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Russland am Abgrund: WADA entscheidet über Olympia-Bann

dpa Frankfurt. Die Geduld der Welt-Anti-Doping-Agentur mit Russland dürfte ein Ende haben. Ihrem Exekutivkomitee liegt die Empfehlung vor, wegen Manipulation von Dopingdaten harte Konsequenzen zu ziehen. Entscheidung am 9. Dezember: Olympia-Bann ja oder nein?

Russland droht erneut der Olympia-Bann. Foto: Jan Woitas/zb/dpa

Russland droht erneut der Olympia-Bann. Foto: Jan Woitas/zb/dpa

Russlands Sport steht vor dem Abgrund und nahe vor dem kompletten Olympia-Bann.

Die unabhängige Prüfkommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (CRC) hat dem Exekutivkomitee der WADA empfohlen, die russische Agentur wegen Manipulation von Dopingdaten aus dem Moskauer Labor wieder zu sperren. Unterdessen hat der Leichtathletik-Weltverband das Wiederaufnahmeverfahren von Russland gestoppt und Funktionäre gesperrt. Der Präsident des Landesverbandes RUSAF, Dmitri Schljachtin, ist daraufhin zurückgetreten.

„Das Urteil der Prüfkommission und ihre Forderung nach klaren Konsequenzen wiegen schwer“, sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. „Aufgrund der nahenden Olympischen Spiele in Tokio muss die finale Klärung zeitnah erfolgen. Dabei muss der faire und saubere Sport im Vordergrund stehen.“

Das WADA-Exekutivkomitee wird am 9. Dezember in Paris über eine Sanktion für die Russen entscheiden. Die Prüfkommission CRC ließ keinen Zweifel, dass die Geduld fünf Jahre nach Aufdeckung des Staatsdoping-Skandals zu Ende geht, und hat „schwerwiegende Konsequenzen“ vorgeschlagen.

Die deutsche Nationale Anti-Doping-Agentur hält die Empfehlung des CRC „für einen ersten richtigen Schritt“. Russlands Sportminister Pawel Kolobkow betonte dagegen, die vorliegenden Informationen hätten nur „vorläufigen Charakter“.

Das Internationale Olympische Komitee unterstrich zwar in einer Stellungnahme auf Anfrage der dpa, dass es gemäß der neuen Regeln, die seit April 2018 gelten, die Entscheidung die WADA treffe. „Das IOC respektiert dieses Verfahren uneingeschränkt“, hieß es.

Allerdings hatte IOC-Präsident Thomas Bach Anfang vergangener Woche keinen Hehl daraus gemacht, dass er gegen einen Komplettausschluss Russlands ist. „Was uns Sorgen macht ... unser Grundsatz ist, dass die Schuldigen so hart wie möglich bestraft und die Unschuldigen beschützt werden müssen“, sagte er. Bei den Winterspielen 2018 in Pyeongchang hatte das IOC Russland als Land ausgeschlossen, aber 168 Athleten nach individueller Prüfung erlaubt, unter dem Namen „Olympische Athleten aus Russland“ an den Start zu gehen.

Wann russische Leichtathleten uneingeschränkt wieder an internationalen Wettbewerben teilnehmen dürfen, steht nach dem Fall des Hochspringers Daniil Lyssenko wieder in den Sternen. Funktionäre der RUSAF sollen geholfen haben, Atteste des frühen WM-Zweiten zu fälschen, um von ihm verpasste Dopingtests zu entschuldigen.

„Ich habe beim Präsidium ein Rücktrittsschreiben eingereicht“, sagte der vom Weltverband gesperrte Schljachtin. Julia Tarasenko, die die Amtsgeschäfte vorübergehend übernehmen hat, sagte: „Unsere Stimmung ist nicht gut, die Situation ist kompliziert.“ Die Athleten stünden aber hinter dem Verband und sollten nicht leiden.

Für die dreimalige Hochsprung-Weltmeisterin Maria Lasitskene gilt dies offenbar nicht. „Tarasenko ist Schljachtins Handlanger. Sie sollte nach ihrem superprofessionellen Chef sofort aus der Föderation aussteigen“, sagte sie der Nachrichtenagentur Tass. Wenig überrascht ist von der drohenden erneuten Sperre der RUSAF Juri Ganus. „Das alles entspricht der rechtlichen Logik. Es sollte so sein“, sagte der Chef der Anti-Doping-Agentur RUSADA.

Weltverbandspräsident Sebastian Coe verteidigte die seit der Suspendierung der RUSAF im November 2015 verfolgte konsequente Haltung. „Es mag uns nicht allgemein beliebt machen, aber es ist wirklich wichtig, dass wir unseren im November 2015 eingeleiteten Prozess fortsetzen“, sagte der Brite. „Wir werden das durchziehen, wo immer wir es brauchen, um die Athleten und den Sport zu schützen.“

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Erstellt:
24. November 2019, 14:20 Uhr

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