Runde so erfolgreiche Offensive? Heineke ist guter Dinge, dass die Antwort „Nein“ lautet. „Am offensiven System gab es keinen Grund für große Veränderungen. Personell wird man sehen, wie wir erfahrene Abgänge wie Jonas Frank und Benjamin Röhrle in wichtigen Phasen ersetzen können. Aber mit Evgeni Prasolov, Kevin Wolf und Ruben Sigle ist die erste Formation der letzten Saison geblieben.“ Und: Die Youngster haben in der Vorbereitung viel Druck auf die etablierten Spieler gemacht. „Das macht mich optimistisch, dass wir auch in dieser Saison im Angriff viele Tore erzielen werden.“

Bleibt die Frage nach dem Leistungsvermögen der Liga...und man stellt fest, dass die Experten Jahr für Jahr eine noch stärkere Liga vorhersagen – und zuletzt auch recht hatten. „Man spricht tatsächlich jedes Jahr davon“, sagt Matthias Heineke, „aber es werden tatsächlich auch alle Teams stärker. Darum wird es weiter in sehr vielen Spielen und auch in der Tabelle sehr eng zugehen.“ Ein Absteiger aus der zweiten Liga kam zwar nicht dazu, aber alle drei Aufsteiger (TV Plochingen, TSV Blaustein, TV Hochdorf) setzten sich in der ersten Runde der Aufstiegsrelegation durch. Und der HC Erlangen II war in der Oststaffel zuletzt im vorderen Mittelfeld zu finden.

Wie will sich der HCOB erfolgreich behaupten? Man muss nicht in die Glaskugel schauen, um zu prognostizieren, dass für ganz viele Drittligisten der Grundsatz gilt, schnell 25 Punkte zu sammeln. „Zu diesen Teams zählen wir auch“, sagt HCOB-Coach Matthias Heineke, „des-halb wollen wir gleich zu Beginn anfangen, Punkte zu holen.“ Gemeinsam mit seinem Team hat er sich vorgenommen, dass man sehr intensiv auf sich selbst schauen werde – „und wir uns jede Woche gegenseitig dazu antreiben, bis an die Grenze zu gehen und alles für einen Sieg zu tun. Wir wissen, dass wir ganz viel schaffen können, wenn wir 100 Prozent bringen, aber dass wir auch schnell die Quittung bekommen, wenn wir davon abweichen.“ Sprich: Es gilt, Vertrauen in die eigene Stärke zu gewinnen, das eigene Potenzial abzurufen, dann kann es eine gute Runde werden.

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Erstellt:
17. August 2019, 06:00 Uhr

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