Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Ohne Dahlmeier nur die Hälfte wert?

Die deutschen Biathletinnen sind genervt von den ständigen Vergleichen mit der Topläuferin – scheinen aber auf sie angewiesen

An diesem Donnerstag beginnt die Biathlon-WM. Wie schon den gesamten Winter sind die Augen der deutschen Öffentlichkeit vor allem auf Superstar Laura Dahlmeier gerichtet.

Östersund Aktuell steht es im Biathlon-Weltcup in der Begegnung Laura Dahlmeier gegen deutsche Frauenmannschaften 2:5 nach Podiumsplätzen. Das ist nicht überraschend, schließlich hat die siebenmalige Weltmeisterin aus Garmisch-Partenkirchen von acht Weltcup-Stationen lediglich vier absolviert, und dabei trat sie auch nicht in jedem Rennen an. In der vergangenen Saison, als Dahlmeier kaum mit gesundheitlichen Problemen oder anderen Hemmnissen zu kämpfen hatte, ging sie aus dem Podiumsvergleich gegen alle ihre Teamkolleginnen als 7:4-Siegerin hervor. Was belegt: Ohne Laura Dahlmeier sind die deutschen Skijägerinnen nur die Hälfte wert.

Mit dieser These kann man vor dieser Weltmeisterschaft, die an diesem Donnerstag (16.16 Uhr) in Östersund mit der Mixed-Staffel beginnt, das Blut der deutschen Damen heftig in Wallung bringen. Beim Weltcup in Oberhof Anfang Januar wetterte Franziska Preuß, nachdem sie darauf angesprochen worden war, dass Dahlmeier diesen Heimweltcup auslasse: „Ob Laura im Feld steht oder nicht, das spielt für dich, wenn du am Start stehst, keine Rolle. Es ist nervig, ständig danach gefragt zu werden.“ Dumm nur, dass Preuß und Kolleginnen im folgenden Sprint ein Resultat ablieferten, das mit der 2:3-Pleite der deutschen Fußballer anno 1978 gegen Österreich in Córdoba bei der WM vergleichbar war. Karolin Horchler war als 34. noch die Beste, Denise Herrmann folgte auf Rang 36, Franziska Hildebrand beendete das Rennen auf Platz 40 direkt vor Nadine Horchler, und Franziska Preuß wurde 45. Und dann wurde wieder der Name Dahlmeier als Vergleichsgröße genannt – was das Team mit einem Rückzug sowie einer Interviewverweigerung beantwortete. „Wenn du versuchst, deine Leistung zu bringen, und dabei immer verglichen wirst – das ist für niemanden schön. Und als Spitzensportler magst du so etwas schon gar nicht“, erklärte Frauen-Disziplintrainer Florian Steirer hinterher.

Nein, es herrscht kein Zerwürfnis zwischen Vorläuferin Laura Dahlmeier und dem Rest der Equipe. Im Gegenteil: Denise Herrmann schätzt die Anwesenheit der Doppel-Olympiasiegerin bei den Weltcup-Veranstaltungen sogar sehr. „Es ist immer besser, wann alle da sind“, sagt die Sächsin offen, „Konkurrenz belebt das Geschäft. Und je mehr Gute dabei sind, desto höher ist das Gesamtniveau – und man kommt unter Zugzwang.“ Je näher die Weltmeisterschaft in Schweden rückte, umso besser wirkte diese interne Motivationsspritze, beim letzten Weltcup vor den Titelkämpfen in Soldier Hollow (USA) vom 7. bis 11. Februar feierte Denise Herrmann den Sieg in der Verfolgung, und Franziska Hildebrand belegte in der Verfolgung Platz zwei sowie im Sprint Rang drei – dabei war Dahlmeier nach den Rennen in Canmore/Kanada eine Woche zuvor zurück nach Deutschland gejettet, um sich in Ruhe auf die WM vorzubereiten. „Ich freue mich, dass es so gut funktioniert hat“, jubelte die zweimalige Staffel-Weltmeisterin Hildebrand, „ich würde sagen, dass sich für das deutsche Team der Ausflug nach Soldier Hollow gelohnt hat.“ Sowohl Herrmann als auch Hildebrand hatten im bisherigen Saisonverlauf nicht überzeugt – bis zu den Wettkämpfen auf den olympischen Strecken von 2002 verbuchten beide neben zahlreichen Enttäuschungen nur einen neunten Rang.

Es geht zumindest partiell aufwärts bei den Biathletinnen. Vanessa Hinz hatte im Massenstart von Antholz Ende Januar einen dritten Platz belegt, nachdem sie zuvor lediglich zwei Top-Ten-Platzierungen vorweisen konnte, Franziska Preuß demonstrierte mit ihrem Erfolg im Massenstart in Ruhpolding Mitte Januar bereits, dass sie nicht nur mit der Staffel in der Lage ist, vorne mitzumischen und aufs Podium zu kommen, Karolin Horchler hat als bestes Resultat bislang jedoch lediglich einen achten Rang im Massenstart von Antholz vorzuweisen. Laura Dahlmeier ist in ihren acht Einzelstarts in diesem Winter siebenmal unter die Top Zehn gekommen und stand dreimal auf dem Podest– wo ihr Leistungsniveau steht, das werden die Starts an diesem Donnerstag in der Mixed-Staffel und im Sprint am Freitag zeigen. Dann wird die 25-Jährige aber nicht gegen ihre deutschen Kolleginnen antreten, sondern gegen die internationale Konkurrenz.

Zum Artikel

Erstellt:
7. März 2019, 09:12 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!