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Patrick Bauer will in die Premier League

Fußballprofi aus Allmersbach im Tal strebt mit Preston North End so schnell wie möglich den Sprung ins englische Oberhaus an

„Uns geht’s gut“, sagt Patrick Bauer und meint damit sich, seine Ehefrau Gergana und die zehneinhalb Monate alte Tochter Kayleen. Das ist derzeit die wichtigste Botschaft, doch für die Zeit nach der Coronakrise hat der Fußballprofi aus Allmersbach im Tal, der seit vergangenem Sommer das Trikot des englischen Zweitligisten Preston North End trägt, ein klares Ziel: Der 27-Jährige will mit seinem Verein in die Premier League aufsteigen, „damit würde sich ein Traum erfüllen“.

Fußballprofi Patrick Bauer, seine Frau Gergana und Töchterchen Kayleen bleiben derzeit weitgehend in den eigenen vier Wänden. Foto: privat

Fußballprofi Patrick Bauer, seine Frau Gergana und Töchterchen Kayleen bleiben derzeit weitgehend in den eigenen vier Wänden. Foto: privat

Von Steffen Grün

24 Teams kämpfen in der zweiten englischen Liga um Punkte. Das bedeutet 46 Spieltage und einen Terminkalender, der viel enger als in Deutschland getaktet ist. Umso mehr hatte sich Patrick Bauer bereits darauf gefreut, die Länderspielpause von 25. bis 31. März für eine Stippvisite mit der Familie in seiner schwäbischen Heimat nutzen zu können – ein Plan, der von der Coronakrise durchkreuzt wurde. Weil der Spiel- und Trainingsbetrieb in England wie in allen anderen großen europäischen Ligen ruht, hätte der gebürtige Backnanger zwar genug Zeit für Verwandtschaftsbesuche, doch sie sind trotzdem kein Thema und werden durch intensiven Kontakt über Facetime oder WhatsApp ersetzt. „Wir haben vom Verein eine Flugsperre bekommen. Es wurde uns klar gesagt, dass wir im Land bleiben sollen.“

Patrick Bauer hat mit dieser Direktive kein Problem, denn er hält die Einschränkung der sozialen Kontakte im Sinne der Viruseindämmung für richtig: „Jeder sollte so viel wie möglich zu Hause bleiben.“ Deshalb findet es auch seine Zustimmung, dass der inzwischen selbst infizierte britische Premierminister Boris Johnson nach anfänglichem Zögern auf die Linie der allermeisten Staaten eingeschwenkt ist und eine Ausgangssperre verhängt wurde. „Es muss derzeit einfach sein“, betont der Fußballprofi, der sich vor allem um seine Frau und die Tochter sorgt. Sie bleiben weitestgehend in den eigenen vier Wänden. „Wir wollen kein unnötiges Risiko eingehen. Ich gehe raus, um die notwendigsten Dinge zu besorgen.“ Erleichtert wird der Familie die Situation durch den schönen Garten, und „wir hoffen nun darauf, dass möglichst oft die Sonne scheint“. Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, weiß Bauer nach fast fünf Jahren auf der Insel aber nur zu gut.

Patrick Bauer zog sich im letzten Spiel vor der Coronazwangspause einen Handgelenksbruch zu

Um die individuellen Trainingspläne erfüllen zu können, die Teammanager Alex Neil seinen Schützlingen nach dem letzten gemeinsamen Treffen mit auf den Weg gegeben hatte, ist es von Vorteil, dass immerhin eine körperliche Aktivität pro Tag an der frischen Luft erlaubt ist. „Ich habe eine gute Strecke gefunden, die sowohl für Intervall- als auch für Ausdauerläufe geeignet ist“, erzählt der 1,92 Meter große Innenverteidiger, der im Haus zudem etliche Kilometer auf dem Spinning-Rad abspult. Wenig kann er momentan dagegen mit den Hanteln anfangen, denn „ich habe mir im bislang letzten Punktspiel das Handgelenk gebrochen und trage noch eine Weile einen Gips“. Wie es bei der 1:3-Heimschlappe gegen die Queens Park Rangers zu der Fraktur kam, „kann ich überhaupt nicht sagen, mir hat nach dem Spiel plötzlich die Hand etwas wehgetan“. Dass er in diesen Tagen und Wochen kein einziges Duell verpasst, weil wegen der Coronakrise ohnehin keine Begegnung stattfindet, darauf hätte er allerdings sehr gerne verzichtet. „Mir wäre es viel lieber, wenn der Spielbetrieb normal laufen würde“, betont Patrick Bauer.

Die Angst, seinen Stammplatz zu verlieren, hätte der Abwehrspieler wohl ohnehin nicht haben müssen, gehörte er doch in 33 der bisherigen 37 Partien zur Startelf. Nur eine kurze krankheitsbedingte Pause und eine leichte Verletzung hinderten ihn daran, zum richtigen Dauerbrenner zu avancieren. Für ihn persönlich läuft es also gut, für seinen Klub auch: „Wir wollten in die Top Sechs und da sind wir als Sechster im Moment auch.“ Das Problem: Es kann niemand einschätzen, ob und wenn ja wann und wie es weitergeht. Bisher soll die Pause bis zum 30. April dauern, aber „ich denke, dass es sich länger hinziehen wird. Ich befürchte, dass die schlimmste Zeit noch vor uns liegt.“ So lange gebe es viel wichtigere Themen als die Jagd nach dem runden Leder, „die Gesundheit der Menschen steht an erster Stelle“, sagt Patrick Bauer.

Zu hoffen, dass sich die Lage rasch verbessert und diese Saison ob mit oder ohne Zuschauer im Stadion doch noch zu Ende gespielt werden kann, ist trotzdem legitim – genauso, wie schon einmal zu überlegen, was die fairste Lösung wäre, falls es letztlich nicht klappen sollte. Eine völlige Annullierung der Runde „kann ich mir nicht vorstellen“, sagt der Schwabe und verweist auf Liverpool in der Premier League. Den Stars um Trainer Jürgen Klopp würde mit unglaublichen 25 Punkten Vorsprung der sicher geglaubte Meistertitel entrissen. In der Championship, der zweiten englischen Spielklasse, belegen Leeds United sowie West Bromwich Albion die zwei direkten Aufstiegsplätze, die Teams auf den Rängen drei bis sechs würden in den Play-offs um ein weiteres Ticket fürs Oberhaus streiten. Preston will demnach mindestens Sechster bleiben, dann könnte im Hin- und Rückspiel gegen den Dritten sowie im eventuellen Finale in Wembley gegen den Vierten oder Fünften wieder Bauers Stunde schlagen. Wie im Mai 2019, als er für den Drittligisten Charlton Athletic im entscheidenden Duell um den Zweitliga-Aufstieg gegen Sunderland in der Nachspielzeit das 2:1 erzielte – vor über 76000 Zuschauern im Londoner Fußballtempel. Was für ein Abschied von seinem damaligen Verein.

„Ich will das eine Etage höher wiederholen“, kündigt Patrick Bauer an. Sollte daraus nichts werden – weil die Runde abgebrochen wird oder weil Preston aus den Top Sechs rutscht –, „dann probieren wir es erneut“. Sein Vertrag bei dem Klub aus dem Nordwesten Englands läuft bis 2022, spätestens bis dahin soll sich sein Traum von der Premier League erfüllt haben.

Zur Person
Patrick Bauer

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Erstellt:
7. April 2020, 06:00 Uhr

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